Neue Hoffnung bei Leukämie: Grazer Forscher entdecken gezielte Therapie
Ein Team um die Wissenschafter Sayantanee Dutta, Philipp Jost und Michael Dengler hat in der Fachzeitschrift Science Translational Medicine einen vielversprechenden Therapieansatz gegen AML vorgestellt.
Die Erkrankung, eine aggressive Form von Blutkrebs, geht mit einer unkontrollierten Vermehrung unreifer Blutzellen einher. Üblicherweise wird sie mit einer intensiven Chemotherapie behandelt – für viele Betroffene ist diese jedoch zu belastend.
Angriffspunkt: Leukämische Stammzellen
Im Zentrum des neuen Ansatzes steht eine besondere Zielgruppe: leukämische Stammzellen. Diese Zellen gelten als extrem widerstandsfähig, da sie über hochwirksame Reparaturmechanismen verfügen und viele Medikamente aktiv wieder ausstoßen können. Gerade diese "Überlebenskünstler" sind hauptverantwortlich für das Wiederauftreten der Erkrankung – sogenannte Rezidive.
"Leukämische Stammzellen sind der Motor der AML", sagt Philipp Jost, einer der Studienautoren. "Solange wir sie nicht gezielt ausschalten können, wird die Krankheit immer wieder zurückkehren."
Lymphotoxin Alpha zeigt Wirkung
Die Forschenden konzentrierten sich in ihren Untersuchungen auf das körpereigene Zytokin Lymphotoxin Alpha. Ihre Versuche – sowohl an Zellen von AML-Patienten als auch an Mausmodellen – zeigten: Der Botenstoff kann leukämische Stammzellen wirksam hemmen, ohne dabei gesunde Zellen zu schädigen.
Das sei ein entscheidender Unterschied zur Chemotherapie, erklärt Mitautorin Sayantanee Dutta: "Während herkömmliche Therapien das Knochenmark massiv unterdrücken, kann Lymphotoxin Alpha die malignen Zellen gezielt treffen und gleichzeitig die Regeneration gesunder Blutbildung fördern."
Sanftere Therapie für vulnerable Gruppen
Gerade für Menschen, die eine intensive Chemotherapie nicht verkraften – etwa ältere oder bereits geschwächte Patienten – könnte dieser Ansatz eine entscheidende Alternative darstellen. Denn Lymphotoxin Alpha wirkt gezielt und nutzt innere Signalwege der Zelle, statt pauschal auf Teilungsvorgänge zu zielen, wie es bei klassischen Zytostatika der Fall ist.
"Das ist ein echter Paradigmenwechsel", so Jost. "Zum ersten Mal haben wir eine Substanz, die selektiv gegen die Wurzel des Problems vorgeht – ohne den ganzen Organismus in Mitleidenschaft zu ziehen."
Noch keine Tests am Menschen
Noch befindet sich der Ansatz im präklinischen Stadium, also in der Testphase vor ersten Studien am Menschen. Doch die Ergebnisse seien so überzeugend, dass nun weitere Studien geplant seien, um Sicherheit, Wirksamkeit und Anwendbarkeit bei Patienten zu überprüfen.
Sollte sich der Effekt in klinischen Studien bestätigen, könnte Lymphotoxin Alpha ein Wendepunkt in der AML-Therapie werden – und vielen Betroffenen eine sanftere, aber wirksame Behandlungsoption eröffnen.
(VOL.AT)