Pfandsystem im Härtetest – so lief das erste Jahr wirklich
Mit dem Jahreswechsel 2025 wurde in Österreich das neue Einwegpfandsystem auf Plastikflaschen und Aludosen eingeführt. Nun, zwölf Monate später, zieht Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) eine erfreuliche Bilanz: 81,5 Prozent aller pfandpflichtigen Gebinde wurden im ersten Jahr zurückgegeben – und damit das gesetzliche Ziel von 80 Prozent erfüllt.
"Das ist ein Musterbeispiel dafür, wie ein System funktionieren kann", sagte Totschnig bei der Vorstellung der Zahlen am Mittwoch. Der Bund hatte für die Umsetzung tief in die Tasche gegriffen: 80 Millionen Euro wurden für Rückgabeautomaten bereitgestellt, weitere 60 Millionen flossen in Sortieranlagen. Bis 2027 soll die Rücklaufquote allerdings noch weiter steigen – auf 90 Prozent. Anfangsschwierigkeiten, so der Minister, habe man rasch in den Griff bekommen. "Das Pfandsystem ist ein zentraler Hebel, um die EU-Ziele bei der Sammlung und dem Recyclinganteil von PET-Flaschen zu erreichen."
Sauberes Sortieren zahlt sich aus
Auch die Wirtschaft steht hinter dem System: Monika Fiala, Geschäftsführerin von Recycling Pfand Österreich, hob den Nutzen der sortenreinen Sammlung hervor. "Je besser die Trennung nach Farbe und Material, desto höher die Recyclingqualität", erklärte sie. Das zahlt sich aus – denn laut EU-Vorgaben müssen PET-Flaschen seit 2025 zu mindestens 25 Prozent aus recyceltem Material bestehen. Wie gut Österreich dieses Ziel erfüllt, soll im März feststehen.
Trotz der hohen Rücklaufquote war das erste Jahr eine Herausforderung. Denn 2025 galt als Übergangsphase: Das Pfandlogo war ab 1. Jänner verpflichtend, dennoch durften Hersteller bis Ende März noch Flaschen ohne Kennzeichnung produzieren. Produkte ohne Pfandkennzeichnung durften sogar bis Jahresende verkauft werden. Laut Fiala war dieser Übergang mit April und Mai weitgehend abgeschlossen.
Zahlen, die beeindrucken – und Fragen aufwerfen
Insgesamt wurden 2025 rund zwei Milliarden Flaschen und Dosen in Umlauf gebracht. Bis zum 31. Dezember kamen 1,4 Milliarden davon zurück – das entspricht der genannten Rücklaufquote von 81,5 Prozent. Grundlage dafür war eine durchschnittliche Verweildauer von 51 Tagen zwischen Kauf und Rückgabe.
Recycling Pfand Österreich ließ auch die Akzeptanz des Systems erheben: Laut einer repräsentativen Umfrage erkennen neun von zehn Menschen das Pfandsymbol – und rund drei Viertel befürworten das 25-Cent-Pfandmodell. 85 Prozent fühlen sich gut informiert. Damit sei eine solide Basis gelegt, meint Fiala. Dennoch wolle man 2026 verstärkt in Aufklärung investieren, um das Sammelziel von 90 Prozent zu erreichen – und damit die EU-Vorgaben zwei Jahre früher zu erfüllen als vorgeschrieben.
Barrieren beim Recycling? Kritik vom Behindertenrat
Ein Wermutstropfen bleibt jedoch: Der Österreichische Behindertenrat kritisierte in einer Aussendung die mangelnde Barrierefreiheit vieler Rückgabeautomaten. Diese seien für blinde oder sehbehinderte Menschen, Rollstuhlfahrer, kleinwüchsige Personen oder Menschen mit motorischen Einschränkungen kaum selbstständig bedienbar. Man fordere, dass Barrierefreiheit bei der Zertifizierung künftig verpflichtend werde.
Fiala verwies darauf, dass beim Ausbau der Rückgabe-Infrastruktur vielfach auf bestehende Automaten zurückgegriffen wurde – eine vollständige Umrüstung sei kurzfristig nicht möglich gewesen. Der Behindertenrat bleibt bei seiner Forderung: "Pfandrückgabe muss für alle Menschen zugänglich sein."
Faktenblock
- Start des Pfandsystems: 1. Jänner 2025
- Rücklaufquote im ersten Jahr: 81,5 %
- Rückgegebene Gebinde: 1,4 Milliarden
- Umlaufgebrachte Pfandprodukte: 2 Milliarden
- Investitionen des Bundes: 80 Mio. € (Rückgabe), 60 Mio. € (Sortierung)
- Anzahl Rückgabeautomaten: 6400 – zweithöchste Dichte in Europa
- EU-Ziel: 90 % Rücklaufquote bis 2029, Österreich plant Zielerreichung bis 2027
(VOL.AT)