Genetik im Fokus: Grazer Forscher untersuchen stilles Risiko der Fettleber
Wenn die Leber leidet – oft lange unbemerkt
Die Fettleber – in der Fachsprache als Lebersteatose bezeichnet – zählt weltweit zu den häufigsten chronischen Erkrankungen des zentralen Stoffwechselorgans. Schätzungen zufolge ist etwa ein Viertel der Weltbevölkerung betroffen. Besonders tückisch: Zu Beginn verursacht die Krankheit kaum Beschwerden. Wird sie jedoch nicht behandelt, drohen schwerwiegende Komplikationen wie Entzündungen, Vernarbungen, Leberzirrhose und in manchen Fällen sogar Leberkrebs.
Die Ursachen sind vielfältig. Neben bekannten Risikofaktoren wie starkem Übergewicht, Typ-2-Diabetes oder übermäßigem Alkoholkonsum spielt auch die genetische Veranlagung eine wichtige Rolle. Und genau dieser Zusammenhang steht nun im Mittelpunkt eines neuen Forschungsprojekts an der Medizinischen Universität Graz.
"Die Leber schweigt" – genetische Risiken im Visier
"Die Leber ist ein echtes Multitalent. Sie entgiftet, reguliert den Blutzucker, produziert Eiweiße – über 500 Funktionen erfüllt dieses Organ. Ist sie gestört, leidet der ganze Körper", erklärt Gernot Grabner vom Gottfried Schatz Forschungszentrum der Med Uni Graz. Besonders problematisch: Die Fettleber bleibt in frühen Stadien meist unentdeckt. Selbst schlanke Menschen können betroffen sein, wenn eine genetische Veranlagung vorliegt.
Im Zentrum der aktuellen Forschung steht das sogenannte PNPLA3-Gen – genauer gesagt eine bestimmte Genvariante, die bei rund 20 Prozent der Bevölkerung vorkommt. Diese Mutation gilt als wichtigster genetischer Risikofaktor für die Entstehung und das Fortschreiten einer Leberverfettung – unabhängig von Ernährung oder Alkoholkonsum.
Ein Gen, viele Fragen – und eine klare Forschungsvision
"Genetik ist kein unausweichliches Schicksal", betont Grabner. "Aber sie zeigt uns, wer besonders gefährdet ist." Noch sei unklar, wie genau das veränderte PNPLA3-Gen im Körper wirkt. Das möchte das Forschungsteam nun herausfinden – und wurde für diesen Ansatz mit dem ASTRA-Preis des Wissenschaftsfonds FWF ausgezeichnet.
Ziel des Projekts: die genauen biologischen Mechanismen dieser Genvariante zu entschlüsseln. Dazu entwickeln Biochemikerinnen, medizinische Chemikerinnen und Hepatolog*innen gemeinsam neue chemische Werkzeuge, mit denen sich die Genfunktion in Modellsystemen untersuchen lässt.ht
Langfristig könnte das Projekt den Weg ebnen für individualisierte Therapien, speziell für jene, bei denen genetische Faktoren ein besonders hohes Krankheitsrisiko bedeuten. Es reiht sich damit in das Forschungsfeld "Stoffwechsel & Kreislauf" der Med Uni Graz ein, das sich mit maßgeschneiderten medizinischen Ansätzen auf Basis genetischer und molekularer Analysen beschäftigt.
Projektsteckbrief
- Titel: Targeting PNPLA3 activity to elucidate its role in MASLD
- Projektbeginn: Jänner 2026
- Dauer: 5 Jahre
- Fördersumme: 985.844 Euro
- Fördergeber: Wissenschaftsfonds FWF
- Partnerinstitutionen: TU Graz, Universität Graz, Med Uni Wien, Universiteit Leiden (Niederlande)
Über den Projektleiter
Gernot Grabner ist assoziierter Professor am Lehrstuhl für Molekularbiologie und Biochemie an der Med Uni Graz. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Lipidstoffwechsel, insbesondere auf Lipasen – Enzyme, die bei entzündlichen und degenerativen Erkrankungen eine zentrale Rolle spielen. Ein zentrales Ziel seiner Arbeit ist die Entwicklung neuer Wirkstoffe, mit denen sich krankheitsrelevante Enzyme gezielt beeinflussen lassen.
(VOL.AT)