ORF-Krise: Neue Chats und schwere Vorwürfe gegen Weißmann
Die Krise rund um den ehemaligen ORF-Generaldirektor Roland Weißmann gewinnt weiter an Dynamik. Neue Aussagen der betroffenen Mitarbeiterin sowie veröffentlichte Chat-Auszüge werfen erneut Fragen zur internen Untersuchung und zum Umgang mit den Vorwürfen auf.
Mitarbeiterin widerspricht Weißmann klar
In einem Interview in der "ZiB 2" am Montag stellte die betroffene ORF-Mitarbeiterin klar, dass die Darstellung Weißmanns nicht zutreffe. Dieser hatte zuvor angegeben, die Beziehung sei einvernehmlich gewesen.
Die Frau bezeichnete diese Darstellung im ORF-Interview als "eindeutige Lüge". Zudem erklärte sie, dass sie den Abschlussbericht der Compliance-Untersuchung "gar nicht nachvollziehen" könne.
Compliance-Bericht sieht kein Fehlverhalten
Die interne Untersuchung im ORF war in der Vorwoche abgeschlossen worden. Unter Begleitung von drei externen Juristen kam sie zu dem Ergebnis, dass weder strafrechtlich noch im Sinne des Gleichbehandlungsgesetzes sexuelle Belästigung festgestellt werden konnte.
Laut dem beteiligten Anwalt Christopher Schrank habe sich auch der Eindruck ergeben, dass der Austausch "für keine der beiden Seiten unerwünscht" gewesen sei.
Chatnachrichten sorgen für neue Diskussion
Die Wochenzeitung "Falter" veröffentlichte in der Folge Auszüge aus Chats zwischen Weißmann und der Mitarbeiterin. Diese Entscheidung sei nach rechtlicher Prüfung erfolgt, um die Öffentlichkeit über die Kommunikation zu informieren.
Die betroffene Frau verwies im Interview darauf, dass es in den Nachrichten klare Hinweise auf ihre ablehnende Haltung gebe. Sie habe jedoch bei der Untersuchung nur ausgewählte Teile der Kommunikation vorgelegt, um gezielt Grenzüberschreitungen aufzuzeigen.
ORF-Spitze reagiert deutlich
Die interimistische ORF-Chefin Ingrid Thurnher bezeichnete die veröffentlichten Inhalte laut "ZiB 2" als "verstörend, schockierend und inakzeptabel". Die eingeleitete Beendigung des Dienstverhältnisses sei daher der richtige Schritt gewesen.
Weißmann selbst weist die Vorwürfe weiterhin zurück und kündigte an, gegen seine Kündigung vorzugehen. Sein Anwalt spricht von einer "Motivkündigung" und stellte rechtliche Schritte in Aussicht.
(VOL.AT)