Nierenversagen bei Ramsan Kadyrow? Kreml soll schon Nachfolge prüfen
Ramsan Kadyrow, seit 2007 Präsident der russischen Teilrepublik Tschetschenien, liegt einem Bericht des ukrainischen Militärgeheimdienstes zufolge mit Nierenversagen in einem Privatkrankenhaus in Tschetschenien. Der 49-Jährige sei an ein Dialysegerät angeschlossen. Die Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig verifizieren.
Laut derselben Quelle sollen enge Familienmitglieder nach Grosny gereist sein, um Kadyrow zu besuchen. Auch aus Moskau ist demnach Bewegung zu spüren: In Kreml-nahen Kreisen wird laut übereinstimmenden Medienberichten bereits über mögliche Nachfolger diskutiert.
Wer könnte Kadyrow folgen?
Drei Namen kursieren derzeit besonders häufig:
- Magomed Daudow (45): Der amtierende Regierungschef Tschetscheniens gilt als enger Vertrauter Kadyrows. Zuvor war er knapp ein Jahrzehnt Präsident des Regionalparlaments. Daudow, in der Region auch "Lord" genannt, zählt zu den mächtigsten Männern der Republik.
- Apti Alaudinow (52): Generalmajor der russischen Nationalgarde und Kommandant der Spezialeinheit "Achmat", die in der Ukraine aktiv ist. Wegen mutmaßlicher Menschenrechtsverletzungen steht Alaudinow auf der Sanktionsliste des US-Kongresses.
- Achmat Kadyrow (20): Der älteste Sohn Ramsan Kadyrows ist derzeit stellvertretender Regierungschef und Sportminister. Sein rasanter Aufstieg wurde von Beobachtern bereits länger als Vorbereitung auf eine mögliche dynastische Nachfolge gewertet.
Politische Beobachter halten eine reibungslose Übergabe für unwahrscheinlich. Sollte Kadyrow tatsächlich ausfallen, rechnen viele mit innertschetschenischen Machtkämpfen – insbesondere zwischen den erfahrenen Sicherheitsleuten Daudow und Alaudinow auf der einen und dem jungen Kadyrow auf der anderen Seite.
Kadyrows Herrschaft: Loyalität, Repression – und Abhängigkeit vom Kreml
Seit fast zwei Jahrzehnten regiert Ramsan Kadyrow Tschetschenien mit harter Hand. Menschenrechtsorganisationen werfen ihm Folter, Verschwindenlassen und außergerichtliche Tötungen vor. Internationale Kritik weist er regelmäßig zurück. Seine Machtbasis gründet auf bedingungsloser Loyalität gegenüber dem russischen Präsidenten Wladimir Putin – und einem weitgehend autonomen Handlungsspielraum in der Nordkaukasusrepublik.
Ob der Kreml bei einem möglichen Führungswechsel Kurskorrekturen vornehmen wird, ist offen. Klar ist: Ein Ausfall Kadyrows würde Moskaus Kräfteverhältnisse im Nordkaukasus auf eine ernsthafte Probe stellen.
(VOL.AT)