Australien unter rotem Himmel: Seltenes Zusammenspiel aus Staub, Sturm und Wolken
Staub, Sturm und ein Himmel wie aus einem Katastrophenfilm
Ein gespenstisches Licht, das die Landschaft in ein dunkles Rot taucht – was Bewohner der Region Shark Bay im Westen Australiens am Freitag erlebten, ging wenig später um die Welt. Während sich Tropenzyklon "Narelle" der Küste näherte, wirbelten starke Winde enorme Mengen roten Staubs auf.
"Der Himmel wurde immer oranger und gegen 15.30 Uhr war plötzlich alles rot", schilderte Kerrie Shepherd vom Shark Bay Caravan Park. "Es war überall – und man hat den Staub im Mund und in den Augen gespürt."
Das Phänomen hielt mehrere Stunden an, bevor Wind und Regen das Schauspiel ebenso rasch beendeten, wie es gekommen war.
Warum der Himmel rot wurde
Laut dem australischen Wetterdienst ist die Erklärung vergleichsweise simpel – und dennoch selten in dieser Intensität zu beobachten. Zwei Faktoren kamen zusammen:
Zum einen der Boden selbst: Der Norden Westaustraliens ist bekannt für seinen eisenhaltigen, rötlichen Staub. Durch die starken Winde des Zyklons wurde dieser großflächig aufgewirbelt und bis in südlichere Regionen getragen.
Zum anderen die Wetterlage: Dichte Wolken verhinderten, dass Sonnenlicht direkt durchdringen konnte. Stattdessen wurde das Licht gleichmäßig gestreut – ein Effekt, der die ohnehin staubige Luft noch dunkler und intensiver erscheinen ließ.
"Normalerweise sieht man solche Staubstürme unter blauem Himmel", erklärte Meteorologe Angus Hines. "In Kombination mit dichter Bewölkung entsteht dieser besonders düstere, fast gleichmäßige Rotton."
Bilder gehen um die Welt
Die dramatischen Aufnahmen aus Shark Bay fanden rasch internationale Beachtung. Medien wie die New York Times, CNN oder die Washington Post griffen die Bilder des "apokalyptischen" Himmels auf.
Auch aus der nahegelegenen Ortschaft Denham wurden Straßen und Gebäude in tiefrotes Licht getaucht.
Zyklon richtet schwere Schäden an
Während Shark Bay glimpflich davonkam, hinterließ Zyklon "Narelle" andernorts deutliche Spuren. Besonders betroffen war Exmouth, wo der Sturm auf Land traf: Dächer wurden abgedeckt, die Marina schwer beschädigt, der Flughafen laut Berichten "verwüstet".
Selbst ein als sturmsicher geltendes Evakuierungszentrum wurde beschädigt – Teile des Dachs hielten den Böen nicht stand.
Weiter südlich, in Carnarvon, berichten Landwirte von massiven Ernteausfällen. Ein Bananenproduzent verlor nach eigenen Angaben mehr als 80 Prozent seiner Ernte. Insgesamt sollen rund 30 landwirtschaftliche Betriebe schwer beschädigt worden sein.
Die Behörden haben bereits Soforthilfen angekündigt: Für stark beschädigte Häuser sind Einmalzahlungen von umgerechnet rund 2.000 Euro vorgesehen, bei Totalschäden bis zu 4.000 Euro.
(VOL.AT)