"Atomkraft eine der sichersten und ungefährlichsten" Formen der Energiegewinnung
Der Radioökologe ordnet die oft dramatisch dargestellten Folgen für Österreich deutlich nüchterner ein. Mit der Zahl von rund 1.000 zusätzlichen Krebsfällen konfrontiert, stellt er klar: Dabei handle es sich um "lediglich einen errechneten, hypothetischen Wert", der statistisch nie konkret nachweisbar gewesen sei.
Auch die heutige Belastung sei gering. Die Strahlenexposition durch Tschernobyl liege bei "weniger als ein Prozent der natürlichen Strahlenbelastung". Konsequenzen für den Alltag sieht Steinhauser daher nicht: Man könne "selbstverständlich" weiterhin "Schwammerl aus dem Salzkammergut konsumieren".
Aufenthalt vor Ort laut Experte vertretbar
Steinhauser hat selbst mehrfach in der Sperrzone geforscht. Seine Einschätzung zur Strahlenbelastung fällt dabei überraschend aus: Der Flug nach Tschernobyl verursache eine höhere Dosis als der Aufenthalt vor Ort. Ganz unkritisch sieht er die Region dennoch nicht: "Dort leben würde ich auch nicht wollen. Aber eine Woche finde ich unproblematisch".
"Eine der sichersten" Energieformen
Grundsätzlich plädiert der Experte für eine differenzierte Betrachtung von Kernenergie. Radioaktivität werde oft als besonders bedrohlich wahrgenommen – objektiv halte diese Einschätzung aber nicht immer stand. Gemessen an Todesfällen pro erzeugter Kilowattstunde sei Atomkraft "eine der sichersten und ungefährlichsten" Formen der Energiegewinnung.
Für Aufsehen sorgt ein Vergleich mit erneuerbaren Energien. So sei Solarenergie "deutlich gefährlicher", da jedes Jahr "beliebig viele Menschen vom Dach fallen, wenn sie dort Solarpaneele installieren".
"Unfassbar sicher" – und heute nicht vergleichbar
Sein klares Fazit zur modernen Kernenergie: "So wie die Kernenergie heute betrieben wird, ist sie unfassbar sicher". Der Unfall von Tschernobyl sei mit heutigen Standards nicht vergleichbar. Steinhauser spricht von einem "dilettantisch durchgeführten" Experiment, "von dem heute jeder Physikstudent auf der TU Wien abraten würde". Ein solcher Ablauf wäre heute ausgeschlossen – ein ähnlicher Unfall daher "völlig ausgeschlossen".
Österreich bleibt bei Nein zur Atomkraft
Unabhängig von der fachlichen Bewertung sieht Steinhauser keine politische Zukunft für Kernenergie in Österreich. Die ablehnende Haltung in der Bevölkerung sei entscheidend. Dass hierzulande auch künftig kein Atomkraftwerk gebaut werde, sei daher zu akzeptieren.
(Red.)