Eine Kampagne soll für den Lehrerberuf begeistern - aber das Hauptproblem kann die auch nicht lösen
"Jede Maßnahme, die hilft, den Lehrermangel zu beheben, ist grundsätzlich zu begrüßen", sagt Alexander Frick, Vertreter der Pflichtschullehrer Vorarlbergs. 514 Stellen gilt es für das Schuljahr 2026/2027 zu besetzen: Die 2022 gestartete Kampagne "bildung bringt's" soll Lehrer motivieren, sich auf die Teil- und Vollzeitstellen zu bewerben, junge Menschen sollen sich für ein Studium an der Pädagogischen Hochschule entscheiden.
In "Zeiten wie diesen" brauche es Werbung für den Lehrerberuf, dessen Stellenwert früher mal höher gewesen sei. Frick wünscht sich stellvertretend vom Dienstgeber mehr Rückhalt, gerade in schwierigen Situationen mit Eltern. Die Bildungsdirektion Vorarlberg setzt die Kampagne „bildung bringt's" fort, mit der neue Lehrer – darunter auch Quereinsteiger – für den Schuldienst angeworben werden. Unter dem Slogan „Wo bist du?" werden heuer 137.500 Euro für Plakate und Social-Media-Schalten, die die Zielgruppe laut einer Evaluierung der Landesregierung am besten erreichen, sowie für Bildschirme an Bahnhöfen und Messeauftritten ausgegeben.
Die Kampagne ist Teil eines breiteren Maßnahmenpakets der Bildungsdirektion, das unter anderem Schulbesuche in Maturaklassen, das Programm „Students Teach Students" (AHS- und BHS-Schüler schlüpfen in die Lehrerrolle) sowie Kontakte mit deutschsprachigen Schulen im Ausland umfasst. In Vorarlberg sei eine Vielzahl an Personen in den Schuldienst eingetreten, und an der Pädagogischen Hochschule Feldkirch hätten sich die Studierendenzahlen positiv entwickelt, heißt es vom Land.
Ansehen des Lehrerberufs als Hauptproblem
Für Frick sind nicht die fehlenden Kampagnen der Grund, dass so viele Stellen unbesetzt bleiben: "Der Lehrerberuf lebt auch von Mund-zu-Mund-Propaganda und das Image der Lehrer ist nicht das Allerbeste." Wer dauernd mit Beschwerden und Vorwürfen konfrontiert sei, brauche den Rückhalt vom Dienstgeber - je nach Schulform von Land oder Bund.
Der Lehrervertreter wünscht sich Aufmerksamkeit dafür, was Schulen leisten: "Ich möchte den Lehrberuf positiver besetzt wissen, das ist in der Vergangenheit nicht immer der Fall gewesen." Fehle Lehrpersonal, wirke sich das in Mehrarbeit für die angestellten Kollegen aus, die die Arbeit abfedern: "Sie müssen Überstunden machen obwohl sie oft schon viel arbeiten."
(VOL.AT/Isabel Lochbühler)