EU will Verkehrstote halbieren: Österreich entfernt sich vom Ziel
Die EU hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Bis 2030 soll die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten halbiert werden. Doch aktuelle Zahlen zeigen, dass dieses Vorhaben zunehmend ins Wanken gerät. Ein im Februar veröffentlichter Bericht der EU-Kommission macht deutlich, wie schwierig die Umsetzung ist.
EU-Ziel rückt in weite Ferne
Im Jahr 2024 starben in den 27 EU-Mitgliedstaaten rund 19.400 Menschen im Straßenverkehr. Das entspricht einem Rückgang von lediglich 16 Prozent gegenüber dem Basiswert der Jahre 2017 bis 2019.
Um das Ziel zu erreichen, müsste die Zahl der Verkehrstoten bis 2030 auf etwa 11.580 sinken. Laut ÖAMTC-Verkehrstechniker David Nosé seien dafür "große Anstrengungen erforderlich".
Auch Österreich liegt hinter den Erwartungen zurück. Hier wäre ein Zielwert von 207 Verkehrstoten notwendig, um die EU-Vorgaben zu erfüllen.
Große Unterschiede zwischen den Ländern
Die Entwicklung innerhalb Europas verläuft sehr unterschiedlich. Nur sieben Staaten – darunter Polen, Griechenland und Dänemark – haben das Zwischenziel bisher erreicht.
Entwicklung der Verkehrstoten in der EU
Veränderung in Prozent nach Land – sortiert nach Entwicklung seit 2019
In mehreren Ländern stagniert die Entwicklung, darunter Österreich, Frankreich und Spanien. In Portugal, Irland und den Niederlanden ist die Zahl der Verkehrstoten zuletzt sogar gestiegen.
Auffällig: Während osteuropäische Staaten teilweise deutliche Fortschritte machen, schneiden nord- und mitteleuropäische Länder im Verhältnis zur Bevölkerung weiterhin besser ab.
Österreich: Anstieg der Verkehrstoten
In Österreich wurden im Jahr 2025 insgesamt 397 Verkehrstote registriert – ein Anstieg von 13 Prozent im Vergleich zu 2024. Ob es sich dabei um eine kurzfristige Schwankung oder eine langfristige Trendwende handelt, ist derzeit noch unklar.
Der ÖAMTC sieht mehrere Ursachen für die Situation:
- ein weitläufiges Freilandstraßennetz
- hoher Motorrad- und Freizeitverkehr
- starker Sommerreise- und Transitverkehr
Gleichzeitig gibt es auch positive Faktoren wie ein sicheres Autobahnnetz, moderne Fahrzeuge und eine gute medizinische Versorgung.
Vergleich nur bedingt aussagekräftig
Ein direkter Vergleich zwischen Ländern ist laut Expert*innen schwierig. Faktoren wie Infrastruktur, Mobilitätsverhalten oder Altersstruktur der Bevölkerung beeinflussen die Zahlen erheblich.
Auch die EU-Bewertung anhand von Verkehrstoten pro Million Einwohner greift zu kurz, da sie wichtige Einflussgrößen nicht berücksichtigt.
(VOL.AT)