Nach Raketen und Drohnen: So kontern die Golfstaaten Teherans Attacken
Israel und die USA haben nach eigenen Angaben in den ersten vier Kriegstagen Tausende Bomben auf Ziele im Iran abgeworfen. Teheran reagierte darauf mit einer Serie von Raketen- und Drohnenangriffen – nicht nur auf Israel, sondern auch auf mehrere Nachbarstaaten.
Dabei wurden laut Berichten militärische Einrichtungen ebenso getroffen wie zivile Infrastruktur. Mindestens 16 Zivilisten und sechs US-Soldaten kamen ums Leben.
Angriffe auf Israel und Vorstoß im Libanon
Israel meldete nach Hunderten iranischen Raketen- und Drohnenangriffen bislang elf Tote. Teheran spricht von Vergeltung für einen Angriff auf eine Schule im südiranischen Minab, bei dem laut iranischen Angaben mehr als 160 Kinder getötet worden seien.
Parallel dazu griff die libanesische Hisbollah Israel an. Die libanesische Regierung verurteilte diese Angriffe. Israel rückte daraufhin mit Dutzenden Panzern in den Südlibanon vor.
Emirate besonders stark betroffen
Am härtesten traf es bislang die Vereinigten Arabischen Emirate. Nach offiziellen Angaben wurden bis Dienstagnachmittag mindestens 812 Drohnen und 165 ballistische Raketen in Richtung Emirate abgefeuert.
Trümmerteile beschädigten unter anderem einen Hotelkomplex auf der künstlichen Palmeninsel in Dubai sowie eine Ölraffinerie. Auch der Flughafen von Dubai wurde leicht beschädigt. Mehr als 11.000 Flüge wurden gestrichen.
Saudi-Arabien meldete dagegen nur vereinzelte Angriffe. Unter anderem wurde die US-Botschaft in Riad beschädigt. Katar berichtete nach Attacken auf Flüssiggasanlagen von mindestens 16 Verletzten und behielt sich laut Regierung vor, "mit allen Mitteln" zu reagieren.
Bahrain, Kuwait und Oman unter Druck
In Bahrain schlug ein iranisches Geschoss auf dem Gelände der 5. US-Navy-Flotte ein. Die Regierung stellte teilweise auf Online-Unterricht um und sperrte eine wichtige Brücke.
Kuwait geriet ebenfalls ins Visier. Bei einem Angriff auf eine US-Basis kamen drei US-Soldaten ums Leben. Zudem wurde eine Ölraffinerie beschädigt. Nach kuwaitischen Angaben schoss die eigene Luftabwehr irrtümlich drei amerikanische Kampfjets ab, die Piloten überlebten.
Im Oman trafen zwei Drohnen Hafenanlagen. Das Sultanat hatte zuvor als Vermittler zwischen den USA und dem Iran fungiert. Teheran bestritt eine Verantwortung für die Angriffe und sprach von möglichen Täuschungsmanövern.
Angespannte Lage in Irak, Syrien und Jordanien
Im Irak wurden bei einem Angriff auf eine Armeebasis im kurdischen Gebiet zwei Soldaten getötet. Zudem versuchten pro-iranische Milizen offenbar, den Flughafen von Bagdad mit Drohnen anzugreifen. Die Arbeit auf dem größten Ölfeld des Landes wurde vorsorglich eingestellt.
In Syrien starben nach einem Raketenangriff auf die Stadt Suweida vier Menschen. Jordanien meldete Sachschäden durch herabfallende Trümmer abgeschossener Raketen.
Auch europäisches Gebiet war betroffen: Eine iranische Drohne landete auf einem britischen Militärstützpunkt auf Zypern. Frankreich und Griechenland verlegten daraufhin Flugabwehrsysteme und Kampfjets auf die Insel.
Kein Schulterschluss mit Teheran
Die ersten politischen Reaktionen zeigen: Die betroffenen arabischen Staaten stellen sich nicht hinter Teheran. Stattdessen überwiegen scharfe Warnungen und Distanzierungen.
Ein unmittelbarer Eintritt der Golfstaaten in den Krieg an der Seite Israels und der USA zeichnet sich allerdings nicht ab. Mehrere Länder, darunter Saudi-Arabien, halten ihren Luftraum weiterhin für amerikanische Kampfjets gesperrt.
Beobachter sehen die Gefahr einer weiteren Eskalation insbesondere dann, wenn zentrale Infrastruktur wie Entsalzungsanlagen ins Visier geraten sollte. In vielen Golfstaaten ist ein Großteil der Bevölkerung auf diese Anlagen angewiesen.
Die Lage im Nahen Osten bleibt damit hochgradig angespannt – mit ungewissen Folgen für die gesamte Region.
(VOL.AT)