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Österreichische Landestheaterchefs "irritiert" über Umgang mit Gräve

Zu den zahlreichen Stimmen aus der Kultur, die gegen den Umgang mit Vorarlbergs Landestheater-Intendantin Stephanie Gräve protestieren, gesellten sich am Montag die Intendanten und Intendantinnen der österreichischen Landes- und Städtetheater. Sie bedauern die Nichtverlängerung und kritisieren die Veröffentlichung interner Bewertungskriterien.

Irritation bei den Theaterschaffenden

Das Land Vorarlberg will Gräves Vertrag nach 2028 nicht verlängern, vor allem die Kommunikation dazu wird seither beanstandet. Man sei "irritiert", so die Theaterschaffenden. Man nehme die Nichtverlängerung mit Bedauern zur Kenntnis.

"Es liegt uns fern, einen Beschluss des Aufsichtsrats zu bewerten. Wir sind jedoch über die Art und Weise des Umgangs und der Kommunikation rund um diese Entscheidung sowie über die Tatsache, dass interne Bewertungskriterien der Entscheidungsträger öffentlich gemacht wurden, sehr irritiert", hieß es in der Mitteilung, die Intendantinnen und Intendanten u. a. über die Oper Graz aussendeten.

Solche Informationen rund um Personalangelegenheiten hätten intern zu bleiben, schrieben die Theaterschaffenden, gefolgt vom Wunsch nach einem gegenseitig respektvollen Umgang. Gräve habe das Vorarlberger Landestheater erfolgreich und zukunftsorientiert weiterentwickelt und als wichtigen Player in der österreichischen Theaterlandschaft positioniert, "dafür gebührt ihr große Anerkennung".

Breite Kritik am Umgang mit Gräve

Zuvor hatten bereits die Oppositionsparteien Grüne, SPÖ und Neos, der Freunde-Verein des Landestheaters, das Ensemble und weitere Akteure aus der Vorarlberger Kulturlandschaft das Vorgehen der Landesregierung bzw. des Aufsichtsrats der Vorarlberger Kulturhäuser Betriebsgesellschaft (KUGes) in der Personalie angesichts stets gelobter Arbeit Gräves kritisiert und diesen mangelnden Respekt gegenüber der Intendantin und dem Haus vorgeworfen – was das Land allerdings in Abrede stellt.

Der Vertrag von Stephanie Gräve endet im Sommer 2028. ©Rhomberg

Gräve hatte laut eigenen Angaben um Verlängerung bis 2030 gebeten, um das Theater nach der sanierungsbedingten Unterbrechung in der Spielzeit 2026/27 zu stabilisieren. Nach Wiedereröffnung im Herbst 2027 wird noch Gräve das Haus durch die erste Spielzeit führen. Das Land dagegen sah nach zwei (fünfjährigen) Perioden einen "guten Zeitpunkt für neue Impulse".

Beobachtende vermuten allerdings Gräves Einsatz für die Sanierung bzw. bessere Finanzierung des Theaters als möglichen Mitgrund. Die KUGes hatte angesichts der Kritik in einer Aussendung Grundlagen der einstimmigen Aufsichtsratsentscheidung dargelegt. So seien Bewertungskriterien wie "Programm, Vermittlung, wirtschaftliche Kennzahlen, Führungs- und Kommunikationskompetenz sowie Rollenverständnis" in das bewertete Gesamtbild eingeflossen.

Nach zwei (fünfjährigen) "erfolgreichen Perioden" sei "ein guter Zeitpunkt für neue Impulse" gekommen, erklärte Landesrätin Schöbi-Fink. ©APA

Für eine weitere Verlängerung ohne Ausschreibung hätte es "eine in jeder Hinsicht außergewöhnlich positive Gesamtbeurteilung" gebraucht, hieß es, "diese lag in der Gesamtschau jedoch nicht vor". Eine Online-Petition, die das Land zum Überdenken der Entscheidung auffordert, unterzeichneten bisher gut 900 Personen.

Offener Brief der KUGes

In einem ebenfalls am Montag veröffentlichten Offenen Brief unterstrich KUGes-Aufsichtsratsmitglied Franz Salzmann, dass das Gremium sowohl die "Außensicht" (u. a. Besucherentwicklung, Bühnenperformance) als auch die "Innensicht" (etwa Personalmanagement, Produktionsabläufe, interne Kommunikation) zu bewerten habe.

Der Aufsichtsrat "hat seine Verantwortung nicht nur für das Publikum, sondern auch für die Belegschaft, das Betriebsklima und die Qualität der innerbetrieblichen Abläufe wahrgenommen", so Salzmann. In den genannten internen Bereichen gebe es Defizite, über die man nicht hinwegsehen könne. "Deutlicher darf man das ja heute in der Öffentlichkeit nicht sagen", befand Salzmann. Er wünschte sich, dass alle Beteiligten sich wieder an den Tisch setzen, "um noch die nächsten zwei Jahre konstruktiv für das Theater weiterzuarbeiten".

(APA)

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