AA

Capsaicin gegen chronische Schmerzen: Chili-Pflaster als neue Therapie

Dr. Stefan Scheike und Manuela Boldt, Gesundheits- und Krankenpflegerin, zeigen das Pflaster, mit dem der Chiliwirkstoff bei Schmerzpatienten eingesetzt wird.
Dr. Stefan Scheike und Manuela Boldt, Gesundheits- und Krankenpflegerin, zeigen das Pflaster, mit dem der Chiliwirkstoff bei Schmerzpatienten eingesetzt wird. ©UKL
Chronische Schmerzen machen Millionen Menschen das Leben schwer. Am Universitätsklinikum Leipzig kommt nun ein Scharfmacher aus der Chilischote zum Einsatz – mit erstaunlichen Ergebnissen bei Nervenschmerzen.

Wer unter chronischen Schmerzen leidet, hat nicht selten zahlreiche Arztbesuche, Untersuchungen und Therapieversuche hinter sich. Am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) setzen Schmerzmediziner nun auf eine eher ungewöhnliche, aber vielversprechende Substanz: Capsaicin – der Scharfstoff aus Chilischoten.

Der Wirkstoff wird in hochkonzentrierter Form als Pflaster auf die Haut aufgebracht und kommt gezielt bei Patient:innen mit schwer therapierbaren Nervenschmerzen zum Einsatz. Dr. Stephan Scheike, Anästhesist und Leiter der Schmerztagesklinik, erklärt: "Capsaicin wirkt, indem es die Schmerzrezeptoren an den Nervenenden überreizt – dadurch werden sie unempfindlicher gegenüber weiteren Reizen." Die Folge: Das Schmerzempfinden lässt nach.

Dr. Stephan Scheike und Manuela Boldt, Gesundheits- und Krankenpflegerin, zeigen das Pflaster, mit dem der Chiliwirkstoff bei Schmerzpatienten eingesetzt wird. ©ULK

Pflaster mit Schärfe – kontrollierter Einsatz in Klinik

Die Anwendung erfolgt ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht in der Schmerzambulanz oder im Rahmen der teilstationären, vierwöchigen multimodalen Schmerztherapie in der Tagesklinik des UKL. Denn: Die Konzentration des Capsaicins ist hoch, die Pflaster dürfen daher nur für kurze Zeit und genau dosiert angewendet werden.

Nach erfolgreichen Pilotanwendungen ist das Verfahren nun fester Bestandteil des Behandlungsangebots. Besonders für Menschen, die etwa nach einer Gürtelrose unter bleibenden Nervenschmerzen leiden, kann das Chili-Pflaster eine neue Chance bedeuten. "Gerade für diese Patient:innen, bei denen andere Therapien nicht ausreichend wirken, ist das eine wertvolle Ergänzung", betont Scheike.

Komplexe Behandlung für komplexe Schmerzen

Chronische Schmerzen haben viele Gesichter – ob Rücken, Kopf, Gelenke oder Fibromyalgie. Gemeinsam ist ihnen oft die Tatsache, dass die ursprüngliche Ursache nicht mehr im Vordergrund steht. Stattdessen ist der Schmerz selbst zur Krankheit geworden, erklärt Scheike: "Es ist eine erlernte Reaktion des Körpers, bei der die Nervenbahn dauerhaft im Alarmmodus bleibt."

Hier setzt die sogenannte multimodale Schmerztherapie an. Das UKL bietet in seiner Tagesklinik ein vierwöchiges Programm an, das aus medikamentösen, psychologischen und bewegungstherapeutischen Bausteinen besteht. Ziel ist es, den Betroffenen wieder mehr Kontrolle über ihr Leben zu geben – und Wege zu finden, mit dem Schmerz besser umzugehen.

Die Teilnahme an der Tagesklinik ist begrenzt – maximal acht Personen pro Kurs. Trotzdem macht Scheike Mut: "Wir haben immer wieder kurzfristige Absagen. Daher lohnt es sich, nachzufragen – lange Wartezeiten lassen sich meist vermeiden."

Hinweis: Dieser Artikel berichtet über Forschungsergebnisse und neue medizinische Behandlungsansätze. Er dient ausschließlich der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Die beschriebenen Anwendungen erfolgen unter ärztlicher Aufsicht. Bei gesundheitlichen Beschwerden sollte fachärztlicher Rat eingeholt werden.

(VOL.AT)

  • ADMIN AT
  • Gesundheit
  • Capsaicin gegen chronische Schmerzen: Chili-Pflaster als neue Therapie