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Amoklauf an Grazer Schule: Ein tragischer Tag und seine Folgen

Der Amoklauf in Graz am 10. Juni 2025 erschütterte die Nation.
Der Amoklauf in Graz am 10. Juni 2025 erschütterte die Nation. ©APA
Am 10. Juni 2025 ereignete sich im Grazer Bundesoberstufenrealgymnasium (BORG) Dreierschützengasse ein Amoklauf, der innerhalb weniger Minuten elf Menschenleben forderte und zahlreiche weitere schwer verletzte.

Die späteren Ermittlungen von Polizei, Innenministerium und Landeskriminalamt Steiermark zeichneten ein weitgehend klares Bild des Tatablaufs und der Vorbereitung des Täters. Im Folgenden werden die wesentlichen, offiziell bestätigten Informationen zusammengefasst.

Waffen legal erworben

Der Täter, ein 21-jähriger ehemaliger Schüler der Schule, hatte das Gebäude am Vormittag mit einem Rucksack betreten. In diesem befanden sich zwei Schusswaffen, die er wenige Wochen zuvor legal erworben hatte: eine abgesägte doppelläufige Flinte und eine Pistole vom Typ Glock 19. Er begab sich unmittelbar nach dem Betreten in eine Toilette im dritten Stock, wo er sich mit einem Waffengurt, einem Messer, einer Schutzbrille und einem Gehörschutz ausrüstete. Die Ermittlungen ergaben später, dass der junge Mann den Ablauf minutiös geplant und schriftlich festgehalten hatte.

Kurz vor 10 Uhr fielen die ersten Schüsse. Der Täter bewegte sich zwischen dem zweiten und dritten Stock und feuerte in zwei Klassenräume. Die Schussphase dauerte nach polizeilicher Rekonstruktion etwa sieben Minuten. In diesem Zeitraum wurden neun Schüler tödlich verletzt. Die Lehrerin, die ebenfalls angeschossen wurde, verstarb noch am selben Abend im Krankenhaus.

Schütze richtete sich selbst

Die ersten Notrufe erreichten die Einsatzkräfte der Polizei kurz vor 10 Uhr. Um 10.06 Uhr traf die erste Streife ein, unmittelbar gefolgt von spezialisierten Einheiten der Schnellen Interventionsgruppe, der EGS und der Cobra. Bereits beim Eindringen der Polizei ins Gebäude waren keine Schüsse mehr zu hören. Um 10.13 Uhr fanden Cobra-Beamte den Täter in einer Toilettenkabine im dritten Stock. Er hatte sich selbst getötet. Erst nach Sicherung des Gebäudes konnten ab 10.17 Uhr medizinische Einsatzkräfte in alle betroffenen Bereiche vordringen und die Versorgung der Verletzten übernehmen.

In den Stunden nach der Tat wurde das Gebäude vollständig geräumt und ein Krisenstab eingerichtet. Die Evakuierten wurden in der Helmut-List-Halle und in einer weiteren Betreuungseinrichtung versorgt. Insgesamt waren über 160 Mitarbeitende des Roten Kreuzes sowie Kriseninterventionsteams im Einsatz.

Psychisch untauglich für Bundesheer

Die Ermittlungen ergaben, dass der Täter weder vorbestraft war noch zuvor durch Drohungen oder auffälliges Verhalten gegenüber der Schule aufgefallen war. Er hatte die Schule 2022 ohne Abschluss verlassen und lebte zum Zeitpunkt der Tat bei seiner Mutter. Die Waffenbesitzkarte war ihm Mitte Mai 2025 erteilt worden, nachdem er das dafür notwendige psychologische Gutachten bestanden hatte. Gleichzeitig war bekannt geworden, dass er beim Tauglichkeitsverfahren des Bundesheeres als psychisch untauglich eingestuft worden war – diese Information gelangte jedoch nicht an die Waffenbehörde.

Offizielle Stellen bestätigten, dass der Täter die Tat allein begangen hat und keine Hinweise auf Mittäter oder Komplizen am Tatort vorlagen. Die Ermittlungen gegen "unbekannte Beteiligte" bezogen sich lediglich auf mögliche Kenntnisse oder Unterstützung im Vorfeld, nicht aber auf eine zweite Person am Tatort.

Die Tat löste große Anteilnahme aus und führte binnen weniger Wochen zu politischen Maßnahmen, darunter die Anhebung des Mindestalters für den Erwerb bestimmter Waffen sowie eine Ausweitung des Datenaustauschs zwischen Behörden. Parallel dazu wurden Programme zur psychosozialen Betreuung der Schülerinnen, Eltern und Lehrkräfte an der betroffenen Schule intensiviert.

"Ihr seid das Licht der Welt"

Am Abend des 10. Juni, keine zwölf Stunden nach der Tat, versammeln sich in Graz bereits Tausende Menschen zu spontanen Mahnwachen. In Kirchen der Stadt werden Gedenkgottesdienste gehalten. In sozialen Medien teilen Hunderttausende den Slogan "Pray for Graz" oder ändern ihre Profilbilder, um Solidarität zu zeigen. Österreich hat in diesem Moment innegehalten und trauert gemeinsam.

Bei der großen Gedenkveranstaltung am Grazer Hauptplatz, fünf Tage nach der Tat, standen Tausende Menschen Schulter an Schulter. Sie hielten Kerzen, hörten den Reden zu – von Politikern, von Vertretern der Kirchen, vor allem aber von der Jugend selbst. Der Schulsprecher der betroffenen Schule, Ennio Resnik, fand bewegende Worte: "Egal ob Muslim, Christ, Jude oder Atheist, egal ob links, rechts oder Mitte – ihr seid das Licht der Welt", rief er in die Menge und appellierte an alle, jetzt nicht in Hass oder Misstrauen zu verfallen. Stattdessen solle man zusammenstehen und einander Liebe zeigen.

International bleiben die Ereignisse nicht unbemerkt. Die Nachricht schafft es in die Schlagzeilen europäischer Medien; ein Amoklauf an einer Schule in Österreich – das gab es noch nie in dieser Dimension. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen lässt mitteilen, die Tat habe sie "ins Mark getroffen" und sie trauere mit Österreich. Staatschefs wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und Italiens Premierministerin Giorgia Meloni kondolieren der österreichischen Regierung. Sogar Papst Leo XIV. gedenkt der Opfer bei einer Generalaudienz im Vatikan und spricht den Familien sein Beileid aus. Es ist ein weltweites Zeichen der Anteilnahme – Österreich ist nicht allein in seinem Schmerz.

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(VOL.AT)

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