Hitze setzt dem Herzen zu: Warum hohe Temperaturen gefährlich werden können
Die nächste Hitzewelle steht bereits vor der Tür. Hohe Temperaturen bringen den Körper an seine Grenzen – besonders das Herz-Kreislauf-System gerät unter Druck.
Kaum ist die erste Hitzewelle abgeklungen, kündigt sich bereits die nächste an. Während sich viele über etwas kühlere Tage freuen konnten, rechnen Meteorologen erneut mit Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke. Dass Hitze den Organismus belastet, ist bekannt. Doch was passiert dabei eigentlich im Körper?
"Der Körper versucht ständig, seine Kerntemperatur von rund 37 Grad aufrechtzuerhalten", erklärt Markus Wallner von der Klinischen Abteilung für Kardiologie der Med Uni Graz. Gesteuert wird dieser Prozess vom Hypothalamus im Gehirn, der bei steigenden Temperaturen verschiedene Kühlmechanismen aktiviert.
Dazu gehören vor allem die Erweiterung der Blutgefäße und das Schwitzen. So wird Wärme aus dem Körperinneren an die Haut transportiert und dort abgegeben. Gleichzeitig verliert der Körper allerdings große Mengen an Flüssigkeit und Elektrolyten wie Natrium oder Kalium. Die Folgen reichen von Müdigkeit und Konzentrationsproblemen über Schwindel bis hin zu Bewusstlosigkeit.
Warum das Herz besonders gefordert ist
Vor allem das Herz-Kreislauf-System muss bei Hitze deutlich mehr leisten. Weiten sich die Blutgefäße, sinkt der Blutdruck. Damit Gehirn und Organe trotzdem ausreichend versorgt werden, schlägt das Herz schneller und kräftiger.
Hinzu kommt der Flüssigkeitsverlust durch das Schwitzen. Dadurch nimmt das Blutvolumen ab, und das Blut wird zähflüssiger. Das erhöht das Risiko für Blutgerinnsel und damit auch für Herzinfarkte oder Schlaganfälle.
Auch der Verlust wichtiger Mineralstoffe wie Kalium oder Magnesium kann Herzrhythmusstörungen begünstigen. Besonders gefährdet sind Menschen mit Herzschwäche, koronarer Herzkrankheit oder bereits bestehenden Herzrhythmusstörungen.
Laut der Med Uni Graz sollten zudem bestimmte Medikamente während längerer Hitzeperioden im Blick behalten werden. Diuretika oder einige Blutdruckmedikamente können den Flüssigkeits- und Wärmehaushalt beeinflussen und müssen gegebenenfalls ärztlich angepasst werden.
So schützt man sich an heißen Tagen
Besonders ältere Menschen, chronisch Kranke sowie Säuglinge und Kleinkinder sollten während einer Hitzewelle möglichst keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden.
Experten empfehlen, regelmäßig über den Tag verteilt Wasser oder verdünnte Fruchtsäfte zu trinken. Ob das Getränk eiskalt oder nur kühl ist, spielt laut Med Uni Graz eine untergeordnete Rolle. Alkohol und stark koffeinhaltige Getränke sollten hingegen möglichst vermieden werden, da sie dem Körper zusätzlich Flüssigkeit entziehen.
Auch beim Abkühlen ist Vorsicht geboten. Wer stark erhitzt ist, sollte nicht sofort in kaltes Wasser springen. Der plötzliche Temperaturwechsel kann in seltenen Fällen Herzrhythmusstörungen auslösen. Besser geeignet sind lauwarme bis kühle Duschen oder feuchte Tücher im Nacken und an den Unterarmen.
Hitzschlag und Sonnenstich: der Unterschied
Häufig werden Hitzschlag und Sonnenstich verwechselt, medizinisch handelt es sich jedoch um zwei unterschiedliche Krankheitsbilder.
Ein Hitzschlag entsteht, wenn die Körpertemperatur auf über 40 Grad steigt und der Körper die Hitze nicht mehr ausreichend abführen kann. Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit oder Krampfanfälle können die Folge sein. Ein Hitzschlag ist ein lebensbedrohlicher Notfall. Betroffene sollten sofort in den Schatten gebracht, aktiv gekühlt und die Rettung verständigt werden.
Ein Sonnenstich hingegen wird durch intensive Sonneneinstrahlung auf den Kopf verursacht. Typische Beschwerden sind Kopfschmerzen, Schwindel oder Erbrechen, die oft erst Stunden später auftreten. Besonders Kinder, ältere Menschen und Personen mit Glatze gelten als gefährdet. Betroffene sollten an einen kühlen Ort gebracht und Kopf sowie Nacken mit feuchten Tüchern gekühlt werden. Treten Bewusstseinsstörungen oder Krampfanfälle auf, ist ebenfalls umgehend medizinische Hilfe erforderlich.
Europaweit zehntausende Hitzetote
Wie gravierend die Auswirkungen extremer Hitze sein können, zeigen aktuelle Zahlen: Im Rekordsommer 2022 wurden in Europa rund 61.600 hitzebedingte Todesfälle registriert. Ein erheblicher Teil davon stand im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Mit Blick auf die bevorstehenden Hitzetage raten Experten deshalb, Warnsignale des Körpers ernst zu nehmen, ausreichend zu trinken und körperliche Anstrengungen möglichst in die kühleren Morgen- oder Abendstunden zu verlegen.
(VOL.AT)