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Öl-Schock durch Iran-Krieg: Experte warnt

Bombardierungen von Raffinerien und die Blockade der Straße von Hormuz verschärfen die Lage am Energiemarkt.
Bombardierungen von Raffinerien und die Blockade der Straße von Hormuz verschärfen die Lage am Energiemarkt. ©APA/AFP
Bombardierungen von Raffinerien und die Blockade der Straße von Hormuz verschärfen die Lage am Energiemarkt. Ein Wiener Experte warnt vor steigenden Preisen – und möglichen Engpässen im kommenden Winter.

Die jüngsten Angriffe auf Energieinfrastruktur im Nahen Osten verschärfen laut Einschätzung eines österreichischen Experten die Lage auf den internationalen Öl- und Gasmärkten deutlich. Johannes Benigni von der Energieberatungsfirma JBC Vienna spricht von einem "keinen guten Ausblick" für die Preisentwicklung.

Im APA-Gespräch verwies Benigni auf Angriffe auf die Ra’s-Tanura-Raffinerie in Saudi-Arabien, ein Öllager bei Teheran sowie die Raffinerie in Bahrain. Diese neue Phase des Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran habe direkte Auswirkungen auf Versorgung und Preise – auch in Europa und Österreich.

Verlust raffinierter Produkte trifft Europa hart

Besonders problematisch sei laut Benigni nicht nur der Rohölpreis, sondern der Ausfall raffinierter Produkte. "Das, was aber besonders weh tut momentan, ist der Verlust der raffinierten Produkte, die aus dem Nahen Osten gekommen sind", erklärte der Experte.

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Europa sei bei Mitteldestillaten wie Diesel und Flugtreibstoff stark von Importen abhängig. Große Raffinerien im Nahen Osten hätten unter anderem Flughäfen wie Heathrow oder Amsterdam mit Kerosin versorgt. Fallen diese Lieferungen weg, steige der Druck auf die Märkte weiter.

Straße von Hormuz weitgehend blockiert

Die zuvor weitgehend geschlossene Straße von Hormuz bezeichnete Benigni als "erste Eskalationsstufe". Durch die Meerenge verläuft ein zentraler Teil des globalen Energiehandels.

Netto würden durch den Ausfall laut Benigni rund elf Millionen Fass Rohöl pro Tag betroffen sein. Hinzu kämen 2,5 bis drei Millionen Fass raffinierter Produkte, die Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate täglich exportierten.

Zwar gebe es zwei Umgehungsrouten:

  • Eine Pipeline über die Vereinigten Arabischen Emirate mit 1,5 Millionen Fass pro Tag
  • Die Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien mit geschätzt zwei bis drei Millionen Fass pro Tag

In Summe könnten damit etwa vier Millionen Fass täglich an der Straße von Hormuz vorbeitransportiert werden. Der Großteil der Mengen bleibe jedoch betroffen.

Gasmarkt unter zusätzlichem Druck

Auch am Gasmarkt verschärft sich die Lage. Rund 20 Prozent des weltweiten Flüssiggases stammen laut Benigni aus Katar – das entspreche etwa 100 Milliarden Kubikmetern. Diese Mengen ließen sich kurzfristig kaum ersetzen.

"Das heißt, wir haben keinen guten Ausblick", so der Experte. Besonders Länder mit geringen Lagerbeständen hätten bereits Probleme.

Österreich: Speicher niedrig – Winter könnte kritisch werden

In Österreich seien die Gasspeicherstände nach der Heizsaison saisonal bedingt niedrig, erklärte Benigni. Entscheidend sei nun, wie rasch und zu welchen Preisen die Speicher wieder befüllt werden.

Händler hätten wenig Anreiz, teures "Sommergas" einzukaufen, um sich für den Winter abzusichern. "Damit werden wir höchstwahrscheinlich in die Wintersaison gehen und nicht so viel Gas auf Lager haben, und das wird dann zu Stress führen", warnte Benigni.

Zusätzlich steige die Nachfrage aus Asien, das einen Großteil seines Öl- und Gasbedarfs aus dem Nahen Osten deckt. Zwar hätten asiatische Länder in der Vergangenheit flexibel reagiert – etwa durch verstärkte Kohleverstromung –, dennoch dürften sich die Spannungen auf die Preise auswirken.

Inflation in Österreich möglich

Steigende Energiepreise könnten laut Benigni auch die Inflation in Österreich erneut anheizen. Je länger Energieanlagen außer Betrieb bleiben, desto länger würden die Preise gestützt bleiben. Der Wiederaufbau zerstörter Infrastruktur könne Wochen oder Monate dauern.

(APA/VOL.AT)

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