Königsdisziplin zum Olympia-Auftakt: Kriechmayr fordert Favoriten in Bormio
Als Topfavoriten gelten die Schweizer und Italiener um Weltmeister Franjo von Allmen, Weltcup-Dominator Marco Odermatt, Kitzbühel-Sieger Giovanni Franzoni und "Bormio-König" Dominik Paris.
Stelvio bleibt eine Herausforderung
Viel war im Vorfeld darüber spekuliert worden, ob sich die berüchtigte "Pista Stelvio" gnädiger als sonst im Weltcup Ende Dezember präsentieren würde. "Die Stelvio ist weiterhin schwierig. Jeder, der geglaubt hat, im Februar wird es einfacher, der hat sich leicht geirrt. Es ist weiterhin unruhig, für Samstag ist keine Sonne gemeldet, es wird eine 'zache Gschicht' werden", kündigte Kriechmayr an.
Seit dem Rücktritt von Matthias Mayer, dem letzten österreichischen Olympiasieger im prestigeträchtigen Alpinbewerb (2014), steht und fällt das rot-weiß-rote Abschneiden in der Abfahrt mit Kriechmayrs Leistungen. An guten Tagen weiß der 34-Jährige diese Last noch immer zu schultern. Silber in der WM-Abfahrt 2025 zeugt davon, oder Rang zwei in Wengen, dem einzigen Podestplatz eines Österreichers in der laufenden Abfahrtssaison.
Raserei im Auftrag der Republik
Weil es in Kitzbühel enttäuschend lief, ließ Kriechmayr die Generalprobe in Crans-Montana aus und schob stattdessen Extraschichten im Training. "Ich habe die Zeit genutzt. Ob es dann Früchte trägt, wird man sehen." Der Mann aus dem Mühlviertel hat so ziemlich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt - außer Edelmetall bei Olympia. Dazu befragt, ob seine Karriere ohne eine solche Medaille unvollendet sei, legte Kriechmayr vor Beginn seiner dritten Spiele einen Ausweichschwung ein. Er habe auch viele andere Rennen nicht gewonnen.
Lieber stellt sich Kriechmayr in den Dienst Österreichs. "Es ist ein großes Privileg, die eigene Nation unter den Fünf Ringen präsentieren zu dürfen. Ich werde mein Bestes geben, dass ich mich dem würdig erweise." Die vermeintlichen Schlüsselstellen auf der Stelvio glaubt der Abfahrts-Weltmeister von 2021 in Cortina d'Ampezzo zu kennen: "Ganz wichtig ist, dass du bis zur Traverse voll dabei bist. Über den San-Pietro-Sprung ist immer viel Zeit drin, obwohl man es nicht sieht. Und dann geht es darum, wer mehr Körner im Saft hat und unten noch alles rausquetschen kann", sagte Kriechmayr.
Paris: "Schauen wir mal, ob es mein Haus bleibt"
Das Siegesrezept auf dieser Abfahrt kennt niemand besser als Paris. Mit sechs Abfahrtssiegen ist er der uneingeschränkte Hausherr von Bormio. In seinem Wohnzimmer könne ihn nur noch "wenig überraschen", meinte der Routinier aus Südtirol gut gelaunt. "Schauen wir mal, ob es mein Haus bleibt." Eine Olympia-Medaille fehlt auch ihm vor seinen fünften Spielen noch.
In Crans-Montana belegte er zuletzt Platz zwei, dabei plagt er sich seit November mit Schmerzen im Knöchelbereich herum. "Wenn ich im Skischuh ein paar Schläge kriege, dann schmerzt es ein bisschen", sagte Paris, dem sein Handicap vor allem zu Fuß anzusehen ist. Dass diese Abfahrt olympiawürdig ist, darüber besteht kein Zweifel. Für Paris ist die Stelvio das Nonplusultra des Abfahrtssports.
"Kitzbühel hat seine Passagen, aber Bormio hat andere Passagen. Die Stelvio ist kräftezehrend und mental die schwierigste Abfahrt. Die Streif haben sie in den letzten Jahren ziemlich entschärft, früher war sie brutaler." Und Kriechmayr wird von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert: "Es ist ein Kampf vom Start bis zum Ziel. Es ist nicht wie Wengen oder Kitzbühel, wo die zwischendurch ein bisschen relaxen kannst."
Odermatt wäre Abfahrts-Gold "am liebsten"
Die wichtigen Abfahrtstitel und auch das Gros der Saisonrennen haben zuletzt die Schweizer abgeräumt. Zwar steht mit Beat Feuz der Olympiasieger von 2022 nicht mehr am Start. Dafür aber Weltmeister Von Allmen und Weltcup-Dominator Odermatt. Eine Speedmedaille bei Olympia fehlt Odermatt noch. "Klar, die Goldmedaille im Riesenslalom habe ich schon, deshalb würde ich die Abfahrt natürlich am liebsten nehmen, weil sie nach wie vor einfach die Königsdisziplin ist."
Die weiteren Österreicher können auf der 3.442 m langen Strecke eigentlich nur überraschen. Daniel Hemetsberger tritt gezeichnet von seinem Sturz im zweiten Training an. "Es wird zwar ein wenig wehtun, aber es hält", meinte der Oberösterreicher angesichts eines zugeschwollenen Auges sowie Schmerzen am rechten Sprunggelenk und Knie.
Stefan Babinsky ist in der Abfahrt weit weg von jenen Leistungen, die er regelmäßig im Super-G zeigt. "Ich möchte fokussiert bleiben, meine Hausaufgaben erledigen und meine Leistung abrufen. Dann ist vieles möglich." Raphael Haaser hat in der Abfahrt noch gar kein Top-Ten-Ergebnis zu Buche stehen. "Es gibt sicher Abfahrten, die mir weniger liegen", sagte der technisch beschlagene Tiroler.
(APA)