"Der Bierpreis ist an der oberen Grenze dessen, was zumutbar ist"
An den Tankstellen klettern die Preise über die Zwei-Euro-Marke und auch auf dem Kassenzettel im Supermarkt stehen immer höhere Zahlen: Energie und viele Lebensmittel werden teurer. Grund dafür ist auch der hohe Energieaufwand, unter dem ein Teil unseres Essens hergestellt werden muss. So auch das allseits beliebte Bier.
Der stetig steigende Verbraucherpreisindex ist dafür ein guter Indikator. Er gibt die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen an, die ein Haushalt konsumiert. Im Preisradar der Statistik Austria wird deutlich, dass besonders Fette, alkoholfreie Getränke sowie Milch, Käse und Eier in den ersten drei Monaten des Jahres teurer waren.
Der Preisanstieg spart auch Bier nicht aus. Der Preis wird aber nicht durch die eigentlichen Rohstoffe Gerste, Malz und Hopfen bestimmt, die nur einen verschwindend geringen Anteil am Bierpreis haben: Nur 2,3 Prozent des Bierpreises werden durch Braugerste bestimmt, der Rest sind hohe Steuern, Löhne, Transport, Gewinn, Etiketten, Kronkorken und die Energiekosten.
Energiekosten sind der grundlegende Preistreiber beim Bier
Mit diesen Kosten kämpfen kleine und große Brauereien in Vorarlberg. Wird die Herstellung teurer, muss das auf das Produkt aufgeschlagen werden. Viel Energie braucht der Brauvorgang durch das Erhitzen und Kochen der Maische in der Sudpfanne, bei der aus der Stärke der Gerste oder des Weizens mit Wasser Alkohol erzeugt wird, erklärt Johannes Haag von der Latschaur Brauerei, einem kleinen Betrieb aus Tschagguns. Tanks, Leitungen und Flaschen müssen mit viel heißem Wasser gereinigt werden, nach dem Kochen wird das fertige Produkt schnell im Gär- und Lagerkeller abgekühlt – auch die Abkühlung ist energieintensiv.
Neben der Produktion müssen Brauereien auch mehr für Gehälter der eigenen Mitarbeiter, für den Transport und die Logistik wie Lagerung und Kühlung ausgeben, fasst die Brau Union Österreich die Ursachen zusammen. Brauereien setzen auf "Effizienzmaßnahmen", heißt es von allen Seiten auf VN-Nachfrage. Modernere Brauanlagen, die Verwendung der Leichtglasflasche, die beim Transport Gewicht einspart, und Energiegewinnung aus grünen Technologien wie PV-Anlagen sollen dabei helfen.
Lukas Dorner, Geschäftsführer der Brauerei Egg im Bregenzerwald, bestätigt, dass die gestiegenen Energiekosten beim Bierbrauen herausfordernd sind, den Bierpreis aber noch nicht in die Höhe treiben: "Die Frage ist eher: Wie lange bleibt das Niveau so hoch? Und wie müssen wir mittelfristig und langfristig kalkulieren?" Das sei derzeit noch nicht abschätzbar.
"Bierpreis an der oberen Grenze dessen, was zumutbar ist"
Auf die gestiegenen Produktionskosten trifft jetzt noch die regelmäßige Erhöhung der Bierpreise im Frühjahr, bevor die Sommersaison im Biergarten startet, so Dorner. "Da sind die Energiepreise aber noch nicht einkalkuliert." Dorner prognostiziert: "Wir müssen abwarten, wie sich das entwickelt. Zukünftig werden wir uns mit langfristigeren Verträgen absichern müssen – wohlwissend, dass der Preis an der oberen Grenze dessen ist, was dem Konsumenten zumutbar ist."
Brauereien versuchen gegenzusteuern und sich von volatilen Energiepreisen unabhängiger zu machen. "Wir haben eine Photovoltaikanlage aufs Dach gebaut, gewinnen die Wärme, die beim Bierbrauen entsteht, zurück und führen sie in die Heizung des Hauses über", erklärt Johannes Haag. Der junge Bierbrauer erwartet, dass die Rohstoffe noch teurer werden.
Und weil die Energie gleichzeitig durch hohe Öl- und Gaspreise nach wie vor teuer ist, ist eine Entspannung bei den Preisen daher nicht zu erwarten. Wer über Ostern ins Lokal geht, wird zwar gut gefüllte Stuben vorfinden – die Konsumlaune sei aber eher "zurückhaltend", sagt der Egger-Bier-Chef Dorner: Die Gäste gönnen sich derzeit also ein Bier weniger.