Ostern ist kein einzelner Feiertag. Es ist ein ganzer Spannungsbogen, religiös, kulturell und auch arbeitsrechtlich. Wer ihn verstehen will, muss etwas weiter ausholen: von der Fastenzeit bis tief hinein in den Frühsommer.
Warum Ostern jedes Jahr anders fällt
Der Termin wirkt auf den ersten Blick zufällig, folgt aber einer alten Regel: Ostern wird am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert. Dadurch liegt es frühestens am 22. März und spätestens am 25. April.
Das hat Folgen: Auch alle anderen beweglichen Feiertage, vom Aschermittwoch bis Pfingsten, verschieben sich jedes Jahr mit.
Der Weg zu Ostern: Fastenzeit und Karwoche
Alles beginnt mit dem Aschermittwoch, der den Start der 40-tägigen Fastenzeit markiert und traditionell als Phase der Vorbereitung und des Verzichts gilt. Eine Woche vor Ostern folgt der Palmsonntag, an dem in Österreich vielerorts Palmbuschen gesegnet werden, ein vertrautes Bild, besonders im ländlichen Raum.
Die Karwoche bildet schließlich den dramatischen Höhepunkt: Am Gründonnerstag wird an das letzte Abendmahl erinnert, am Karfreitag steht das Gedenken an die Kreuzigung im Mittelpunkt und gilt als stillster Tag im Kirchenjahr. Der Karsamstag wiederum ist von der Grabesruhe geprägt, bevor in der Osternacht der Übergang vom Dunkel ins Licht gefeiert wird, als zentrale Feier der Auferstehung.
Diese Tage bilden liturgisch eine Einheit, das sogenannte "Triduum".
Ostern selbst: Mehr als nur ein Sonntag
Der Ostersonntag steht im Zentrum des Festes, denn Christen feiern die Auferstehung Jesu. Gleichzeitig beginnt hier erst eine längere Festzeit, die weit über diesen einen Tag hinausgeht. Der Ostermontag, der in Österreich ein gesetzlicher Feiertag ist, greift die biblische Emmaus-Geschichte auf und verlängert die Osterfeier auch symbolisch.
Osterzeit: Die Feier geht weiter
Mit dem Ostersonntag endet die Geschichte nicht, vielmehr entfaltet sie sich in den Wochen danach weiter. Christi Himmelfahrt und Pfingsten gehören unmittelbar zur Ostergeschichte und erklären, was nach der Auferstehung geschieht: 40 Tage nach Ostern wird an Christi Himmelfahrt erinnert, also daran, dass Jesus laut Bibel zu Gott "zurückkehrt" und nicht mehr sichtbar unter den Menschen ist. Zehn Tage später folgt Pfingsten, bei dem der Heilige Geist auf die Jünger herabkommt und ihnen Mut gibt, die Botschaft weiterzutragen.
Während Himmelfahrt somit den Abschied markiert, steht Pfingsten für den Neuanfang und gilt deshalb auch als "Geburtstag der Kirche". Den Abschluss bildet der Dreifaltigkeitssonntag. Er steht am Ende der Osterzeit und markiert den Übergang in den "Alltag" des Kirchenjahres.
Zwischen Tradition und Alltag
Neben der religiösen Bedeutung prägen auch zahlreiche Bräuche das Osterfest. In Österreich ersetzen etwa Ratschen in der Karwoche die verstummten Glocken, während bei der Speisensegnung typische Lebensmittel wie Schinken, Eier und Kren gesegnet werden. Auch die Palmbuschen am Palmsonntag gehören fest zum Brauchtum.
Gleichzeitig hat sich Ostern längst auch säkularisiert: Ostereiersuche und Schokohasen sind für viele Menschen heute genauso selbstverständlich wie der Kirchgang.
(VOL.AT)