Aufhebungsantrag zum Rauchverbot im Nationalrat eingebracht
Mit dem Antrag soll das Tabak- und Nichtraucherschutzgesetz geĂ€ndert werden. Im Gegenzug zur Beibehaltung von RaucherrĂ€umen in Lokalen bringt es ein Verkaufsverbot von Tabakwaren an unter 18-JĂ€hrige. Auch das Rauchverbot in Autos, wenn sich darin MinderjĂ€hrige befinden, wird eingefĂŒhrt. FĂŒr die Kontrolle dieser Bestimmung wird die Polizei zustĂ€ndig sein.
Weiter MinderjÀhrige in Raucherzonen
Nicht enthalten ist in dem Antrag die versprochene Bestimmung, dass die Gastronomie-Raucherbereiche kĂŒnftig nicht von unter 18-JĂ€hrigen betreten werden dĂŒrfen. Dies falle als Jugendschutz-Angelegenheit in die Kompetenz der LĂ€nder, man könne dies nicht auf Bundesebene regeln, hieĂ es auf APA-Anfrage im FPĂ-Klub.
Ein wenig dauern wird es auch noch mit dem Tabak-Verkaufsverbot an Personen unter 18 Jahren. WĂ€hrend die Gastronomieregelung per 1. Mai 2018 eingefĂŒhrt wird, und zwar unbefristet, kommen die Bestimmungen fĂŒr den Verkauf erst mit 1. JĂ€nner 2019. BegrĂŒndet wird das mit der notwendigen Umstellungszeit, etwa bei Zigarettenautomaten.
Dass Ausbildung und BeschĂ€ftigung von Jugendlichen in Betrieben ĂŒberwiegend in NichtraucherrĂ€umen erfolgen muss, gilt schon derzeit. KĂŒnftig kann das Gesundheitsministerium hier noch weitergehende Vorschriften erlassen, heiĂt es im Initiativantrag.
Gastronomie erfreut ĂŒber Initiativantrag
Die Gastronomie hat am Mittwoch den Initiativantrag begrĂŒĂt, mit dem das ab 1. Mai 2018 gĂŒltige generelle Rauchverbot in der Gastronomie noch vor dessen Inkrafttreten wieder ausgehebelt werden soll. Die VerlĂ€ngerung der bestehenden Regelung sei âsachgerecht, verhĂ€ltnismĂ€Ăig und aus Sicht der Branche zu begrĂŒĂenâ.
Ebenso positiv sehe man den gesellschaftlichen Wandel hin zu einem gesteigerten Gesundheitsbewusstsein. âAuch das Bekenntnis der Regierung zu verstĂ€rktem Jugendschutz und PrĂ€vention ist ein Schritt in die richtige Richtungâ, meinte Mario Pulker, Obmann des Fachverbandes Gastronomie in der Wirtschaftskammer Ăsterreich. Ein generelles Rauchverbot ausschlieĂlich in der Gastronomie hĂ€tte eine eklatante Ungleichbehandlung zu anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens dargestellt, in denen es praktisch ĂŒberall weiterhin möglich ist, einen abgetrennten Raucherraum einzurichten, so die Wirte.
Die rege Beteiligung am âDonât smokeâ-Volksbegehren zeige, dass das Thema Rauchen fĂŒr viele Menschen hohe Relevanz hat. âDiesem Trend folgend sind auch ein GroĂteil der Speiselokale und praktisch alle NeugrĂŒndungen in der Gastronomie bereits rauchfrei. Diese Entscheidung sollten aber die Gastronomen und â bei der Wahl des Lokals â auch die GĂ€ste eigenstĂ€ndig treffen können,â so Pulker.
Rauchverbot: Dringliche Anfrage der SPĂ
Dass die schwarz-blaue Bundesregierung das generelle Rauchverbot in der Gastronomie kippen will, ist fĂŒr die SPĂ Anlass zu einer Dringlichen Anfrage an Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPĂ). Sie soll beantworten, was sie selbst davon hĂ€lt, wie Ăsterreich im internationalen Vergleich dasteht und wie sich das Vorhaben mit völkerrechtlichen Verpflichtungen vereinbaren lĂ€sst.
In der AnfragebegrĂŒndung wird das Vorhaben als âenormer gesundheitspolitischer RĂŒckschrittâ gebrandmarkt, der von Experten, aber auch der Bevölkerung kritisiert werde. International gehe alles in Richtung Nichtraucherschutz, nur Ăsterreich schwimme gegen den Strom und habe eine konstant hohe Raucherrate. Das 2015 beschlossene Nichtraucherschutzgesetz sollte dem Einhalt gebieten, nun wolle es die Regierung aber rĂŒckgĂ€ngig machen.
An Hartinger-Klein sind dann 24 Fragen gerichtet. Sie soll Auskunft ĂŒber Rauchverbote und deren Auswirkungen in anderen EU-Staaten, die Raucherquote im internationalen Vergleich, internationale EinschĂ€tzungen des Nichtraucherschutzes in Ăsterreich, gesundheitliche Folgen des Rauchens oder auch die Kosten fĂŒr das Gesundheitssystem Auskunft geben.
Gefragt wird die Gesundheitsministerin aber auch, ob sich die Gesetzesnovelle mit der völkerrechtlichen Verpflichtung Ăsterreichs zur Verbesserung des Nichtraucherschutzes (WHO Framework Convention on Tobacco Control) und dem im Bundesministeriengesetz verankerten Aufgaben des Gesundheitsressorts (âSchutz vor Gefahren fĂŒr den allgemeinen Gesundheitszustand der Bevölkerungâ) vereinbaren lĂ€sst.
SchlieĂlich wird Hartinger-Klein auch persönlich auf den Zahn gefĂŒhlt. Wie stehe sie selbst zum Rauchverbot in der Gastronomie und dessen nun geplanten Kippen, wird sie gefragt, und was habe sie getan, um FPĂ und ĂVP zum Umdenken zu bewegen? Zum Abschluss soll die Ministerin MaĂnahmen nennen, mit denen sie die Raucherzahl in Ăsterreich in den nĂ€chsten fĂŒnf Jahren senken will.
Gesundheitsministerin beantwortet dringlich Anfrage
Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPĂ) hat am Mittwoch im Nationalrat entgegen frĂŒherer Aussagen das Aushebeln des Gastro-Rauchverbots verteidigt und all jene attackiert, die die MaĂnahme 2015 unter der rot-schwarzen Bundesregierung beschlossen hatten. âSie haben den Gastwirten ihre Gastfreundlichkeit verbotenâ, sagte sie in Beantwortung einer Dringlichen Anfrage der SPĂ.
Ăsterreich sei ein sehr gastfreundliches Land mit langer Tradition im Tourismus. âSelbstverstĂ€ndlich maĂregelt der Gastgeber seine GĂ€ste nicht, wenn sie kleinere SchwĂ€chen habenâ, so Hartinger-Klein. Sie kritisierte Rot-Schwarz fĂŒr das Abschieben von Verantwortung: âWeil Sie gewusst haben, wie grauslich dieses Gesetz ist, haben Sie eine Ăbergangsfrist beschlossen, damit Ihre Regelungen erst bei der nĂ€chsten Regierung in Kraft treten.â
Die blaue Gesundheitsministerin hatte in der Vergangenheit wiederholt âkeine Freudeâ ĂŒber die FPĂ-forcierte VerbotsrĂŒcknahme zum Ausdruck gebracht. Nun stellte sie einen Zusammenhang zwischen Rauchverboten in der Gastronomie und einem RĂŒckgang der Raucherzahlen strikt in Abrede. Mit Ăsterreichs völkerrechtlichen Verpflichtungen zum Nichtraucherschutz sei das geplante Gesetz in Einklang, gelte doch die bisherige Regelung weiter. ZusĂ€tzlich werde der Schutz von Kindern und Jugendlichen verbessert.
Schutz MinderjÀhriger sei nicht gefÀhrdet
Auch den gesetzlichen Auftrag ihres Ministeriums zum âSchutz vor Gefahren fĂŒr den allgemeinen Gesundheitszustand der Bevölkerungâ sah sie nicht gefĂ€hrdet, habe man den Schutz MinderjĂ€hriger doch stĂ€ndig erhöht. Zudem sei âdie individuelle Entscheidungsfreiheit angemessen zugrunde zu legenâ, so die Gesundheitsministerin abschlieĂend.
Zuvor hatte SPĂ-Gesundheitssprecherin Pamela Rendi-Wagner das Vorhaben als âSchandeâ bezeichnet. Es werfe den Nichtraucherschutz im Lande um Jahre zurĂŒck und âmacht Ăsterreich einmal mehr zum Aschenbecher Europasâ. Sie sei erschĂŒttert, so die Ărztin und Ex-Gesundheitsministerin, und zwar auch ĂŒber jene 28 ĂVP-Abgeordneten, die das Verbot seinerzeit beschlossen hatten und nun die Aufhebung unterstĂŒtzten. âIst es der Koalitionspakt mit der FPĂ wirklich wert, die Gesundheit der Bevölkerung aufs Spiel zu setzen, quasi zu verkaufen?â, fragte sie.
Rendi-Wagner erinnerte an die verheerenden gesundheitlichen Auswirkungen des Rauchens, vor allem durch Lungenkrebs: âDiese Krankheit zerstört Leben, zerstört Familien, sie nimmt Kindern Vater und Mutter.â Bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode seien 60.000 Lungenkrebstote zu erwarten: âViele könnten durch ein Rauchverbot in der Gastronomie gerettet werden.â Dass das laufende Volksbegehren von der Regierung ignoriert werde, sei eine Ohrfeige fĂŒr die UnterstĂŒtzer, so Rendi-Wagner, die an Hartinger-Klein appellierte, das Rauchverbot wie beschlossen in Kraft treten zu lassen.
Emotionale Debatte ĂŒber Rauchverbot
Dicke Luft hat am Mittwoch im Nationalrat zwischen Regierung und Opposition geherrscht: Die Debatte zur geplanten Aufhebung des absoluten Rauchverbots in der Gastronomie verlief Ă€uĂerst laut und aufbrausend. Die ĂVP warf der SPĂ, die die Dringliche Anfrage gestellt hatte, vor, eine Show abzuziehen. âSchĂ€men Sie sich!â, rief wiederum NEOS-Chef Matthias Strolz den Regierungsfraktionen zu.Einen emotionalen Auftritt legte zunĂ€chst der SPĂ-Abgeordnete Philip Kucher aus KĂ€rnten, wo am Sonntag Landtagswahlen stattfinden, hin: Jene ĂVP-Abgeordneten, die eigentlich schon genau das Gegenteil beschlossen hatten, nĂ€mlich das komplette Rauchverbot in der Gastronomie, und dieses nun wieder aufheben sollen, tĂ€ten ihm leid. âDas ist ja erbĂ€rmlich, was hier abgehtâ, echauffierte sich Kucher. âWo ist denn die direkte Demokratie?â, fragte er die Regierungsparteien aufgebracht. âBeenden wir diese peinliche Debatte. Lassen wir die Bevölkerung abstimmen!â
ĂVP-GeneralsekretĂ€r Karl Nehammer warf dem SPĂ-Abgeordneten eine âpolemische Redeâ vor, rieb ihm aber im selben Atemzug auch unter die Nase, âdass Du ab und an gern rauchstâ. Es werde hier ein falscher Eindruck erweckt: Es bleibe ja eigentlich das Rauchverbot in der Gastronomie, ausgenommen in Extra-RĂ€umen, bestehen. Zudem werde der Nichtraucherschutz gestĂ€rkt, denn man mache erstmals klar, âdass Jugendschutz vorgehtâ, argumentierte Nehammer. So werde es etwa unter 18 verboten sein, sich in RĂ€umlichkeiten aufzuhalten, wo geraucht wird â wobei er einrĂ€umte, dass dies in der Kompetenz der LĂ€nder liegt. âRauchen ist schĂ€dlich, dazu bekennt sich hier jeder im Raumâ, betonte Nehammer. Die effizienteste MaĂnahme sei noch immer die VerhaltensprĂ€vention.
FPĂ ortet âPropagandaâ in Rauchverbots-Debatte
âDa wird bewusst sehr viel Propaganda betriebenâ, sprang Peter Wurm, Konsumentenschutzsprecher der FPĂ, bei. Es gebe ja seit zehn Jahren ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie, aber man habe eben eine Lösung gefunden âfĂŒr ein friedliches und tolerantes Miteinander von Rauchern und Nichtrauchernâ, verwies er auf die Ausnahmen â die laut RegierungsplĂ€nen nun weiter bestehen sollen. Die vorige Regierung habe ein âtotales Rauchverbotâ beschlossen, so Wurm: âAllein der Begriff ist schon sehr brutal. Ich frage Sie: wollen Sie ein totales Rauchverbot in Ăsterreich haben?â Es gehe der FPĂ lediglich um Wahlfreiheit.
Bei der Debatte gehe es âum Leben und Todâ, entgegnete NEOS-Klubchef Matthias Strolz. âFrau Gesundheitsministerin, was ist mit Ihnen? Sie sind fĂŒr die Gesundheit verantwortlichâ, gab er sich fassungslos. âHC Strache und ich haben auch schon gemeinsam eine Zigarette gerauchtâ, lieĂ Strolz wissen. âAber ich bin verdammt noch mal hier ein Politiker und trage Verantwortung.â Es sei âbeklemmend, erbĂ€rmlich und verantwortungslosâ, was die Regierungsparteien machen: âSie stellen parteipolitische Taktik ĂŒber den Tod von zwei bis drei Passivrauchern in Ăsterreich pro Tag.â Die Gegner der Aufhebung des Rauchverbots in den Reihen der ĂVP forderte Strolz etwas deftig auf, einen Aufstand im Klub zu machen und nicht mitzustimmen: âHabtâs ihr cojones (Spanisch fĂŒr Hoden, Anm.), oder nicht?â
Etwas ruhiger versuchte es dann Liste Pilz-Klubobmann Peter Kolba: Er verstehe zwar den Grant der Gastronomen in Ăsterreich, weil man sie NichtraucherrĂ€ume bauen und dann wieder abreiĂen lasse. Aber man sollte trotzdem einbeziehen, was Mediziner zum Passivrauchen sagen, befand Kolba. Dass sich die ĂVP darauf berufe, rein aus Pakttreue zur FPĂ zu handeln, sei lĂ€cherlich. Abermals rief Kolba dazu auf, das Volksbegehren âDonât smokeâ zu unterstĂŒtzen.
Die Opposition versuchte es auch mit AntrĂ€gen, die freilich keine Aussicht auf Erfolg haben: Die NEOS beantragten eine Volksbefragung, die SPĂ brachte einen (unverbindlichen) EntschlieĂungsantrag gegen eine Aufweichung des Rauchverbots ein.
Strache gegen Rauchen im Freien
Mit heiserer Stimme, weil verkĂŒhlt, hat sich auch Vizekanzler und FPĂ-Chef Heinz-Christian Strache am Mittwoch in der Raucherdebatte im Nationalrat zu Wort gemeldet. Raucher wĂŒrden irgendwann krank, doch schicke man sie aus der Gastronomie zwangsweise nach drauĂen, âstirbst vorher an LungenentzĂŒndungâ, polemisierte er in Anspielung auf die aktuelle Witterung gegen die SPĂ.
AuĂerdem wĂŒrden vor den Lokalen stehende Raucher fĂŒr LĂ€rm und AnrainerbelĂ€stigung sorgen. Den Gastronomen drohten dadurch etwa in Wien horrende Geldstrafen, so der selbst als Raucher bekannte Vizekanzler.
Strache plĂ€dierte fĂŒr Eigenverantwortung. Raucher trĂ€fen die freie Entscheidung, zur Zigarette zu greifen, so wie jeder Mensch die freie Wahl habe, sich ungesund zu ernĂ€hren oder Extremsport zu betreiben, philosophierte er. Die direkte Demokratie nehme er ernst, betonte er in Bezug auf das aktuelle Volksbegehren zum Rauchverbot: âIch habe kein Problem damit, nach dem Volksbegehren eine Abstimmung sicherzustellen und möglich zu machen.â
Die Debatte zur Dringlichen Anfrage der SPĂ in Sachen Rauchverbot ging kurz darauf mit der Abstimmung der beiden eingebrachten AntrĂ€ge zu Ende. Sowohl jener der NEOS (fĂŒr eine Volksbefragung) als auch jener der SPĂ (gegen die Aufhebung des Gastro-Rauchverbots) wurden mit schwarz-blauer Mehrheit abgeschmettert.
(APA/Red)