700.000 Flüchtlinge im Libanon – Hilferuf aus Nahost
Die humanitäre Situation im Nahen Osten hat sich nach Angaben mehrerer Hilfsorganisationen infolge des Iran-Krieges weiter verschärft. Tausende Menschen sind auf der Flucht, vielerorts ohne Telefonverbindung und ohne Kontakt zu ihren Familien.
Allein im Libanon ist die Zahl der Flüchtlinge laut Rotem Kreuz auf über 700.000 Menschen angestiegen. Angehörige in Österreich und anderen Staaten bangen um ihre Familienmitglieder.
Gesundheitsversorgung vor dem Kollaps
Die Diakonie Katastrophenhilfe kündigte am Dienstag den Start humanitärer Nothilfe für Betroffene im Libanon und im Gazastreifen an. Familien müssten ihr Zuhause und ihren Besitz verlassen und in sicherere Landesteile fliehen, teilte die Organisation mit.
Nach Angaben der Hilfsorganisation steht die Gesundheits- und Wasserversorgung in den betroffenen Gebieten vor dem Kollaps. Die Seuchengefahr steige, medizinische Evakuierungen seien stark beeinträchtigt.
Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser beklagte eine "eklatante Lücke in der öffentlichen Aufmerksamkeit". Das Thema humanitäre Hilfe komme in der Berichterstattung kaum vor. Beim Beginn des Ukraine-Krieges sei dies anders gewesen, obwohl "doch jeder Krieg zu humanitären Katastrophen" führe, so Moser laut Aussendung.
Sie betonte zudem: "Es herrscht allerorts Angst, Erschöpfung und große Unsicherheit." Gleichzeitig stießen aufnehmende Gemeinden und staatliche Stellen zunehmend an ihre Belastungsgrenzen. Die internationale Gemeinschaft dürfe die Menschen in dieser Situation nicht alleinlassen.
Rotes Kreuz im Dauereinsatz
Das Österreichische Rote Kreuz verwies am Dienstag auf den anhaltenden Einsatz des libanesischen Roten Kreuzes, des iranischen Roten Halbmonds und des israelischen Magen David Adom. Verletzte würden versorgt, Lebensmittel und Medikamente bereitgestellt sowie Flüchtlinge in Notunterkünften untergebracht.
Über das internationale Family-Links-Netzwerk können Angehörige sogenannte "Anxious for News"-Anfragen stellen, um kurze Botschaften an vermisste Familienmitglieder zu übermitteln.
Der Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes, Gerald Schöpfer, appellierte an alle Konfliktparteien, das humanitäre Völkerrecht einzuhalten. "Menschen bangen jeden Tag um ihr Überleben", erklärte er. Ziel müsse es sein, "unnötiges Leid für die Zivilbevölkerung zu vermeiden".
(APA/VOL.AT)