22 Mumien in Theben entdeckt
Sensationsfund in der alten Königsstadt
Es ist ein Fund, der selbst erfahrene Ägyptologen aufhorchen lässt: In Theben-West haben Archäologen eine rechteckige, in den Fels gehauene Kammer freigelegt. Darin lagen 22 reich bemalte Holzsarkophage – samt Mumien.
Entdeckt wurde die Kammer bei Arbeiten an einem bereits bekannten Grabmal. Beteiligt waren Archäologen der ägyptischen Altertumsbehörde und der Zahi-Hawass-Stiftung. Theben, gegenüber der heutigen Stadt Luxor gelegen, war einst Regierungssitz des oberägyptischen Königsreichs und zählt zu den bedeutendsten archäologischen Stätten des Landes.
"Sänger des Amun" statt Namen
Besonders auffällig: Viele der Särge tragen Inschriften. Doch statt individueller Namen fanden die Forscher überwiegend Funktionsbezeichnungen.
"Die meisten dieser Sarkophage tragen Funktionsbezeichnungen anstelle von Personennamen", zitierte das ägyptische Nachrichtenportal "See News" den Generalsekretär des Obersten Rates für Altertümer, Hisham El-Leithy. "Die am häufigsten gefundene Bezeichnung ist ‚Sänger des Amun‘", erklärte El-Leithy.
Wer genau diese "Sänger des Amun" waren, ist noch unklar. Amun war einer der wichtigsten Götter im alten Ägypten. Die Bezeichnung deutet darauf hin, dass die Verstorbenen möglicherweise eine religiöse Funktion innehatten. Genauere Untersuchungen stehen noch aus.
Präzise gestapelt, sorgfältig verborgen
Die 22 Sarkophage waren im Inneren der Kammer ordentlich übereinandergestapelt. Laut Missionsleiter Zahi Hawass waren sie in zehn horizontalen Reihen angeordnet. Um den Platz optimal zu nutzen, trennten die alten Ägypter die Deckel von den Sargkorpussen.
Neben den Särgen entdeckten die Forscher mehrere Keramikgefäße. Diese könnten Materialien enthalten haben, die im Mumifizierungsprozess verwendet wurden.
Der Fund wird der sogenannten Dritten Zwischenzeit zugeordnet, die etwa von 3000 bis 2600 Jahren vor heute datiert wird. Die Mumien seien unversehrt.
Allerdings gehen die Wissenschafter davon aus, dass die Toten ursprünglich nicht in jener Felskammer bestattet wurden, in der sie nun entdeckt wurden. Weitere Ausgrabungen sollen klären, aus welchen Gräbern die Sarkophage stammen.
Restaurierung läuft
Parallel zu den Untersuchungen haben Restaurierungsexperten mit Konservierungsmaßnahmen begonnen. Das Holz gilt als fragil. Verrottete Fasern werden behandelt, geschwächte Putzschichten stabilisiert und die Oberflächen mechanisch gereinigt – mit dem Ziel, Ablagerungen zu entfernen, ohne die Farben zu beschädigen.
Hawass sprach von einer Entdeckung, die neue Geheimnisse der Dritten Zwischenzeit offenlege und einen "riesigen Informationsschatz" liefere. Die Forschenden hoffen auf neue Erkenntnisse über Musiker und Musik im alten Ägypten.
Mehr als zweieinhalb Jahrtausende nach ihrem Tod rücken die "Sänger des Amun" damit wieder ins Licht der Öffentlichkeit – und geben der Forschung neue Rätsel auf.
(VOL.AT)