AA

Autos raus aus Salzburg: Stadt greift im Sommer durch

Salzburg sperrt im Juli und August die Innenstadt für viele Autos.
Salzburg sperrt im Juli und August die Innenstadt für viele Autos. ©APA/AFP
Salzburg sperrt im Juli und August die Innenstadt für viele Autos.

Wenn Regen die Ausflugspläne durchkreuzt, zieht es viele Urlauber aus dem Umland in die Salzburger Innenstadt – meist im eigenen Auto. Die Folge: verstopfte Straßen, stockender Verkehr und im Extremfall Stillstand. Nicht nur Busse und Bahnen geraten dann ins Stocken, auch Einsatzkräfte kommen teils nur schwer voran.

Genau hier setzt die neue Regelung an. In den Monaten Juli und August wird die Durchfahrt durch das Zentrum rund um die Staatsbrücke für Pkw eingeschränkt. Betroffen sind Fahrzeuge ohne Kennzeichen aus Salzburg-Stadt (S), Salzburg-Umgebung (SL), Hallein (HA) sowie dem benachbarten Berchtesgadener Land (BGL inklusive BGD, REI und LF).

Kontrolliert wird vorerst klassisch: mit Polizei und Wachdiensten. Perspektivisch denkt die Stadt aber auch an kamerabasierte Zufahrtssysteme nach italienischem Vorbild.

"Schon 1.000 Autos bringen das System an Grenzen"

Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) machte bei der Präsentation der Maßnahme deutlich, wie sensibel das Verkehrsnetz reagiert: "Schon 1.000 Fahrzeuge zusätzlich bringen das System an die Grenzen." Ziel sei es daher, die Zahl der täglichen Durchfahrten um etwa diese Größenordnung zu reduzieren.

Kritisch blickte Auinger auch auf die Vergangenheit: "Wir haben die Touristen de facto bis in unser Wohnzimmer fahren lassen. Ich kenne das aus keiner anderen Stadt." Die neue Regelung solle sowohl den Bewohnern als auch der Wirtschaft und letztlich auch den Gästen selbst zugutekommen.

Ausnahmen und neue Angebote

Nicht alle sind von den Einschränkungen betroffen. Ausnahmen gelten unter anderem für Lieferverkehr, Hotelgäste, Menschen mit Behinderung sowie Personen mit Arbeitsplatz in der Altstadt.

Gleichzeitig setzt die Stadt auf Alternativen: Seit Mai 2025 gibt es das "Guest Mobility Ticket", das Nächtigungsgästen die Nutzung des öffentlichen Verkehrs ermöglicht. Zusätzlich stehen Park-and-Ride-Anlagen zur Verfügung – etwa bei der Messe, beim Outlet-Center und im Süden der Stadt. Für 7,50 Euro kann dort ganztägig geparkt werden, ein Öffi-Ticket für bis zu fünf Personen ist inkludiert.

Für die Umsetzung – inklusive Informationskampagnen und zusätzlichem Personal – investiert die Stadt rund 150.000 Euro.

Ziel ist weniger Stau, mehr Lebensqualität und bessere Erreichbarkeit für Öffis und Einsatzkräfte.

Mehr Lebensqualität nach italienischem Vorbild

Planungsstadträtin Anna Schiester (Bürgerliste) sprach von einem ersten Schritt in Richtung lebenswertere Innenstadt: Ziel sei "ein bisschen mehr Dolce Vita und Flanier-Qualität". Besucher sollen ihre Fahrzeuge möglichst am Stadtrand abstellen und auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen.

Langfristig könnte das System weiter ausgebaut werden – etwa durch digitale Zufahrtskontrollen.

Verlängerung bereits im Gespräch

Die Sommerregelung könnte kein einmaliges Experiment bleiben. Bürgermeister Auinger stellte bereits eine mögliche Verlängerung ab September in Aussicht – insbesondere im Hinblick auf die geplante Sperre des Neutors wegen Bauarbeiten für die Festspiele. "Das würde Sinn machen", so der Stadtchef.

Viele Versuche, wenig Erfolg

Die Stadt hat in der Vergangenheit bereits mehrere Anläufe unternommen, den Urlauberverkehr zu lenken – etwa durch Umleitungen zu Park-and-Ride-Plätzen, Pförtnerampeln oder zeitweise Einfahrtsbeschränkungen. Auch freiwillige Shuttle-Angebote konnten das Problem bisher nicht nachhaltig lösen.

Mit der aktuellen Maßnahme wagt Salzburg nun einen neuen, deutlich strengeren Zugang. Ob er den erhofften Effekt bringt, wird sich in den kommenden Sommermonaten zeigen.

(VOL.AT)

  • ADMIN AT
  • Österreich
  • Autos raus aus Salzburg: Stadt greift im Sommer durch