Mehr Stellen für Schulpsychologie – doch Personal fehlt
Die Bildungsdirektion wertet das als Fortschritt. Doch die Jobs sind schwer zu besetzen – wegen hoher Anforderungen und aus Sicht der Verantwortlichen auch wegen zu niedriger Bezahlung, so der ORF.
Die Schulpsychologie in Vorarlberg soll deutlich ausgebaut werden. Der Bund hat dem Land im laufenden Schuljahr insgesamt acht zusätzliche Vollzeitstellen zugesagt. Vier davon wurden bereits im Herbst geschaffen, vier weitere kamen im Frühjahr dazu. Hintergrund ist ein Maßnahmenpaket zur psychischen Gesundheit an Schulen, das Bildungsminister Christoph Wiederkehr im Juli präsentiert hatte.
Für die Bildungsdirektion ist das ein lange geforderter Schritt. Denn die Zahl der genehmigten Vollzeitstellen steigt damit von bisher 12,5 auf nunmehr 20,5. Gerade aus den Schulen war in den vergangenen Jahren immer wieder mehr Unterstützung durch Schulpsychologinnen und Schulpsychologen verlangt worden.
Ausbau beschlossen, Besetzung bleibt schwierig
So erfreulich die zusätzlichen Stellen aus Sicht der Bildungsdirektion sind: Voll besetzt sind sie noch nicht. Nicht einmal alle vier Stellen aus der ersten Ausbaustufe im Herbst konnten bisher vergeben werden. Die Suche nach geeignetem Personal gestalte sich schwierig, sagt Elisabeth Mettauer von der Bildungsdirektion, die in Vorarlberg für die Besetzung zuständig ist.
Bislang habe eine Person auf einer der neuen Stellen bereits ihren Dienst angetreten. Zwei weitere sollen mit Beginn des neuen Schuljahres im September folgen. Auch wenn diese Anstellungen nicht jeweils im vollen Stundenausmaß erfolgen, sei man froh, überhaupt drei geeignete Personen gefunden zu haben.
Hohe fachliche Hürden für Bewerber
Ein wesentlicher Grund für die schwierige Personalsuche liegt laut Bildungsdirektion in den formalen Anforderungen. Neben einem abgeschlossenen Psychologiestudium verlangt das Ministerium auch eine postgraduelle Ausbildung im Bereich der Klinischen Psychologie.
Aus Sicht der zuständigen Stellen im Land ist diese Vorgabe grundsätzlich nachvollziehbar. Schließlich gehe es um qualifizierte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. In der Praxis bedeutet das aber auch, dass Interessierte immer wieder abgewiesen werden müssen: Sie bringen zwar ein Psychologiestudium mit, können die zusätzliche klinische Ausbildung jedoch nicht vorweisen.
Kritik an der Bezahlung
Deutlich kritischer fällt der Blick der Bildungsdirektion auf die Entlohnung aus. Denn genau hier ortet man ein zentrales Problem. Die Bezahlung für Schulpsychologinnen und Schulpsychologen mit dieser geforderten Qualifikation sei zu wenig attraktiv, heißt es. Kandidatinnen und Kandidaten würden immer wieder absagen, weil sie in anderen Bereichen besser verdienen könnten.
Mettauer formuliert das deutlich: Hier müsse der Bund nachbessern, "sonst sind die Stellen schwierig zu besetzen". Diese Rückmeldung gehe auch regelmäßig nach Wien. Das Problem sei zudem kein rein Vorarlbergerisches – auch andere Bundesländer hätten Schwierigkeiten, alle zusätzlichen Stellen tatsächlich zu besetzen.
In Vorarlberg komme noch ein regionaler Nachteil hinzu: Anders als in größeren Bundesländern gibt es hier keine Universität mit Psychologiestudium. Entsprechend fehlen Absolventinnen und Absolventen direkt vor Ort, aus denen rekrutiert werden könnte, so der ORF.
Vernetzung und Werbung sollen helfen
Trotz der Schwierigkeiten läuft die Suche weiter. Nach Angaben der Bildungsdirektion werden die Stellen fortlaufend ausgeschrieben. Zusätzlich werde auf einschlägigen Plattformen geworben, außerdem habe man sich mit dem Berufsverband der Psychologinnen und Psychologen sowie mit der Universität Innsbruck vernetzt.
Ziel bleibe, alle offenen Stellen möglichst vollständig zu besetzen. Gleichzeitig setzt man auch auf Flexibilität: Neben Vollzeitmodellen seien ausdrücklich auch Teilzeitanstellungen möglich.
Schulsozialarbeit wächst ebenfalls
Nicht nur die Schulpsychologie wird ausgebaut, auch die Schulsozialarbeit in Vorarlberg soll weiter wachsen. Nach Angaben des Landes sollen mit Beginn des neuen Schuljahres im September 40 Vollzeitstellen an den Pflichtschulen zur Verfügung stehen. Damit wäre die vierte Ausbaustufe erreicht.
Der Ausbau läuft bereits seit vier Jahren. Damals lag der Stand bei 22 Stellen. Aktuell sind es in der dritten Ausbaustufe 36,5 Vollzeitstellen. Im Unterschied zur Schulpsychologie zeigt man sich in diesem Bereich deutlich optimistischer, was die Personalsuche betrifft.
Barbara Bischof von der Fachabteilung Kinder- und Jugendhilfe des Landes rechnet damit, dass die neuen Stellen bis September besetzt werden können. Auch Katharina Spiss, Leiterin der Sozialarbeit beim ifs, sieht hier keine größeren Probleme. In der Schulsozialarbeit gebe es teils sogar mehr qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber als offene Stellen.
Fünf Träger sind in Vorarlberg aktiv
Organisiert wird die Schulsozialarbeit in Vorarlberg durch fünf Träger. Der größte davon ist das Institut für Sozialdienste (ifs), das im Herbst 22,5 Stellen besetzen wird. Weitere Träger sind das Österreichische Zentrum für Psychosoziale Gesundheitsförderung im Schulbereich, die Zick Zack Schulsozialarbeit der Aquamühle sowie die Gemeinden Hard und Götzis mit eigenen Angeboten.
Die Schulsozialarbeit dient vor allem an Pflichtschulen als niederschwellige Anlaufstelle. Sie unterstützt Schülerinnen und Schüler insbesondere bei Konflikten und in schwierigen sozialen Situationen. Gerade deshalb gilt auch dieser Bereich inzwischen als wichtiger Baustein im schulischen Unterstützungssystem.
Während die Schulsozialarbeit also weiter wächst und vergleichsweise stabil nachbesetzt werden kann, zeigt sich bei der Schulpsychologie ein anderes Bild: Mehr Stellen allein lösen das Problem noch nicht. Ohne ausreichend qualifiziertes Personal – und wohl auch ohne attraktivere Rahmenbedingungen – bleibt der Ausbau vorerst hinter den Möglichkeiten zurück.
(VOL.AT)