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Prostatakrebs: Neue Studie weist auf Zusammenhang mit Pestiziden hin

Unsichtbare Gefahr im Garten? Pestizid steht unter Krebsverdacht.
Unsichtbare Gefahr im Garten? Pestizid steht unter Krebsverdacht. ©CANVA
Eine Analyse von fast 300 chemischen Substanzen bringt weit verbreitete Pflanzenschutzmittel in Verbindung mit Prostatakrebs. Besonders ein Wirkstoff fällt ins Auge.

Die Zahlen sprechen für sich: Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern – in Deutschland ebenso wie in Österreich. Allein im Jahr 2022 erhielten 7.000 Männer in Österreich diese Diagnose, 1.417 starben an den Folgen. Weltweit wird intensiv nach Ursachen geforscht. Eine aktuelle Studie der Stanford University bringt nun den großflächigen Einsatz von Pestiziden ins Spiel – mit brisanten Ergebnissen.

Bereits frühere Untersuchungen deuteten darauf hin, dass Inhaltsstoffe in Lebensmitteln – etwa Cholin oder Betain, die vor allem in tierischen Produkten und bestimmten Gemüsesorten vorkommen – eine Rolle spielen könnten. Die aktuelle Studie geht jedoch einen Schritt weiter: Sie lenkt den Blick auf chemische Rückstände aus der Landwirtschaft, die über Jahrzehnte auf Feldern zum Einsatz kamen.

Was wurde untersucht?

Die Forschenden analysierten für ihre Studie Daten zur Pestizidnutzung in den USA über zwei Jahrzehnte hinweg. Konkret griffen sie auf Nutzungsdaten der US-Umweltschutzbehörde (EPA), der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des US Geological Survey zurück. Zwei Expositionszeiträume wurden definiert – 1997 bis 2001 sowie 2002 bis 2006 – mit jeweils nachgelagerten Beobachtungszeiträumen, in denen Prostatakrebsfälle dokumentiert wurden (2011–2015 bzw. 2016–2020).

Besonders im Fokus standen Pestizide, die in mindestens 35 Bezirken der Vereinigten Staaten regelmäßig verwendet wurden. Insgesamt wurden 295 Substanzen untersucht – Herbizide, Fungizide, Insektizide und ein Bodenbegasungsmittel. Das Team berechnete für jedes Mittel eine kumulierte 5-Jahres-Belastung und ordnete die Stoffe nach Zielorganismus, Einsatzpflanze, chemischer Struktur und Wirkungsmechanismus.

Tägliches Gift? Studie bringt Unkrautmittel mit Männerkrebs in Verbindung. ©CANVA

Der Hauptverdächtige: 2,4-D

Aus den knapp 300 analysierten Pestiziden stachen 22 hervor, die in einem signifikanten Zusammenhang mit Prostatakrebsfällen standen. Besonders auffällig: der Wirkstoff 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure, kurz 2,4-D. Dieses Herbizid zählt zu den am häufigsten verwendeten in den Vereinigten Staaten – und ist auch in Deutschland kein Unbekannter. Hier findet es sich in zahlreichen Rasendüngern und Unkrautvernichtern. Eingesetzt wird es vor allem gegen sogenannte zweikeimblättrige Pflanzen in Getreidefeldern, auf Grünland sowie in Obstplantagen.

Die Studie macht jedoch klar: Auch andere Pestizide – quer durch verschiedene chemische Klassen – stehen unter Verdacht, das Risiko für Prostatakrebs zu erhöhen. Darunter sind auch Mittel, die gegen Pilze und Insekten wirken.

Was bedeutet das für uns?

„Diese Forschung zeigt, wie bedeutsam es ist, Umweltfaktoren wie Pestizide bei der Ursachenforschung zu berücksichtigen“, erklärte Studienleiter Simon John Christoph Soerensen von der Stanford University School of Medicine in einer Aussendung. „So können wir besser verstehen, warum es regionale Unterschiede bei Erkrankungs- und Todesraten gibt – und gezielter gegensteuern.“

Doch die Wissenschaftler selbst mahnen zur Vorsicht: Die Daten stammen ausschließlich aus den USA. Ob sich die Ergebnisse ohne Weiteres auf andere Länder übertragen lassen, ist fraglich. Zudem beschreibt die Studie eine Korrelation, keine kausale Ursache-Wirkung-Beziehung. Welche biologischen Mechanismen hinter dem beobachteten Zusammenhang stehen, bleibt bislang unklar.

Situation in Österreich: Zahlen steigen wieder

Die Bedeutung des Themas zeigt sich auch hierzulande. Prostatakrebs war 2022 erneut die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Österreich und machte fast 30 Prozent aller männlichen Neuerkrankungen aus. Die altersstandardisierte Neuerkrankungsrate lag bei 165,3 pro 100.000 Männer, die Sterberate bei 38,6. Rund 78.150 Männer lebten Ende 2022 mit der Diagnose, bei etwa 40 Prozent lag sie bereits mehr als zehn Jahre zurück.

Die Entwicklung ist ambivalent: Während die Sterberate seit ihrem Höchststand im Jahr 1999 (66,1) deutlich gesunken ist, steigt die Zahl der Neuerkrankungen seit 2014 wieder an. Auffällig sind auch die Unterschiede zwischen den Bundesländern: Tirol verzeichnete in den Jahren 2020–2022 die höchste Neuerkrankungsrate, Wien die niedrigste. Die höchste Sterblichkeit wiederum wurde in Salzburg und Wien gemessen – Tirol lag hier am unteren Ende des Spektrums.

Früherkennung bleibt das A und O

Unabhängig davon ist klar: Früherkennung kann Leben retten. Denn Prostatakrebs verursacht in frühen Stadien meist keine Beschwerden. Erst später machen sich Symptome wie Schmerzen beim Wasserlassen, Blut im Ejakulat oder Beschwerden beim Geschlechtsverkehr bemerkbar. Das Robert Koch-Institut weist darauf hin, dass jährlich rund 65.000 Männer in Deutschland neu an Prostatakrebs erkranken – Tendenz steigend.

Vor allem Männern ab 50 wird daher eine regelmäßige Vorsorge beim Urologen empfohlen. Denn auch wenn Umweltgifte eine Rolle spielen könnten – je früher ein Tumor entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

(VOL.AT)

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