Estlands Außenminister Margus Tsahkna sieht Russlands Präsidenten Wladimir Putin angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung und des Kriegsverlaufs zunehmend unter Druck. In einem Interview äußerte er sich auch zu möglichen Entwicklungen innerhalb der russischen Führung.
Zweifel am Rückhalt für den Krieg
Estlands Außenminister Margus Tsahkna geht davon aus, dass die westlichen Sanktionen gegen Russland Wirkung zeigen. Im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) erklärte er, die russische Wirtschaft gerate zunehmend unter Druck. Auch innerhalb der politischen und wirtschaftlichen Elite wachse der Zweifel am Kurs des Kremls.
"Selbst im Kreis der Oligarchen zweifeln mehr und mehr an Putins Krieg. Viele, die vor einem Jahr noch von einem Sieg gesprochen haben, glauben inzwischen nicht mehr daran", sagte Tsahkna.
Ukrainische Angriffe als Belastung
Als einen Grund für diese Entwicklung nannte der estnische Außenminister die verstärkten ukrainischen Angriffe auf militärische und wirtschaftlich wichtige Ziele im russischen Hinterland.
In den vergangenen Monaten habe die Ukraine ihre Drohnenangriffe auf Ölraffinerien, Treibstofflager und weitere kritische Infrastruktur ausgeweitet. "Mittlerweile spürt jeder Russe, dass dieser Krieg nicht irgendwo weit entfernt stattfindet, sondern das eigene Land erreicht hat", so Tsahkna.
Spekulation über Putins Zukunft
Auf die Frage nach möglichen Entwicklungen erklärte der Außenminister, Putin könne seine Ziele ändern und ernsthafte Verhandlungen aufnehmen, "wenn er rational handelt". Zugleich äußerte Tsahkna eine persönliche Spekulation über das mögliche Ende der Amtszeit des russischen Präsidenten: "Es kann aber genauso gut sein, dass er eines Tages gemeinsam mit seiner Familie aus dem Fenster springt. So etwas kommt in Russland schließlich vor."
Mit dieser Aussage spielte der estnische Außenminister auf mehrere Todesfälle russischer Geschäftsleute und Funktionäre seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine an, bei denen offiziell Stürze aus Fenstern als Todesursache angegeben wurden.
Kritik an Trumps Vermittlungsversuchen
Kritisch bewertete Tsahkna auch die Vermittlungsbemühungen von US-Präsident Donald Trump. Die Gespräche seien "faktisch gescheitert". Putin habe Trump "vor allem Zeit gekostet", während Russland seine Angriffe auf die Ukraine weiter intensiviert habe.
Keine unmittelbare Invasionsgefahr
Eine unmittelbar bevorstehende groß angelegte russische Offensive gegen Polen oder die baltischen Staaten erwartet Tsahkna derzeit jedoch nicht. "Eine groß angelegte Invasion in den kommenden Wochen halte ich für ausgeschlossen. Dafür fehlen Russland die Kräfte", sagte der Außenminister. Russland bleibe dennoch ein Sicherheitsrisiko, Provokationen seien jederzeit möglich.
(VOL.AT)