Eklat im Bündnis: Trump erwägt Nato-Austritt
Streit über Iran-Krieg spitzt sich zu
US-Präsident Donald Trump denkt offenbar ernsthaft darüber nach, die Vereinigten Staaten aus der Nato zurückzuziehen. Das sagte der 79-Jährige in einem Interview mit der britischen Zeitung "Telegraph". Auslöser ist ein wachsender Konflikt mit europäischen Bündnispartnern über den Krieg gegen den Iran.
Mehrere Nato-Staaten hatten sich demnach geweigert, Kriegsschiffe zur Sicherung der Straße von Hormus zu entsenden. Die Meerenge ist eine zentrale Handelsroute – rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels verlaufen normalerweise durch dieses Gebiet. Seit Wochen gilt sie als faktisch blockiert, mit spürbaren Folgen für Energiepreise und die Weltwirtschaft.
"Das steht nicht mehr zur Debatte"
Trump zeigte sich über die Haltung der Partner deutlich verärgert. Auf die Frage, ob die US-Mitgliedschaft in der Nato noch einmal überprüft werde, sagte er: "Oh ja, ich würde sagen, das steht nicht mehr zur Debatte."
Zugleich legte er nach: "Ich habe mich nie von der Nato überzeugen lassen. Ich wusste immer, dass sie ein Papiertiger ist – und Putin weiß das übrigens auch."
Die Verbündeten hätten aus seiner Sicht im entscheidenden Moment versagt. "Dass sie nicht da waren, war mehr als nur Abwesenheit – es war tatsächlich schwer zu glauben", sagte Trump. Er verwies dabei auch auf frühere Einsätze, etwa im Zusammenhang mit der Ukraine: "Wir waren immer automatisch da […] Sie waren nicht für uns da."
Auch Außenminister Rubio zweifelt
Zweifel an der Nato äußerte zuvor bereits US-Außenminister Marco Rubio. "Es besteht leider kein Zweifel daran, dass wir […] diese Beziehung neu bewerten müssen", sagte er im Interview mit dem Sender "Fox News". Man müsse den "Wert der Nato" insgesamt hinterfragen.
Rubio betonte, der Nutzen des Bündnisses habe vor allem in militärischen Stützpunkten in Europa gelegen. Sollten diese nicht mehr wie bisher genutzt werden können, sei die Nato "eine Einbahnstraße".
Trump begrüßte diese Aussagen ausdrücklich und erklärte, er sei "froh", dass Rubio dies angesprochen habe.
Artikel 5 nicht anwendbar
Der Konflikt wirft auch Fragen zur Beistandsklausel der Nato auf. Artikel 5 verpflichtet die Mitgliedstaaten zur gemeinsamen Verteidigung im Falle eines Angriffs auf ein Bündnismitglied. Diese Klausel wurde bislang nur einmal aktiviert – nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001.
Im aktuellen Iran-Konflikt greift sie jedoch nicht. Der Krieg begann laut Bericht am 28. Februar mit gemeinsamen Luftangriffen der USA und Israels – nicht als Reaktion auf einen Angriff auf ein Nato-Mitglied.
(VOL.AT)