Österreichweit erstmals klare Leitlinien für Kinder mit Diabetes
Mit "Diabetes? Alles klar!" geht die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) einen bemerkenswerten Schritt: Erstmals stehen österreichweit einheitliche Schulungsunterlagen für die Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes zur Verfügung. Entwickelt wurden sie von rund 50 Expertinnen und Experten aus dem ganzen Land – interdisziplinär, praxisnah und orientiert an aktuellen Leitlinien.
Die Unterlagen sind kostenlos über die Website der ÖDG abrufbar. Primär gedacht sind sie für medizinisches Fachpersonal in der pädiatrischen Diabetesversorgung, doch auch Eltern und Betroffene können darauf zugreifen.
Mehr als nur Basiswissen
Das Projekt deckt ein breites Spektrum ab: Neben klassischen Inhalten zur Behandlung von Typ-1- und Typ-2-Diabetes finden sich auch praxisnahe Hilfestellungen für den Alltag. Themen wie Ernährung, Bewegung, Notfälle, Begleiterkrankungen oder soziale Herausforderungen werden verständlich aufbereitet.
Ein Novum: Erstmals wurde auch Typ-2-Diabetes im Kindes- und Jugendalter umfassend integriert – ein Bereich, der angesichts steigender Fallzahlen zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Verständlich für alle
Ein besonderes Augenmerk lag auf der Sprache. "Das Kollektiv unserer Patient:innen ist so vielfältig wie unsere Gesellschaft. Deshalb war uns wichtig, die Texte in einfacher Sprache zu verfassen, einheitliche Fachbegriffe zu verwenden und Widersprüche zu vermeiden", betont Co-Projektleiterin Ass. Prof.in PD Dr.in Elke Fröhlich-Reiterer von der Universitätsklinik Graz.
Auch Projektleiterin OÄ Dr.in Gabriele Berger vom ÖGK-Gesundheitszentrum Floridsdorf hebt die Dimension hervor: "Unser Ziel ist, dass Kinder und Jugendliche mit Diabetes – vom Neusiedler See bis zum Bodensee – nach denselben hohen Standards betreut werden."
Breite Zusammenarbeit – und klare Kritik
Die Liste der Mitwirkenden ist lang: Ärzt:innen, Pflegekräfte, Diabetesberater:innen, Diätolog:innen, Psycholog:innen und Sozialarbeiter:innen aus ganz Österreich haben am Projekt gearbeitet – vielfach ehrenamtlich.
Für ÖDG-Präsident Univ.-Prof. PD Dr. Harald Sourij ist das ein starkes Signal, aber auch Anlass zur Kritik: "Solche Projekte sind für die Versorgungsqualität von unschätzbarem Wert – gerade in einem Bereich, der seit Jahren massiv unterversorgt ist." Besonders im personellen Bereich gebe es große Defizite, sowohl in Kliniken als auch im niedergelassenen Bereich.
Blick in die Zukunft
Das Projekt soll laufend erweitert und aktualisiert werden. Geplant ist auch eine Übersetzung in weitere Sprachen, um mehr Familien den Zugang zu erleichtern.
(VOL.AT)