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Pickerl-Reform geplant: Warum der ÖAMTC jetzt Alarm schlägt

ÖAMTC kritisiert geplante Pickerl-Reform der Regierung.
ÖAMTC kritisiert geplante Pickerl-Reform der Regierung. ©APA
Die Bundesregierung plant eine Reform der § 57a-Überprüfung ("Pickerl") und will die bisherigen Prüfintervalle ändern. Der ÖAMTC begrüßt zwar das Ziel der Entlastung, sieht im vorliegenden Modell jedoch mehrere Probleme – von zusätzlichem Aufwand bis hin zu möglichen Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit.

Regierung plant längere Prüfintervalle

Die Bundesregierung will das aktuelle Pickerl-System reformieren. Künftig soll die § 57a-Überprüfung nicht mehr nach dem bisherigen Modell "3-2-1" erfolgen – also erstmals drei Jahre nach dem Neukauf, danach nach zwei Jahren und anschließend jährlich. Vorgesehen ist stattdessen ein Intervall von "4-2-2-2-1".

Mit der Änderung sollen Autofahrer finanziell entlastet und der Verwaltungsaufwand reduziert werden.

ÖAMTC sieht zusätzlichen Aufwand

Beim ÖAMTC stößt der Vorschlag jedoch auf Kritik. Verkehrs-Experte Bernhard Wiesinger bezeichnet die geplante Lösung als nicht ausreichend durchdacht. Nach Einschätzung des Mobilitätsclubs müssten rund zwei Millionen Fahrzeughalter zusätzlich eine Prüfstelle aufsuchen, um eine neue Plakette abzuholen und den Prüftermin aktualisieren zu lassen.

Dadurch entstünden laut ÖAMTC zusätzliche Verwaltungskosten von rund 23 Millionen Euro.

Forderung nach digitalem Pickerl

Als Alternative bringt der ÖAMTC ein digitales Pickerl ins Spiel. Damit könnten Wege zu Prüfstellen und ein Teil des Verwaltungsaufwands eingespart werden.

Nach Ansicht des Clubs würde eine digitale Lösung eine tatsächliche Entlastung für Fahrzeughalter bringen, auch wenn deren Umsetzung mehr Zeit in Anspruch nehmen könnte.

Regionale Unterschiede bei Fahrzeugmängeln

Kritisch sieht der ÖAMTC auch die Auswirkungen längerer Prüfintervalle in unterschiedlichen Regionen Österreichs. Nach Auswertungen des Clubs treten schwere Fahrzeugmängel in alpinen Regionen häufiger auf als in flacheren Gebieten.

Demnach weist nach fünf Jahren etwa jedes vierte Fahrzeug im Flachland einen schweren Mangel auf. Im steirischen Bezirk Liezen liegt dieser Anteil laut ÖAMTC bei rund 38 Prozent. Nach zehn Jahren steigt die Quote auf rund 35 Prozent im Flachland und auf 56 Prozent in Liezen.

Streusalz und Winter als Belastungsfaktoren

Als Hauptursachen nennt der Mobilitätsclub die stärkere Beanspruchung der Fahrzeuge durch härtere Winterbedingungen und den häufigeren Einsatz von Streusalz in Bergregionen.

Längere Prüfintervalle könnten dazu führen, dass Schäden erst später entdeckt werden. Dadurch könnten notwendige Reparaturen umfangreicher und teurer ausfallen.

Offene Fragen bei der Verkehrssicherheit

Auch hinsichtlich der Verkehrssicherheit sieht der ÖAMTC noch Klärungsbedarf. Der Club verweist auf internationale Studien, wonach eine geringere Kontrolldichte Auswirkungen auf das Unfallgeschehen haben kann.

Für Österreich gebe es dazu derzeit jedoch keine eindeutigen Daten. Der ÖAMTC fordert daher, die Entwicklung nach einer möglichen Reform genau zu beobachten und gegebenenfalls nachzuschärfen.

(VOL.AT)

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