Beamter häuft 1405 Überstunden an – jetzt ist die Stadt in Erklärungsnot
1405 Überstunden in einem Jahr: Verwaltung unter Druck
Ein kommunaler Verwaltungsbeamter soll im Jahr 2025 insgesamt 1405 Überstunden geleistet haben. Das entspricht durchschnittlich 6,5 zusätzlichen Arbeitsstunden pro Werktag – eine Zahl, die weit über üblichen Maßstäben liegt und in der Gemeinde für Diskussionen sorgt. Die Tageszeitung La Voz de Galicia berichtete zuerst über den Fall.
"Praktisch unmöglich" – Opposition zweifelt an den Zahlen
Ein Sprecher der oppositionellen Fraktion bezeichnete die Überstundenmenge als "praktisch unmöglich zu glauben". Besonders brisant: Laut Angaben aus dem Gemeinderat soll der Mitarbeiter durch die geleisteten Überstunden mehr verdient haben als durch sein reguläres Gehalt.
Verwaltung verweist auf Personalmangel
Die zuständige Bürgermeisterin bestätigte die Zahlen, wies jedoch auf die außergewöhnliche personelle Situation im betroffenen Verwaltungsbereich hin. Die Abteilung, in der der Beamte tätig war, sei im Jahr 2025 aufgrund von Krankheit und Pensionierung nur mit einer Person besetzt gewesen – ihm selbst. Daher seien zusätzliche Arbeitszeiten unvermeidlich gewesen.
Was das Arbeitsrecht dazu sagt
Laut arbeitsrechtlichen Regelungen gelten klare Grenzen für Überstunden. In vielen Ländern – darunter auch Österreich und Deutschland – ist die tägliche Höchstarbeitszeit gesetzlich begrenzt, in der Regel auf acht Stunden, mit möglichen Ausnahmen bis zehn Stunden, sofern ein zeitnaher Ausgleich erfolgt.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen:
- Mehrarbeit: Überschreitung der vereinbarten täglichen Arbeitszeit
- Überstunden: Überschreitung der vertraglich geregelten Wochenarbeitszeit
Die Kompensation erfolgt meist durch Freizeitausgleich oder Zuschläge, geregelt über Tarifverträge oder betriebliche Vereinbarungen.
Konsequenzen und offene Fragen
Ob die angegebenen Überstunden tatsächlich in vollem Umfang geleistet wurden, bleibt weiter Gegenstand politischer Diskussionen. Die Verwaltung verweist auf eine außergewöhnliche Personalsituation, während Oppositionsparteien mehr Transparenz fordern. Besonders brisant: Der Fall aus Spanien wirft auch grundlegende Fragen zur Kontrolle von Arbeitszeiten im öffentlichen Dienst auf.
Der Fall ereignete sich in der nordwestspanischen Gemeinde Marín, Provinz Pontevedra, mit rund 24.000 Einwohnern. Die Stadt wird von der konservativen Volkspartei (PP) regiert. Medienberichten zufolge war der betroffene Verwaltungsbeamte im Jahr 2025 zeitweise allein für eine gesamte Abteilung zuständig – wegen Krankheitsfällen und Pensionierungen.