KI macht uns dümmer? Neue Studie sorgt für Diskussion
In einem Experiment mussten 354 Teilnehmerinnen und Teilnehmer 15 Aufgaben im Bruchrechnen lösen. Die Hälfte durfte dabei einen KI-Chatbot verwenden, die andere Hälfte nicht.
Zunächst ein erwartbares Bild: Die KI-Gruppe schnitt bei den ersten zwölf Aufgaben deutlich besser ab. Doch dann kam der Bruch, im wahrsten Sinne: Der Chatbot wurde plötzlich deaktiviert.
Die letzten drei Aufgaben mussten alle ohne Hilfe lösen. Und hier zeigte sich ein drastischer Effekt: Die zuvor unterstützte Gruppe fiel leistungsmäßig deutlich hinter jene zurück, die von Anfang an ohne KI gearbeitet hatte.
Weniger Geduld, schnelleres Aufgeben
Während Teilnehmer ohne KI anfangs eher dazu neigten, schwierige Fragen zu überspringen, drehte sich das Verhalten nach dem Wegfall der künstlichen Unterstützung. Die zuvor "verwöhnte" Gruppe reagierte schneller frustriert und gab häufiger auf.
Ein ähnliches Muster zeigte sich in einem zweiten Test zum Textverständnis. Auch hier führte KI-Unterstützung kurzfristig zu besseren Ergebnissen, langfristig jedoch zu schwächeren eigenständigen Leistungen.
Mehr als nur ein Hilfsmittel
Dass Menschen Hilfsmittel nutzen, ist nichts Neues, vom Rechenschieber bis Wikipedia. Doch laut den Forschenden hat KI eine neue Qualität erreicht.
"Aktuelle KI-Systeme stellen eine neue Art der kognitiven Krücke dar", schreiben die Autorinnen und Autoren. "Eine, die alles löst, ihre Hilfe nie verweigert und Antworten sofort liefert." Genau darin liegt das Problem: Wer sich daran gewöhnt, verliert nicht nur fachliche Fähigkeiten, sondern auch das Gefühl dafür, was er selbst leisten kann.
Zwei Erklärungen für den Effekt
Die Studie nennt zwei zentrale Gründe:
Erstens verschiebt sich der persönliche Maßstab. Wenn Aufgaben dank KI in Sekunden erledigt sind, erscheinen sie ohne Unterstützung plötzlich übermäßig schwierig.
Zweitens leidet die Selbsteinschätzung. Wer regelmäßig Aufgaben delegiert, verliert das Gespür für die eigenen Fähigkeiten und gibt schneller auf, wenn es anspruchsvoll wird.
Ein Risiko für die nächste Generation?
Die Folgen könnten über den Einzelnen hinausgehen. Wenn grundlegende Fähigkeiten wie eigenständiges Denken und Problemlösen verloren gehen, wird es schwierig, diese an kommende Generationen weiterzugeben.
Die Forschenden warnen deshalb vor einem möglichen langfristigen Effekt, im schlimmsten Fall ein schleichender, kaum umkehrbarer Prozess.
(VOL.AT)