Keine Frauen am Gewehr: Tiroler Schützenbund bleibt bei traditioneller Linie
Eine klare Grundsatzentscheidung, getroffen mit fast 87 Prozent Zustimmung – und doch ein Beschluss, der polarisiert wie kaum ein anderer innerhalb des Bundes der Tiroler Schützenkompanien, so der ORF.
Klare Mehrheit für den Status quo
Die Entscheidung fiel in einer geheimen Briefwahl. Wahlberechtigt waren nicht nur die einzelnen Schützenkompanien, sondern auch der Bundesausschuss sowie die Ehrenoffiziere. Das Ergebnis: Eine deutliche Mehrheit sprach sich dafür aus, alles beim Alten zu belassen. Damit bleibt Tirol bei seiner restriktiven Linie – im Unterschied etwa zu den Salzburger Schützen, wo Frauen seit 2022 das Gewehr schultern dürfen.
Politischer Gegenwind
Deutliche Kritik kommt von mehreren Parteien. Neos-Klubobfrau Birgit Obermüller sprach von einem "Rückschritt für die Gleichstellung". Es gehe nicht darum, dass Frauen "am Rand" mitwirken dürfen, sondern um gleichberechtigte Teilhabe – auch beim Aufmarsch, bei der Mitgliedschaft und in der Gestaltung. Erst ein Mangel an Nachwuchs werde ein Umdenken erzwingen, meint Obermüller.
Auch SPÖ-Nationalratsabgeordnete Selma Yildirim äußerte Unverständnis. Zwar sei das Interesse von Frauen, mit dem Gewehr mitzumarschieren, wohl "überschaubar". Dennoch müsse gelten: "Wer will, muss dürfen." Die Diskussion sei bezeichnend: "In Österreich wird über die Wehrpflicht für Frauen diskutiert, und bei den Schützen in Tirol stellt man sich aus Tradition gegen Schützinnen mit Gewehr."
Die Grünen sehen die Diskussion ebenfalls nicht als abgeschlossen. "Der Stein ist innerhalb der Kompanien längst ins Rollen gekommen", sagte Landtagsabgeordnete Zeliha Arslan. Dass sich die Kommandanten gegen eine "lebendige Tradition" entschieden hätten, sei "bedauerlich".
FPÖ verteidigt Entscheidung
Ganz anders die Haltung der FPÖ. Landesparteiobmann Markus Abwerzger betonte, jede Entscheidung des Schützenbundes sei zu respektieren. Die hohe Beteiligung bei der Abstimmung zeige, dass die Tiroler Schützen "mit Herzblut bei der Sache" seien.
Blick über die Landesgrenze: Salzburg öffnet sich
Ein anderer Weg wird in Salzburg beschritten. Dort wurde die Satzung bereits 2022 geändert. Landeskommandant Josef Braunwieser erklärt: "Das Alte mit dem Neuen verbinden – das war mein Motto." Man müsse Traditionen wahren, aber auch offen sein für die Gegenwart.
Volkskundlerin fordert Kurswechsel
Auch die Volkskundlerin Elsbeth Wallnöfer kritisiert das Festhalten an alten Rollenbildern. Der Verweis auf Tradition überzeuge sie nicht. "Man beruft sich auf eine Geschichte, die von Männern geschrieben wurde." Frauen hätten immer gekämpft – nur würden sie in der Darstellung oft vergessen.
Die Schützen seien längst nicht mehr ein realistisches Abbild Tirols. Es seien die Frauen, so Wallnöfer, die "mit all ihren alltäglichen Aktivitäten das Land nach innen zusammenhalten". Sie plädiert für einen mutigen Schritt: Frauen könnten eigene Schützenverbände gründen. Wenn das Bundesheer es schaffe, Frauen zu integrieren, dann müsse das auch bei den Schützen möglich sein. Und: "Wenn man mit öffentlichen Geldern mitfinanziert wird, dann hat man sich zu öffnen."
(VOL.AT)