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Energiepreise treiben Teuerung an: EZB vor wichtiger Entscheidung

Die EZB steht wegen steigender Inflation vor einem Zinsschritt.
Die EZB steht wegen steigender Inflation vor einem Zinsschritt. ©APA/dpa/Fernando Gutierrez-Juarez
Die Inflation im Euro-Raum ist im Mai auf 3,2 Prozent gestiegen und damit auf den höchsten Wert seit Herbst 2023. Vor allem die stark gestiegenen Energiepreise erhöhen den Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB), bereits kommende Woche die Leitzinsen anzuheben.

Die Verbraucherpreise im Euro-Raum lagen im Mai um durchschnittlich 3,2 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Das geht aus den am Dienstag veröffentlichten Schnellschätzungen von Eurostat hervor. Im April hatte die Inflation noch bei 3,0 Prozent gelegen.

Besonders deutlich fiel der Anstieg in Österreich aus. Nachdem die heimische Teuerungsrate zu Jahresbeginn nahezu dem Durchschnitt der Euro-Zone entsprochen hatte, stieg sie laut Schnellschätzung im Mai auf 3,7 Prozent.

Für die EZB bedeutet das eine weitere Entfernung von ihrem mittelfristigen Inflationsziel von zwei Prozent.

Energiepreise treiben Entwicklung

Als Hauptursache für den neuerlichen Inflationsschub gelten die Energiepreise. Diese lagen im Mai im Euro-Raum um 10,9 Prozent über dem Vorjahresniveau. Auch Dienstleistungen verteuerten sich mit 3,5 Prozent überdurchschnittlich. Die Preise für Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak stiegen um zwei Prozent.

Der jüngste Preisdruck wird von vielen Beobachtern mit den Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten und den dadurch gestiegenen Energiekosten in Verbindung gebracht.

Zinserhöhung gilt als wahrscheinlich

Unter Ökonomen herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass die EZB bei ihrer Sitzung am 11. Juni reagieren wird. Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, sieht die Notenbank bereits "auf dem Sprung", die Leitzinsen anzuheben.

Auch Bloomberg berichtet, dass die Finanzmärkte mit einer Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte rechnen. Es wäre die erste Anhebung seit September 2023.

Für Sparer könnten höhere Leitzinsen bessere Konditionen bei Einlagen bedeuten. Gleichzeitig würden Kredite – insbesondere Wohnbau- und Immobilienfinanzierungen – tendenziell teurer werden.

Experten warnen vor anhaltendem Preisdruck

Krüger erwartet vorerst keinen deutlichen Rückgang der Inflation. Die Energiepreise würden zunehmend auf weitere Bereiche der Wirtschaft durchschlagen. Experten sprechen dabei von sogenannten Zweitrundeneffekten.

Entwicklung Fed und EZB-Leitzinssatz seit Juli 2022 ©APA

Darunter versteht man Folgewirkungen von Kostensteigerungen, etwa höhere Lohnabschlüsse, die wiederum Unternehmen zu weiteren Preiserhöhungen veranlassen können. Dadurch entsteht die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale.

Auch Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer geht davon aus, dass die Inflation noch über Monate hinweg oberhalb der Drei-Prozent-Marke bleiben könnte. Viele Unternehmen würden die gestiegenen Energiekosten inzwischen an ihre Kunden weitergeben.

Weitere Zinsschritte möglich

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte zuletzt betont, dass die Notenbank bei Bedarf handeln werde. Unterstützung für eine Zinserhöhung kommt auch aus dem EZB-Rat.

Direktorin Isabel Schnabel erklärte gegenüber Reuters, eine Anhebung im Juni sei aus heutiger Sicht notwendig. Gleichzeitig verwies sie darauf, dass die Inflation voraussichtlich über einen längeren Zeitraum oberhalb des Zielwertes liegen werde.

Die EZB hatte den Einlagensatz zuletzt mehrfach bei 2,0 Prozent belassen. Sollte es kommende Woche tatsächlich zu einer Erhöhung kommen, rechnen viele Marktbeobachter nicht mit einem einmaligen Schritt. Weitere Anpassungen im Laufe des Jahres gelten als möglich.

Auch Österreichs Nationalbank-Gouverneur Martin Kocher signalisierte, dass eine Zinserhöhung bei unveränderter Lage im Nahen Osten kaum mehr vermeidbar erscheine.

Blick richtet sich auch auf die USA

Die Entscheidung der EZB könnte zudem Auswirkungen auf die Geldpolitik in den Vereinigten Staaten haben. Wenige Tage nach der Sitzung in Frankfurt entscheidet die US-Notenbank Fed über ihren weiteren Kurs.

Dort wird besonders aufmerksam beobachtet, wie sich die jüngste Inflationsentwicklung auf die Debatte zwischen Befürwortern von Zinssenkungen und jenen auswirkt, die angesichts steigender Preise eine straffere Geldpolitik fordern.

(VOL.AT)

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