Forscher entdecken gigantische Struktur tief unter der Antarktis
Die Wissenschafter beschreiben die Struktur als zusammenhängendes System flacher, V-förmiger Becken, das mehrere Kilometer unter dem Eis verborgen liegt. In einer kürzlich veröffentlichten Studie bezeichneten sie die Formation als "Ostantarktische fächerförmige Beckenprovinz". Nach Angaben der Forscher zählt sie zu den größten bislang bekannten geologischen Beckensystemen der Erde.
Jahrzehntelang als Einzelstrukturen betrachtet
Einzelne Bereiche der Formation waren der Wissenschaft bereits bekannt. Erst durch die Auswertung umfangreicher Datensätze zeigte sich jedoch, dass die verschiedenen Becken Teil eines einzigen, großflächigen Systems sind. Die Struktur verjüngt sich in Richtung Südpol und erstreckt sich unter einem erheblichen Teil des ostantarktischen Eisschildes.
Die Landschaft unter dem Eis weist laut den Forschern Ähnlichkeiten mit anderen bekannten subglazialen Regionen der Antarktis auf, darunter das Aurora-Subglazialbecken und der Wostoksee. Letzterer gilt als der größte der bislang mehr als 370 bekannten Seen unter dem antarktischen Eisschild.
Einfluss auf Eisbewegungen möglich
Nach Einschätzung der Wissenschafter könnte die Beckenlandschaft erheblichen Einfluss auf die Bewegung des Eises sowie auf die Entwicklung der darunterliegenden Landschaft haben. In der Studie heißt es, dass die Becken einen großen Teil des Untergrunds des ostantarktischen Eisschildes bilden und daher für glaziale sowie hydrologische Prozesse von zentraler Bedeutung sein könnten.
Als mögliche Ursache für die Entstehung der Struktur nennen die Forscher einen geologischen Dehnungsprozess, bei dem die Erdkruste über ein größeres Gebiet auseinandergezogen wurde.
Verbindung zur Trennung Australiens denkbar
Darüber hinaus vermutet das Team einen Zusammenhang zwischen der Form der Beckenstruktur und der geologischen Trennung Australiens von der Antarktis. Wann genau das System entstanden ist, bleibt jedoch Gegenstand weiterer Untersuchungen.
Die Entdeckung könnte dazu beitragen, die geologische Geschichte des antarktischen Kontinents besser zu verstehen. Gleichzeitig hoffen die Forscher auf neue Erkenntnisse darüber, wie sich Veränderungen des Klimas auf die Stabilität der antarktischen Eismassen auswirken.
Für die Analyse kombinierten die Wissenschafter unterschiedliche Datenquellen, darunter Schwerkraft- und Magnetfeldmessungen, geologische Beobachtungen sowie geophysikalische Modelle des Untergrunds.
(VOL.AT)