Kassenpatienten warten teils monatelang: SPÖ kritisiert Zwei-Klassen-Medizin
Trotz stetig wachsender Ausgaben im österreichischen Gesundheitssystem bekommen viele Patientinnen und Patienten davon wenig zu spüren – vor allem jene mit e-Card. Darauf macht die SPÖ aufmerksam und warnt eindringlich vor einer sich zuspitzenden Zwei-Klassen-Medizin. Der Grund: Kassenpatienten müssen laut einer aktuellen Studie bis zu 13-mal länger auf einen Facharzttermin warten als Privatversicherte.
SPÖ-Gesundheitssprecher Rudolf Silvan spricht von einem alarmierenden Befund. "Wer nicht bereit ist, privat zu zahlen, wird auf die lange Bank geschoben", kritisiert er gegenüber der Öffentlichkeit. Die Gesundheitsversorgung habe sich in den vergangenen Jahren spürbar verschlechtert, meint Silvan – und sieht die Verantwortung klar bei der Politik: "Dieses Desaster ist die Folge einer jahrelangen Vernachlässigung durch die Regierungen – Blau, Schwarz und Grün haben gemeinsam versagt."
Studie zeigt eklatante Unterschiede bei Wartezeiten
Die Analyse, auf die sich Silvan stützt, stammt vom Vergleichsportal krankenversichern.at. Zwischen Ende November 2025 und Mitte Jänner 2026 wurden 1591 sogenannte Mystery-Anfragen bei Fachärzten durchgeführt. Das Ergebnis: Je nach Fachrichtung unterscheiden sich die Wartezeiten massiv – je nachdem, ob ein Kassen- oder ein Wahlarzt konsultiert wird.
Besonders deutlich ist der Unterschied in beliebten Fachgebieten wie Orthopädie, Radiologie oder Augenheilkunde: Während Privatpatienten in der Orthopädie im Schnitt bereits nach zwei Tagen einen Termin erhalten, warten Kassenpatienten oft mehrere Wochen. In der Radiologie beträgt die Wartezeit für Wahlärzte durchschnittlich drei Tage, in der Augenheilkunde vier – auch hier zeigt sich bei Kassenpatienten ein deutlich längerer Zeitraum.
Auch in den Bereichen Innere Medizin, Psychiatrie sowie Gynäkologie und Urologie wurde eine ähnliche Kluft festgestellt. Während Kassenversicherte dort im Schnitt 46 bis 48 Tage auf einen Termin warten, liegt der Wert für Wahlärzte bei rund 13 Tagen – also nicht einmal zwei Wochen.
SPÖ fordert Maßnahmen gegen Ungleichbehandlung
Für die SPÖ ist klar: Dieses Ungleichgewicht kann nicht länger toleriert werden. "Die e-Card muss wieder mehr wert sein als die Kreditkarte", fordert Silvan. Zunächst setzt die Partei auf freiwillige Maßnahmen – etwa eine stärkere Einbindung von Wahlärzten ins Kassensystem. Sollte sich die Lage nicht bessern, will die SPÖ jedoch auch verpflichtende Regelungen prüfen. Silvan stellt klar: "Wenn sich bei den Wartezeiten nichts tut, muss auch ein gewisser Anteil an Kassenpatienten verpflichtend von Wahlärzten behandelt werden."
(VOL.AT)