In Millionenhöhe: Anzeigen aus Gastro-Branche ließen Registrierkassenbetrug auffliegen
Das Amt für Betrugsbekämpfung führte über 50 Hausdurchsuchungen durch – ein Softwarehersteller sitzt mittlerweile in U-Haft. Der Schaden beläuft sich auf mehrere Millionen Euro.
Schwerpunktaktion der Steuerfahndung
Vergangene Woche führte das Amt für Betrugsbekämpfung (ABB) eine österreichweite Schwerpunktaktion durch. Im Zentrum standen manipulierbare Registrierkassen, die es ermöglichten, Umsätze gegenüber dem Finanzamt zu verschleiern. Laut ABB wurden mehr als 50 Hausdurchsuchungen in mehreren Bundesländern durchgeführt.
Dabei wurden rund 200 Bedienstete der Finanzpolizei, der Zollfahndung, des Finanzamts für Großbetriebe sowie des Innenministeriums eingesetzt. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) leitete die Maßnahme, darüber berichtet das Finanzministerium in einer Aussendung.
Software zur Umsatzlöschung
Im Fokus der Ermittlungen steht ein Softwarehersteller, gegen den ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde. Der Mann wurde vorübergehend in Haft genommen. Die von ihm entwickelte Software ermöglichte es Benutzern, Buchungsvorgänge im Nachhinein zu löschen – und damit Umsätze zu unterdrücken. Dies betraf vor allem Fälle, in denen keine Kassenbelege an Kunden ausgestellt wurden.
Finanzminister Markus Marterbauer erklärte: "Steuerbetrug ist kein Kavaliersdelikt. Er untergräbt den Sozialstaat und das Vertrauen in unseren Rechtsstaat und geht zu Lasten jener, die ihren ehrlichen Beitrag leisten."
Erheblicher finanzieller Schaden
Laut ABB liegt der entstandene Gesamtschaden im mittleren einstelligen Millionenbereich. Die Ermittlungen richten sich aktuell gegen mehr als 20 Beschuldigte. Weitere Ausweitungen sind laut ABB nicht ausgeschlossen. Sichergestellt wurden unter anderem Mobiltelefone, USB-Sticks und Registrierkassen – die Auswertung der Daten ist im Gange.
"Diese akribisch geplante Großaktion zeigt, dass wir in allen Branchen gegen organisierte Steuerkriminalität vorgehen", sagte Christian Ackerler, Vorstand des ABB. Der Fall unterstreiche die Bedeutung des Kassenbelegs: "Wenn kein Beleg ausgegeben wird, ist laut Erfahrung mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Umsatz nicht erfasst wurde", so Ackerler weiter.
Keine Fälle in Vorarlberg
Auf VOL.AT-Nachfrage beim Finanzministerium handelt es sich vorwiegend um Fälle aus Ostösterreich. Es gibt keine bekannten Fälle in Vorarlberg.
(Red./APA)