Österreichische Entwicklungszusammenarbeit fördert Bauern im Kosovo
Über Jahre hinweg ist es ihnen - auch mit Mitteln aus Österreichs Entwicklungszusammenarbeit - gelungen, ein ansehnliches Geschäft mit dem Anbau und Export von Beeren aufzubauen: Emigration? - Heute fast undenkbar für sie.
2009 war es, zehn Jahre nach Ende des Kriegs der Kosovo-Albaner und der NATO gegen die Repressionen der Machthaber in Belgrad und ein Jahr nach der Unabhängigkeitserklärung von Serbien, als auch Ekrem und Teuta ins Ausland wollten. Entsprechend einem langjährigen Trend. Anfang der konfliktreichen 90er Jahre hatte der Kosovo noch knapp zwei Millionen Einwohner. Der Exodus hielt auch nach dem Krieg und nach der Unabhängigkeit an. Er ging nach Deutschland, die Schweiz, Österreich und andere westeuropäische Länder. Heute leben noch 1,6 Millionen Menschen im jüngsten Staat Europas.
2009 sahen auch Ekrem und Teuta keine Perspektive mehr in der früheren serbischen Provinz. Sie wollten nach Frankreich, wo es Verwandte hinverschlagen hatte, wie sie im APA-Gespräch schildern. Schon in Ungarn war Endstation. Ein Jahr saßen die beiden dort fest. Für Kosovaren war es schwierig geworden, Asyl zu bekommen. Österreich etwa stufte den Kosovo in jenem Jahr als "sicheren Drittstaat" ein: Chance auf Asyl gleich null, Abschiebung quasi programmiert.
Agro-Business von null auf
"Da habe ich zu meiner Frau gesagt, lass uns zurück in den Kosovo gehen", sagt Ekrem lapidar. Was er und Teuta danach in der Heimat mit einer Unternehmensgründung gewagt und geschafft haben, zaubert ihm aber ein strahlendes Lächeln ins Gesicht, wenn er vor seiner Produktionshalle gleich neben einem seiner Himbeerfelder steht. Das Paar begann nach der Rückkehr auf nur 2.000 Quadratmetern Land Beerenobst anzubauen und zu vermarkten. Keiner von beiden hatte damals Erfahrung in der Landwirtschaft oder besaß eigene Ackerfläche. "Ich hatte keine Eltern, die Bauern sind", schüttelt Ekrem den Kopf.
Doch auf genau solche Initiativen von Familien im ländlichen Raum, an denen Frauen maßgeblich beteiligt sind, haben die Caritas Schweiz und die Austrian Development Agency (ADA) ein Förderauge. Über ein Projekt der Caritas Schweiz sind Ekrem und Teuta auch an öffentliche Entwicklungsgelder aus Österreich, die die ADA weitgehend verwaltet, gekommen. Astrid Wein, die das Projekt managet, weist auf die oftmalige Vernachlässigung des ländlichen Raumes hin - und das Ziel, die Einkommenssituation der Menschen dort dauerhaft zu verbessern. "Wir können die Probleme nicht für die Menschen lösen, aber wir wollen Potenziale nachhaltig freisetzen", so Wein.
"Wir haben Früchte"
Im Fall von Ekrem und Teuta ist das geglückt. Mit 30 Prozent Eigenmitteln und 70 Prozent Fremdmitteln der ADA und anderer Geber haben sie im Rahmen des Caritas-Projekts in der hügeligen Gemeinde Podujeva ganz im Nordosten des Kosovo nicht weit der Hauptstadt Prishtina die Firma KEMI fruits (Wir haben Früchte) gegründet. Mittlerweile bauen sie auf insgesamt fünf Hektar Beeren an. Ausbeute: 150 Tonnen Erdbeeren, Himbeeren, Heidelbeeren, aber auch Brom- und Stachelbeeren pro Jahr. Sechs Bäuerinnen und vier Bauern haben sie unter Vertrag, die ihnen Früchte zuliefern.
Sie haben solide Produktions- und eine stabile Wertschöpfungsketten geschaffen. Diese reichen von der Erschließung von Äckern, dem Anlegen von Folientunneln, dem Anbau und der Aufzucht, der Ernte und der Weiterverarbeitung bis zum Verkauf. 90 Prozent der Ernte gehen ins benachbarte oder ins EU-Ausland, darunter die Niederlande.
Auch Österreich ist ein Absatzmarkt. So weit, Frischware in Top-Qualität über weitere Entfernungen oder gar Bio-Ware zu liefern, ist KEMI fruits bisher nicht imstande. Aber schockgefrostet, finden sich die Beeren von Ekrem, Teuta und ihren Vertragsbauern in den Vorarlberger Säften von Rauch oder den Tiroler Marmeladen von Darbo wieder. Fünf permanente Angestellte hat KEMI fruits heute. Rund 30 Personen werden saisonal als Pflücker aufgenommen.
Politik, Institutionen und Lobby
Der Kosovo hinkt den anderen Westbalkanstaaten sowohl ökonomisch als auch bei der EU-Annäherung hinterher. Tatsächlich haben die meisten kosovarischen Regierungen seit der Unabhängigkeit 2008 keinen Schwerpunkt auf die Landwirtschaft und den ländlichen Raum gelegt. Die Landwirtschaft steht nur für sieben Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung des Kosovo. Zugleich sind aber 25 Prozent aller Werktätigen in der Landwirtschaft beschäftigt. Dem trug bisher nur die Alleinregierung der Partei Vetevendosja (Selbstbestimmung) von Ministerpräsident Albin Kurti ab 2021 Rechnung.
Allerdings: Bei der Parlamentswahl im Februar 2025 blieb Vetevendosja zwar stärkste Partei, verlor aber die absolute Mehrheit. Der Rest des Jahres war von Stillstand und Reformstau geprägt. Premier Kurti blieb nur geschäftsführend im Amt, denn Vetevendosja schaffte keinen Kompromiss mit anderen Parteien für eine mit Parlamentsmehrheit ausgestattete Koalition.
2026 könnte besser aussehen. Bei der neuerlichen Parlamentswahl vom 28. Dezember verfehlte Vetevendosja die absolute Mehrheit nur knapp. Eine stabile Regierung ist wieder in Sicht. Der kosovarischen Landwirtschaft fehlt wie dem ganzen Land Kontinuität und langfristige Perspektiven.
Was die kosovarischen Landwirte ebenfalls noch brauchen, sind effektive Institutionen, die die Interessen der Bauern gegenüber Regierung und Behörden stark vertreten. Es gibt im Kosovo mit seinen 1,6 Millionen Einwohnern eine "Obstbauernkammer", die aus acht Unterverbänden besteht. Eine gesamtstaatliche Landwirtschaftskammer existiert bis dato nicht.
(APA)