Bauen im Hochgebirge kostet doppelt so viel wie im Tal
Ohne tausende ehrenamtliche Arbeitsstunden wäre der Erhalt der alpinen Infrastruktur kaum möglich.
Viele Schutzhütten des Österreichischen Alpenvereins sind mittlerweile mehr als 100 Jahre alt. Zahlreiche Gebäude müssen daher in den kommenden Jahren umfassend saniert oder durch Ersatzbauten erneuert werden. Die Herausforderungen dabei sind enorm.
"Die Baukosten sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Und im Hochgebirge ist Bauen in der Regel rund doppelt so teuer wie im Tal", erklärt Georg Unterberger, Leiter der Abteilung Hütten und Wege im Österreichischen Alpenverein.
Neben den allgemeinen Preissteigerungen erschweren auch die besonderen Bedingungen in alpinen Lagen die Umsetzung. Höhere Anforderungen an Statik und Windlasten, komplexe Genehmigungsverfahren sowie die oft schwierige Erreichbarkeit der Baustellen treiben Aufwand und Kosten zusätzlich in die Höhe.
Glungezer-Hütte wird ab 2027 umfassend saniert
Ein aktuelles Beispiel ist die Glungezer-Hütte des Alpenvereins Hall in Tirol. Die auf 2610 Metern gelegene Schutzhütte in den Tuxer Alpen soll ab 2027 umfassend modernisiert werden.
Die exponierte Lage bringt besondere Herausforderungen mit sich. Rund um die Hütte können Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 km/h auftreten. Gleichzeitig beschränkt das alpine Klima die Bauzeit auf wenige Monate zwischen Juni und September.
Um Transporte möglichst effizient zu gestalten, setzt der Alpenverein auf eine weitreichende Vorfertigung. Bauteile werden bereits im Tal produziert und anschließend auf den Berg gebracht. Dadurch sollen unnötige Materialtransporte, Nachlieferungen und Abfälle reduziert werden.
Historischer Charakter soll erhalten bleiben
Die Glungezer-Hütte wurde ursprünglich 1932 errichtet. Laut Romed Giner, dem ersten Vorsitzenden des Alpenvereins Hall in Tirol, machen erhebliche Mängel in der bestehenden Bausubstanz die Sanierung notwendig.
"Ohne Sanierung würden wichtige Bereiche langfristig nicht mehr den betrieblichen, energetischen, bautechnischen und gesetzlichen Anforderungen entsprechen", sagt Giner.
Geplant sind unter anderem die Modernisierung der Schlaflager, neue Sanitärbereiche sowie zeitgemäße Unterkünfte für Pächter und Personal. Darüber hinaus sollen energetische, statische und geologische Maßnahmen umgesetzt werden. Die Zahl der Schlafplätze bleibt mit 48 Betten unverändert.
Trotz der umfangreichen Arbeiten soll der historische Charakter der Hütte erhalten bleiben. So bleiben die denkmalprägende Prachensky-Stube aus dem Jahr 1935 sowie die markante Natursteinfassade bestehen.
Die Kosten für den Umbau werden mit rund 3 Millionen Euro beziffert. Während der gesamten Sommersaison 2027 bleibt die Hütte geschlossen.
Nachhaltigkeit wird zum zentralen Thema
Neue Hüttenstandorte werden vom Alpenverein grundsätzlich nicht erschlossen. Stattdessen konzentriert sich die Organisation auf die Sanierung bestehender Gebäude und notwendige Ersatzbauten.
Im Fokus stehen dabei Energieeffizienz, Eigenversorgung mit Energie sowie ein sparsamer Umgang mit Wasser. Bestehende Gebäudeteile sollen möglichst erhalten bleiben, um Ressourcen zu schonen und den ursprünglichen Charakter der Hütten zu bewahren.
Zusätzliche Herausforderungen bringt der Klimawandel mit sich. Veränderungen bei der Wasserverfügbarkeit und der Stabilität von Standorten können den Betrieb hochalpiner Hütten zunehmend beeinflussen und Anpassungen an der Infrastruktur erforderlich machen.
Tausende Freiwilligenstunden sichern den Erhalt
Für den Alpenverein spielt ehrenamtliches Engagement eine entscheidende Rolle. Ohne freiwillige Helferinnen und Helfer wäre der Erhalt des österreichischen Hüttennetzes kaum finanzierbar.
"Nur mit den Ehrenamtlichen wird es möglich bleiben, unsere alpine Infrastruktur als die Grundlage des ‚wanderbaren Österreich‘ für Einheimische wie Touristen und als das effizienteste Instrument der Besucherlenkung zu bewahren", betont Unterberger.
Wie wichtig dieser Einsatz ist, zeigt das Beispiel der Gamskarkogel-Hütte in Salzburg. Dort wurden innerhalb von zehn Wochen durch 40 Freiwillige rund 75 Tonnen Material verarbeitet. Insgesamt leisteten die Helfer 4400 ehrenamtliche Arbeitsstunden, wobei ein Großteil der Arbeiten in Eigenregie erfolgte.
Neben der Glungezer-Hütte verdeutlichen auch Projekte wie das Hinteralm-Haus, das Schneealpen-Haus, die Reichenstein-Hütte in der Steiermark sowie die Gamskarkogel-Hütte in Salzburg die steigenden Anforderungen im alpinen Hüttenbau. Für den Alpenverein bleibt dabei vor allem eines entscheidend: langfristig verlässliche Finanzierungsmodelle für den Erhalt der alpinen Infrastruktur.
(VOL.AT)