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Martina Bechter soll den Vorarlberger Bürokratie-Dschungel entflechten

Martina Bechter ist die neue Leiterin der Stelle für Verwaltungsinnovation und Organisationsentwicklung im Land
Martina Bechter ist die neue Leiterin der Stelle für Verwaltungsinnovation und Organisationsentwicklung im Land ©Roland Paulitsch
Diese Stelle haben sich vielleicht viele schon lange herbeigewünscht: eine Abteilung, die sich ausschließlich damit befasst, Verwaltung einfacher, schneller und bürgerfreundlicher zu machen. Die Organisationsentwicklerin Martina Bechter soll Bürokratie mit einem kleinen Team abbauen – was sie zuvor bei Unternehmen anregte, soll jetzt auch im Land Einzug erhalten.

Sie könnte zur Hoffnung vieler Vorarlberger werden, die sich mit doppelten Anträgen, langwierigen Verfahren und überbordenden Regeln herumschlagen: Martina Bechter leitet seit Anfang des Jahres die neue Amtsstelle Verwaltungsinnovation und Organisationsentwicklung des Landes, kurz VIO. Mit zwei Kollegen soll sie dafür sorgen, Bevölkerung und Wirtschaft zu entlasten. Anfangen will die Landesregierung bei sich selbst.

Die VIO soll das Werkzeug der Entbürokratisierung werden - und die Fachbereiche des Landes unterstützen, bürokratische Hürden zu benennen, priorisieren und abzuschaffen. Die Regierung will aus Fallbeispielen aus der Praxis lernen. Rückmeldungen von Bürgern, wo es hake und wo nachgebessert werden müsse, seien dafür hilfreich, hofft Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) auf Hinweise.

Martina Bechter, Jahrgang 1979, leitet die Stelle für Verwaltungsinnovation und Organisationsentwicklung. ©Roland Paulitsch

Mit einem kleinen Team demütig vor der Aufgabe

Zu diesem Zweck hat das Land Ende 2025 eine Online-Beteiligungs-Plattform gestartet, auf der 600 Beiträge von 108 Bürgern eingingen. Diese wurden von einem Bürgerrat aus 20 Vorarlbergern in Workshops diskutiert und zurück in die jeweiligen Fachabteilungen des Landes gegeben. Die Regierung wird entscheiden, welche Stelle welches Thema umsetzt. Auf der Startseite des Webauftritts des Landes findet sich unter "Verwaltungsvereinfachung" ein Link, wo die Stelle und ihre Mitarbeiter über Email und Telefon direkt kontaktiert werden können.

VIO-Leiterin Bechter arbeitet seit drei Jahren in der Verwaltung des Landes. Bei ihrer neuen Rolle unterstützen sie Bianca Filleböck aus der Bezirkshauptmannschaft Feldkirch und Christian Lingenhel, der aus der Privatwirtschaft kommt.

Bechter will Vorarlbergs Verwaltung neu denken und Verfahren beschleunigen

Öffentliche Verwaltung ist Bechter nicht fremd. Die 47-Jährige studierte Betriebswirtschaft in Innsbruck, verbrachte zwei Auslandssemester in Lissabon, absolvierte ein Praktikum in der Schweizer Außenhandelskammer und stieg in die Unternehmensberatung ein. Dann zog es sie nach Norddeutschland, wo sie im Rahmen des EU-geförderten „Innovationsinkubators" ein Projekt in der Regionalwirtschaft mit mehr als 500 Beschäftigten verantwortete. An der Leuphana Universität Lüneburg vertiefte sie die Organisationsentwicklung, bevor sie als Dozentin an der Ostschweizer Fachhochschule landete – und dort Beratungsprojekte mit Unternehmen und öffentlichen Institutionen leitete.

Landeshauptmann Markus Wallner hat Bechter bewusst für ihre Vorerfahrung eingestellt. ©Roland Paulitsch

Eine Frau, die Systeme liest und Muster ableitet

Aus dieser Erfahrung heraus verspricht Bechter, Muster zu erkennen: „Wir wollen nicht Einzelfälle der Reihe nach abhandeln, sondern das System in der Breite verbessern." Statt Symptome zu bekämpfen, sucht sie nach den Ursachen, die vielen Menschen gleichzeitig das Leben schwer machen.

„Wir nennen es bewusst nicht Bürokratieabbau, sondern Verwaltungsvereinfachung und Verfahrensbeschleunigung." Bürokratie an sich sei nicht der Feind, betont sie. Die 47-Jährige biete Struktur, Fairness und Rechtssicherheit, weil sich Staat wie Bürger an Verfahren und Regeln halten müssten. Aber Bechter will überflüssige Formulare, unnötige Genehmigungsstufen und Verfahren, die längst digital und daher von zuhause aus erledigt werden könnten, abschaffen.

Viele im Land warten sehnsüchtig darauf, dass Bechter die Bürokratie entflechtet. „Das ist eine sehr große Aufgabe, und wir stehen ihr mit Demut gegenüber", sagt sie. Schnell werde das nicht gehen. Aber sie will dran bleiben – und so lange nicht nachlassen, bis das System besser geworden ist.

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