Drohnenabschuss über Kreuzfahrtschiff: Urlauber im Persischen Golf eingeschlossen
Im Persischen Golf herrscht Stillstand. Mehrere Kreuzfahrtschiffe großer Reedereien dürfen ihre Häfen derzeit nicht verlassen. Hintergrund ist die militärische Eskalation zwischen Israel, den USA und dem Iran seit Ende Februar. Die strategisch wichtige Straße von Hormus ist blockiert – ein Nadelöhr für den internationalen Schiffsverkehr.
Mindestens sechs Schiffe warten laut Berichten internationaler Medien auf die Freigabe zur Weiterfahrt. Tausende Urlauber sind betroffen.
Explosionen in Dubai
Ein Schweizer Passagier berichtet von angespannten Tagen an Bord der MSC Euribia, die im Hafen Port Rashid in Dubai liegt. "Wir sitzen hier bereits seit dem 28. Februar fest. Eigentlich wären ab dem 2. März noch Ferien auf den Malediven geplant gewesen", schildert er.
Vor allem zu Beginn der Woche seien wiederholt Detonationen zu hören gewesen. "Auch ein Gebäude in Sichtweite der MSC wurde getroffen, woraufhin dichter, schwarzer Rauch aufstieg", sagt er. Ein Video zeigt, wie Passagiere applaudieren, als ein Touristenflugzeug startet – offenbar eines der ersten, das den Flughafen wieder verlassen konnte.
Von Bord dürfen die Gäste derzeit nicht.
Drohne über "Mein Schiff 5" abgeschossen
Auch die deutschen Kreuzfahrtschiffe Mein Schiff 4 und Mein Schiff 5 von TUI Cruises sind betroffen. Die "Mein Schiff 5" liegt im Hafen von Doha in Katar. Laut Berichten deutscher Medien wurde dort eine Drohne direkt über dem Schiff abgeschossen.
Eine Augenzeugin schildert die Situation so: "Passagiere sind in Tränen ausgebrochen und waren völlig fertig. Wir fühlen uns gerade ziemlich hilflos und alleingelassen."
Eine andere Passagierin beschreibt die Lage drastisch: "Es sind ja keine Ferien mehr, auch dadurch, dass man sozusagen eingesperrt ist und nicht mal in den Pool kann. Es ist wie ein Gefängnis." Den Angaben zufolge dürfen Gäste zeitweise weder an Land noch auf ihre Balkone.
Die Crew versuche, mit Freizeitprogrammen und Grillabenden an Deck für Normalität zu sorgen. "Sie versuchen, durch BBQs an Deck die Stimmung aufzuhellen. Lächerlich in meinen Augen", sagt die Passagierin.
Unterschiedliche Wahrnehmung an Bord
Nicht alle Reisenden schildern die Situation gleich. Eine Mutter aus Deutschland, die mit ihren zwei fünfjährigen Kindern auf der "Mein Schiff 4" in Abu Dhabi festsitzt, beschreibt den Alltag ruhiger: "Uns geht es den Umständen entsprechend gut. Wir sind gesund und versuchen, ruhig zu bleiben und die Situation anzunehmen, wie sie ist. Wir fühlen uns sicher!"
Viele Eltern würden sich zusammentun, die Kinder spielten gemeinsam. Die Crew informiere regelmäßig über neue Entwicklungen.
Reedereien verweisen auf Behörden
TUI Cruises teilt auf ihrer Website mit: "Die Gäste werden umfassend betreut und versorgt. Der Bordbetrieb läuft regulär im Rahmen der gegebenen Umstände." In Abstimmung mit den zuständigen Behörden würden Rückreisen organisiert. Einige Gäste der "Mein Schiff 4" konnten bereits abreisen.
Wie lange die Blockade andauert, ist unklar. US-Präsident Donald Trump erklärte am Dienstag, er rechne mit "etwa vier bis fünf Wochen" Krieg. Eine längere Dauer schloss er nicht aus.
Militärische Eskalation im Hintergrund
Israel und die USA hatten am 28. Februar Ziele im Iran angegriffen. Der Iran bestätigte in diesem Zusammenhang den Tod seines Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei. Teheran reagierte mit Gegenangriffen auf US-Stützpunkte in mehreren Ländern. Die Spannungen in der Region haben sich seither deutlich verschärft.
Für die Urlauber im Golf bedeutet das vor allem eines: Warten. Auf politische Entscheidungen. Auf Sicherheitsfreigaben. Und auf ein Ende einer Reise, die ganz anders verlaufen ist als geplant.
(VOL.AT)