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Engpass in der psychiatrischen Notfallversorgung: Junge Frau nach Suizidversuch nicht in Klinik aufgenommen

Die junge Frau hat um dringende Hilfe gebeten.
Die junge Frau hat um dringende Hilfe gebeten. ©VOL.AT/privat
Ein Vorfall in Bludenz zeigt die Herausforderungen der psychiatrischen Notfallversorgung auf, als eine junge Frau nach einem Suizidversuch nicht in der Klinik in Rankweil aufgenommen werden konnte und ihre Betreuung nur durch das Engagement ihrer Mutter gesichert war.

In diesem Beitrag geht es um das Thema Suizid. Bitte lesen Sie nur weiter, wenn Sie sich dem Thema gewachsen fühlen. Hilfsangebote finden Sie am Ende dieses Beitrags.

Es ist ein grauer Dezemberabend in Bludenz als eine junge Frau, nach der Trennung von ihrem Freund, ihrem Leben ein Ende zu setzen versucht und mit dem Krankenwagen ins LKH Bludenz gebracht wird. Diagnose: Medikamentenintoxikation in Folge einer Kurzschlussreaktion. Aufnahme. Anamnese. Behandlung. Nach einer Nacht auf der Intensivstation wird sie "in gutem Allgemeinzustand" aus dem Spital entlassen.

Kein spontaner Termin beim Psychiater

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Anna kann auf ein gutes familiäres Umfeld bauen. ©VOL/Schad/privat

Die Mutter von Anna (Name von der Redaktion geändert) holt sie dort vor der Tür ab. In dem Arztbrief, der der Redaktion vorliegt, wird ihr das Aufsuchen eines niedergelassenen Psychiaters geraten. Eine sofortige medikamentöse Intervention ist laut LKH nicht von Nöten und solle viel mehr in weiterer Folge durch den Facharzt entschieden werden.

Noch am selben Tag versucht die junge Frau, einen Termin zu bekommen. Mehrere Praxen verweisen auf Wartezeiten von Wochen. Der Arztbrief, ihre Vorgeschichte: all das hilft in diesem Moment nichts.

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Die junge Frau fühlt sich alleingelassen. ©VOL/Schad/privat

Anna bleibt mit ihrer Mutter Stefanie (Name von der Redaktion geändert) gemeinsam zu Hause. Stefanie traut sich, wie sie VOL.AT erzählt, keine Sekunde ihre Tochter aus den Augen zu lassen. "Sie machte auf mich keinesfalls einen stabilen Eindruck. Ich habe mir Sorgen gemacht", so die Bludenzerin. Als der Abend kommt, geht es Anna wieder schlechter. Die negativen Gedanken überrennen sie. Die Trauer um ihren Ex-Freund und die verlorene Beziehung. Wut. Vieles staut sich an. Als Annas Not immer größer wird, arrangiert Stefanie eine Selbsteinweisung in die psychiatrische Klinik in Rankweil. Nach einer kurzen Phase der Gegenwehr lässt sich die 19-Jährige darauf ein und wird von zwei Rettungssanitätern abgeholt. Anders als gedacht, fährt der Rettungswagen (RTW) sie nicht nach Rankweil, sondern zunächst nach Bludenz. Dass der Rettungswagen sie zunächst nach Bludenz bringt, entspricht gängiger Praxis: In Abend- und Nachtstunden erfolgt dort die somatische Abklärung.

Keine Aufnahme im LKH Rankweil

In Bludenz erkennt die diensthabende Ärztin die Notlage, ruft in Rankweil an und erbittet eine Aufnahme. "Aufgrund von Personalmangel in der Nacht war das aber nicht möglich. Nur, wenn es schlimmer geworden wäre, hätte ich selbst mit dem Auto nach Rankweil fahren sollen", schildert Anna die Situation im Nachhinein. Nachdem ihr in Bludenz nicht weiter geholfen werden kann, wird sie aus dem Krankenhaus geschickt. "Meine Mama hat mich dann zum Glück abgeholt."

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Die Trennung von ihrem Freund hat sie in eine psychische Notlage gebracht. ©VOL/Schad/privat

Aus Sorge gibt die Mutter ihrer Tochter ein schlafförderndes Medikament, das sie selbst zuhause hat. Eine ärztliche Rücksprache erfolgt nicht. Aufgrund privater Kontakte gelingt es Stefanie am nächsten Morgen einen Termin bei einem Psychiater zu bekommen. Er stellt Anna medikamentös ein, verweist sie an einen Psychotherapeuthen und betont, wie wichtig eine sofortige Intervention gewesen wäre.

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Nun ist Anna in psychischer Behandlung. ©VOL/Schad/privat

Die Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) weist den Vorwurf eines Personalproblems auf Anfrage zurück. "Im Landeskrankenhaus Rankweil wird jeder psychiatrische Notfall wie akute Suizidalität (...) ambulant abgeklärt bzw. stationär aufgenommen. (...) Es werden keine Notfälle aufgrund von Personalmangel abgewiesen; die nächtliche Besetzung entspricht den Vorgaben", so Andrea Marosi-Kuster, Pressesprecherin der KHBG.

Nur weil es den Vorgaben entspricht, hätte es für Anna trotzdem anders ausgehen können, wäre ihr soziales Netz und die Bindung zu ihrer Mutter nicht so stark gewesen. Nicht jeder Mensch in akuter Not verfügt über ein Umfeld, das interveniert, begleitet, überwacht, organisiert. Das System darf nicht darauf bauen, dass familiäre Nähe Versorgungslücken ausgleicht.

Hilfe für Betroffene

Wenn Sie selbst oder ein Mensch in Ihrem Umfeld sich in einer psychischen Notlage befindet, finden Sie hier Hilfe:

Wenn Gefahr für Sie oder andere besteht:

  • Notruf Rettung: 144
  • Polizei: 133
  • Gesundheitsberatung: 1450 (24/7 Ersteinschätzung)

Psychiatrische Ambulanz LKH Rankweil
☎️ 05522 403 4630 (rund um die Uhr)

Telefonseelsorge
☎️ 142 (rund um die Uhr erreichbar)

(VOL.AT/Schad)

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