Cybermobbing nimmt zu: Was Familien tun können
Wenn eine Gruppe gegen einen Einzelnen vorgeht
Nicht jeder Streit am Schulhof ist gleich Mobbing. "Mobbing ist kein gewöhnlicher Streit", betont Doris Hörburger von der Koordinationsstelle Mobbing. Während Konflikte auf unterschiedlichen Meinungen oder Interessen basieren, sind die Machtverhältnisse bei Mobbing ungleich verteilt. Das heißt: Eine Gruppe richtet sich gegen einen Einzelnen.
Ein weiteres Merkmal ist die Dauer. Mobbing zieht sich über einen längeren Zeitraum. Dazu kommt das Gefühl der Hilflosigkeit beim Opfer. Es kann sich aus eigener Kraft kaum wehren – genau das unterscheidet Mobbing fundamental von alltäglichen Auseinandersetzungen unter Kindern.
Viele Gesichter – auch digital
Mobbing kann in unterschiedlichen Formen auftreten: verbal durch Beschimpfungen, körperlich durch Gewalt, sozial durch Ausgrenzung oder auch digital.
Gerade Cybermobbing stellt Familien vor besondere Herausforderungen. Angriffe können rund um die Uhr stattfinden, Inhalte verbreiten sich rasend schnell. Was einmal in Umlauf ist, lässt sich nur schwer wieder einfangen.
Was Eltern tun können
Wichtig ist vor allem, dass Eltern Ruhe bewahren und dem Kind Sicherheit vermitteln, sagt Hörburger. Offene Gespräche sind entscheidend. Ebenso sollte das Selbstwertgefühl der Kinder zu Hause gestärkt werden.
Hilfreich ist auch das Sichern von Beweisen, etwa Chat-Nachrichten. Eltern sollten zudem den Kontakt zur Schule suchen, um das Problem gemeinsam in den Griff zu bekommen. Soziale Kontakte außerhalb der belastenden Situation – etwa in Vereinen oder im Sport – können zusätzlich stabilisieren.
Wenn Eltern unsicher sind, ob es sich tatsächlich um Mobbing handelt, können sie sich an die Koordinationsstelle Mobbing (KOMO) wenden. Die Stelle bietet Beratung, Information und Unterstützung bei Fallmeldungen. Auch bei einem bloßen Verdacht ist eine Kontaktaufnahme möglich. Frühzeitiges Handeln kann helfen, belastende Situationen rasch zu klären und weitere Eskalationen zu verhindern.
96 Anfragen im Schuljahr 2024/25
Im Schuljahr 2024/25 wurden von der Koordinationsstelle Mobbing 96 Anfragen bearbeitet. Dabei ging es hauptsächlich um Konflikte zwischen Schülerinnen und Schülern. Der Großteil der Anfragen stammte aus Mittelschulen, gefolgt von Volksschulen.
Geografisch konzentrierten sich die meisten Fälle auf die Bezirke Bregenz und Feldkirch.
Von den 96 dokumentierten Fällen kamen die meisten Meldungen von Eltern. Nur in wenigen Fällen wandten sich Lehrkräfte oder die Schulleitung direkt an die Koordinationsstelle. Melden betroffene Schülerinnen oder Schüler selbst Konflikte, leitet die Koordinationsstelle die Fälle zur weiteren Bearbeitung an die Schulleitung weiter.
(VOL.AT)