Köhlmeier spricht sich gegen Kürzung des Lateinunterrichts aus
Eine Petition dagegen haben bereits 34.000 Menschen unterzeichnet – unterstützt wird sie auch vom Vorarlberger Schriftsteller Michael Köhlmeier.
Der Bildungsminister plant, den Lateinunterricht in den Oberstufen der Gymnasien von derzeit zwölf auf acht Wochenstunden zu reduzieren. Gleichzeitig soll das neue Fach "Informatik und Künstliche Intelligenz" eingeführt werden. Schülerinnen und Schüler sollen dabei lernen, "KI besser zu verstehen und damit kritisch" umzugehen, argumentiert Wiederkehr.
Gegen diese Pläne regt sich Widerstand. Lehrervertreterinnen und Lehrervertreter äußern sich kritisch, ebenso eine Gruppe prominenter Intellektueller, Wissenschafter und ehemaliger Politiker. In einer Petition wenden sie sich gegen die Kürzung des Lateinunterrichts. Zu den Unterstützern zählt auch der Vorarlberger Schriftsteller Michael Köhlmeier.
Zwei Gründe sprechen laut Köhlmeier für Latein
"Es gibt diese bekannten Gründe, warum Latein als Sprache erhalten bleiben soll. Zunächst ist es bei einer toten Sprache einfacher, die Grammatik zu erlernen", sagt Köhlmeier im "Vorarlberg heute"-Interview. Alles, was er über die deutsche Grammatik wisse, habe er im Lateinunterricht gelernt, so der Autor.
Zudem sei der Einfluss des Lateinischen allgegenwärtig. "Zudem könne man keine Seite in einer Zeitung lesen, wo nicht mindestens fünf Wörter vorkommen würden, die sich vom Lateinischen herleiten lassen", betont Köhlmeier. Gleichzeitig hält er fest: "Wenn einem egal ist, in welchem geschichtlichen Zusammenhang man lebt, braucht man kein Latein, das ist richtig."
"Lernen einer Sprache ist nicht einfach"
Von einer Reduktion des Lateinunterrichts hält Köhlmeier nichts. "Man kann den Lateinunterricht so reduzieren, so dass man nichts mehr mitbekommt davon. Es ist nicht leicht, Latein zu lernen, und überhaupt ist es nicht leicht, eine Sprache zu lernen. Ob man das in zwei Wochenstunden herkriegt, das weiß ich nicht, ich bezweifle das", so Köhlmeier.
Für ihn sei die Reduktion oder Streichung von Latein nur ein "Symptom von etwas anderem". "Es werden alle künstlerischen Fächer zusammengestrichen oder überhaupt gestrichen. Vom Literaturunterricht bleibt überhaupt nichts mehr übrig. Anstatt dass man ein Rilke-Gedicht interpretiert, wird ein Zeitungsartikel aus der Kronen-Zeitung interpretiert", kritisiert der Schriftsteller.
Auch das zugrunde liegende Bildungsverständnis sieht Köhlmeier problematisch. "Es ist einfach so, dass man davon ausgeht, der Schüler oder die Schülerin hat nichts anderes zu wollen oder dem oder der muss man nichts anderes bieten als eines Tages, ein Rädchen innerhalb eines Betriebs zu sein, wo es um Geld geht", sagt er.
Bildung und Ausbildung nicht verwechseln
Auf die Frage, ob eine BHS weniger Bildung anbietet als eine AHS, antwortet Köhlmeier: "Ja, das kann man sagen." Die Künstliche Intelligenz bezeichnet er grundsätzlich als große Errungenschaft der Menschheit, die "auch ihren Platz haben soll, wie alles andere auch".
Gleichzeitig warnt Köhlmeier davor, Bildung und Ausbildung gleichzusetzen. Wenn man nicht wisse, an welchem Punkt der Geschichte man stehe, könne man auch die Bedeutung der Künstlichen Intelligenz nicht richtig einschätzen. "Immer öfter werden Bildung und Ausbildung als eines betrachtet. Dass man den Menschen für KI fit macht, geschieht aber in jedem Fach, nicht nur in einem extra Fach."
Künstliche Intelligenz solle daher in allen Fächern – auch im Lateinunterricht – eine Rolle spielen, so Köhlmeier abschließend.
(VOL.AT)