Während des Iran-Kriegs transportierten Tanker mit ausgeschaltetem Ortungssystem weiterhin Rohöl durch die Straße von Hormus. Eine südkoreanische Reederei spielte dabei laut einem Bloomberg-Bericht eine zentrale Rolle.
Größte Supertankerflotte kurz vor Kriegsbeginn aufgebaut
Die südkoreanische Reederei Sinokor kaufte innerhalb weniger Monate mehr als 100 Supertanker und stieg damit zum weltweit größten Betreiber dieser Schiffsklasse auf. Hinter der milliardenschweren Expansion stand eine Kooperation mit dem Schweizer Schifffahrtskonzern MSC, der später die Hälfte der Unternehmensanteile übernahm.
Wenige Tage nachdem der Flottenausbau bekannt geworden war, eskalierte der Konflikt zwischen Israel, den USA und dem Iran. In der Folge wurde die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Transportrouten für Rohöl weltweit, zeitweise blockiert.
Tanker fuhren mit abgeschaltetem Ortungssystem
Laut dem Finanzdienst Bloomberg gehörten mehrere Sinokor-Tanker zum Kern einer sogenannten Schattenflotte. Die Schiffe schalteten ihr automatisches Identifikationssystem (AIS) ab und passierten die Straße von Hormus überwiegend nachts. Dem Bericht zufolge erfolgten die Fahrten in Konvois unter dem Schutz des US-Militärs entlang der omanischen Küste.
Im Golf von Oman wurde das Rohöl anschließend auf andere Tanker umgeladen, die es vor allem nach Asien weitertransportierten. Danach kehrten die Schiffe in den Persischen Golf zurück, um weitere Transporte zu übernehmen.
Offizielle Daten zeigen nur einen Teil des Verkehrs
Mit Beginn des Krieges brach der offiziell erfasste Schiffsverkehr durch die Meerenge nahezu vollständig ein. Statt zuvor mehr als 100 Schiffen pro Tag waren in den AIS-Daten nur noch einzelne Tanker sichtbar. Nicht erfasst wurden jedoch Schiffe, die ihre Ortungssysteme abgeschaltet hatten.
Solche Schattenflotten werden seit Jahren genutzt, um trotz internationaler Sanktionen Öltransporte durchzuführen. Im aktuellen Konflikt dienten sie laut Bloomberg jedoch dazu, den Export von Rohöl aus den arabischen Golfstaaten aufrechtzuerhalten.
Millionen Barrel Rohöl trotz Blockade exportiert
Wie viel Öl tatsächlich über diese Transporte befördert wurde, ist unklar. Analysten schätzen die Menge auf zwei bis sieben Millionen Barrel pro Tag. Zusätzlich konnten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate Rohöl über Pipelines exportieren. Laut Bloomberg erreichten die Emirate dadurch bereits wenige Wochen nach Kriegsbeginn wieder das Vorkriegsniveau ihrer Ölexporte.
Die zusätzlichen Lieferungen könnten dazu beigetragen haben, dass ein drastischer Anstieg der Ölpreise ausblieb. Obwohl die Straße von Hormus rund drei Monate lang gesperrt war und sich der Schiffsverkehr bis heute nicht vollständig normalisiert hat, stiegen die Preise nicht auf die von manchen Experten erwarteten 150 bis 200 US-Dollar pro Barrel.
Hohe Frachtraten sorgten für lukrative Geschäfte
Wie hoch die Einnahmen der beteiligten Reedereien waren, ist nicht bekannt. Mit Beginn des Krieges stiegen die Tagesraten für Supertanker jedoch laut Bericht auf bis zu 500.000 US-Dollar – mehr als das Zehnfache des Durchschnitts der Vorjahre.
Auch nach dem Ende der Kampfhandlungen bleibt die Nachfrage nach Tankerkapazitäten hoch. Nach Angaben des Berichts übersteigt sie derzeit das verfügbare Angebot deutlich.
(VOL.AT)