Auto rast in Menschenmenge in Modena: Was wir wissen – und was nicht
Was ist passiert?
Am Samstag fuhr ein Auto in einer verkehrsberuhigten Zone im Zentrum von Modena in eine Gruppe von Fußgängerinnen und Fußgängern. Laut Polizei erfasste der Wagen zunächst mehrere Passantinnen, Passanten und einen Radfahrer, wechselte danach die Straßenseite und fuhr weitere Menschen an. Schließlich prallte das Fahrzeug gegen die Schaufensterscheibe eines Geschäfts.
Videoaufnahmen von Überwachungskameras sollen zeigen, dass das Auto mit hoher Geschwindigkeit unterwegs war und gezielt auf Menschen zusteuerte.
Wie viele Menschen wurden verletzt?
Nach bisherigen Angaben wurden insgesamt acht Personen verletzt. Zwei Menschen schweben weiterhin in Lebensgefahr: Einer 55-jährigen Frau und einem 52-jährigen Mann mussten die Beine amputiert werden.
Unter den Verletzten befinden sich auch zwei Touristinnen:
- eine 69-jährige Deutsche
- eine 53-jährige Polin
Beide wurden schwer verletzt und operiert.
Wie ist der Zustand der Verletzten?
Die beiden Touristinnen liegen im Krankenhaus "Baggiovara" in Modena. Laut der Leiterin der Intensivstation befinden sie sich in einer kritischen Phase nach einem schweren Trauma. Prognosen seien derzeit nicht möglich.
Auch die beiden Patientinnen und Patienten, denen Beine amputiert werden mussten, befinden sich weiterhin in akuter Lebensgefahr.
Wer ist der Verdächtige?
Bei dem Fahrer handelt es sich laut Polizei um einen 31-jährigen Italiener marokkanischer Herkunft, der in Modena lebt. Der Mann wurde festgenommen.
Nach der Tat versuchte er offenbar zu fliehen. Passantinnen und Passanten verfolgten ihn und hielten ihn schließlich in einer Seitenstraße fest. Dabei soll der Mann ein Messer gezogen und einen Verfolger am Kopf verletzt haben.
Gibt es Hinweise auf Alkohol oder Drogen?
Nein. Laut Polizei verliefen Alkohol- und Drogentests negativ.
Gibt es Hinweise auf psychische Probleme?
Medienberichten zufolge soll der Verdächtige bis 2024 wegen einer schizoiden Persönlichkeitsstörung psychiatrisch behandelt worden sein. Offizielle Details dazu nannten die Behörden bislang nicht.
Wird wegen Terrorismus ermittelt?
Die Ermittler prüfen ein mögliches terroristisches Motiv. Die Vorgehensweise erinnere an frühere Anschläge mit Fahrzeugen, etwa in Nizza oder auf Weihnachtsmärkten in Deutschland, hieß es aus Ermittlerkreisen.
Gleichzeitig betonten die Behörden, es gebe bislang keine Hinweise auf Verbindungen zu terroristischen Gruppen oder auf eine islamistische Radikalisierung des Verdächtigen.
Was berichten Augenzeugen?
Mehrere Zeugen schilderten chaotische Szenen. Ein Mann berichtete, das Auto sei mit hoher Geschwindigkeit direkt auf den Gehweg zugesteuert. Menschen seien durch die Luft geschleudert worden.
Andere Zeugen berichteten von Blut, Schuhen und Taschen auf der Straße. Ein weiterer Mann erklärte, er habe sich nur retten können, weil er sich im letzten Moment in ein Geschäft flüchtete.
Wie reagiert die Politik?
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sagte einen geplanten Besuch auf Zypern ab und reiste gemeinsam mit Staatspräsident Sergio Mattarella nach Modena. Beide besuchten die Verletzten im Krankenhaus.
Meloni sprach von einem "äußerst schwerwiegenden" Vorfall und dankte den Bürgerinnen und Bürgern, die den Fahrer gestoppt hatten.
Auch internationale Politikerinnen und Politiker äußerten sich betroffen. Der israelische Außenminister Gideon Saar sprach von einem "feigen Anschlag". EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola zeigte sich ebenfalls erschüttert.
Was ist noch unklar?
Noch offen ist vor allem:
- ob die Tat gezielt geplant war
- ob tatsächlich ein terroristisches Motiv vorliegt
- welche Rolle mögliche psychische Probleme des Verdächtigen spielten
- Warum der Mann in die Menschenmenge fuhr
Die Ermittlungen dauern an.
(APA/VOL.AT)