Eskalation in Nahost: Droht jetzt der Sprit-Preisschock?
Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran sorgt für Nervosität am Ölmarkt. Der internationale Referenzpreis Brent ist zuletzt auf rund 72 Dollar pro Barrel gestiegen. Analysten halten bei weiterer Eskalation auch Preise um 90 oder sogar 100 Dollar für möglich.
Entscheidend ist die Lage rund um die Straße von Hormus. Durch die Meerenge im Persischen Golf wird rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Rohöls transportiert. Bereits die Angst vor einer Störung reicht aus, um Risikoaufschläge in die Preise einzurechnen.
Die Angriffe im Überblick: Konflikt weitet sich aus
Die militärischen Aktionen beschränken sich nicht nur auf Ziele im Iran. Berichten zufolge kam es auch zu Angriffen beziehungsweise Einschlägen:
- im Irak
- in Saudi-Arabien
- im Bereich Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten
- rund um den Persischen Golf
In Dubai geriet das Luxushotel Burj Al Arab nach Behördenangaben in Brand, nachdem Trümmerteile einer abgefangenen Drohne einschlugen. Auch der internationale Flughafen Dubai wurde zeitweise geschlossen, Terminals geräumt und Flüge gestrichen. Mehrere Länder der Region schränkten ihren Luftraum aus Sicherheitsgründen ein.
Damit reicht die Eskalation von Teheran über Bagdad bis in das Herz der Golfstaaten – eine Region, die für die weltweite Energieversorgung zentral ist.
Warum das für den Ölmarkt brisant ist
Saudi-Arabien zählt zu den größten Ölproduzenten der Welt. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar sind bedeutende Energieexporteure. Auch der Irak ist ein zentraler Förderstaat.
Selbst wenn keine großflächigen Zerstörungen von Öl-Förderanlagen bestätigt sind, erhöht jede militärische Aktivität in dieser Zone das Risiko für die globalen Lieferketten. Für Händler ist entscheidend, dass sich der Konflikt in einem Gebiet abspielt, das einen erheblichen Teil der weltweiten Öl- und Gasexporte bündelt. Schon die Unsicherheit treibt die Preise.
Warum das auch Vorarlberg betrifft
Österreich importiert den Großteil seines Rohöls. Steigt der Weltmarktpreis nachhaltig, wirkt sich das mit Verzögerung auch auf Benzin und Diesel aus. Der Literpreis setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen – darunter Steuern, CO₂-Abgabe und Raffineriemargen. Doch ein dauerhaft höherer Ölpreis schlägt sich am Ende an der Zapfsäule nieder.
Historische Marktbewegungen zeigen: Ein anhaltender Ölpreisanstieg kann mehrere Cent pro Liter ausmachen. Bleibt Brent deutlich höher, sind im Extremfall zweistellige Cent-Aufschläge möglich.
Was Pendler konkret erwarten müssen
Für viele Vorarlberger ist das Auto unverzichtbar. Schon ein Plus von 10 bis 15 Cent pro Liter bedeutet bei täglichem Pendeln spürbare Mehrkosten im Monat. Kurzfristig ist nicht mit einem sofortigen Preissprung zu rechnen. Tankstellen arbeiten mit Lagerbeständen, zudem dürfen Preise in Österreich nur einmal täglich erhöht werden. Sollte sich der Ölpreis jedoch mehrere Tage oder Wochen auf höherem Niveau halten, werden die Literpreise nachziehen.
Sollte man jetzt noch tanken?
Weil der internationale Handel erst wieder in der Nacht auf Montag startet, könnten die aktuellen Preise noch stabil bleiben. Sollte der Markt neue Risikoaufschläge einpreisen, könnten die Preise in den kommenden Tagen steigen.
Wie Krisen an der Zapfsäule ankommen
Historische Einordnung (2019–2026) plus Modell-Szenario bei 90/100 Dollar Ölpreis.
Grafik A: Entwicklung in Österreich (2019–2026)
Corona-Tief 2020 · Ukraine-Peak 2022 (~2,00 €)
Grafik C: Szenario bei Ölpreisen (72 / 90 / 100 $)
Modellrechnung auf Basis historischer Marktreaktionen
Wer ohnehin tanken muss, könnte den Tank noch vor einer möglichen Marktreaktion füllen – nicht aus Panik, sondern als pragmatische Vorsichtsmaßnahme.
(Red.)