Babynahrung-Skandal: Anzeige gegen Nestlé & Danone
Mehrere Fälle von verunreinigter Babynahrung sorgen aktuell für Aufsehen – nun hat die Konsumentenschutzorganisation Foodwatch Österreich Konsequenzen gezogen.
Anzeige gegen große Lebensmittelkonzerne
Am Freitag brachte Foodwatch Österreich bei der Staatsanwaltschaft Wien Strafanzeige gegen Nestlé und Danone Österreich ein. Der Vorwurf: Die Unternehmen könnten kontaminierte Produkte zu spät öffentlich gemacht haben.
Im Raum stehen laut Foodwatch unter anderem der Verdacht auf das Inverkehrbringen gesundheitsgefährdender Lebensmittel sowie mögliche Körperverletzung durch Unterlassung.
Sieben betroffene Familien haben sich der Anzeige angeschlossen.
Erkrankte Kinder in Österreich
Laut der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) wurden mit Stand 12. März insgesamt 14 Erkrankungsfälle im Zusammenhang mit dem Toxin Cereulid gemeldet.
- 3 Fälle gelten als bestätigt
- 11 als wahrscheinlich
Betroffen waren Kinder im Alter zwischen zwei Wochen und drei Jahren. Alle sind laut Behörden inzwischen wieder genesen.
Nach Angaben von Foodwatch zeigten zumindest 76 Kinder Symptome, darunter Erbrechen und Durchfall. Einige mussten im Krankenhaus behandelt werden.
Kritik an verspäteter Information
Foodwatch sieht insbesondere Klärungsbedarf bei der Frage, ob Hersteller ihrer Informationspflicht rechtzeitig nachgekommen sind.
Nach geltender Rechtslage liegt die Verantwortung für die Lebensmittelsicherheit bei den Unternehmen. Im Falle eines Risikos müssen Behörden informiert und Produkte umgehend zurückgerufen werden.
Die Organisation betont, dass gerade bei Säuglingsnahrung kein Spielraum für Verzögerungen bestehe.
Rückrufe in mehr als 60 Ländern
Der Skandal betrifft nicht nur Österreich: Seit Dezember wurden betroffene Produkte weltweit in über 60 Ländern zurückgerufen.
Auslöser war laut bisherigen Erkenntnissen ein verunreinigtes Öl eines Zulieferers aus China, das in Milchpulver verwendet wurde.
Neben Österreich meldeten auch mehrere europäische Länder Fälle, darunter Frankreich, Belgien und Spanien.
EU-Behörden gehen aktuell davon aus, dass die meisten Erkrankungen mild verliefen. In einzelnen Fällen kam es jedoch zu Krankenhausaufenthalten wegen Dehydrierung.
Weitere Schritte angekündigt
Foodwatch kündigte an, neben der Strafanzeige weitere rechtliche Schritte zu prüfen. Zudem würden sich laufend weitere betroffene Familien melden.
Die Organisation fordert eine vollständige Aufklärung und mögliche Konsequenzen für die beteiligten Unternehmen.
(VOL.AT/APA)