Rätsel um gigantische Luftraum-Sperre vor Chinas Küste
Ungewöhnlich lange Sperre ohne Erklärung
China hat große Teile seines Luftraums vor der nordöstlichen Küste vorübergehend geschlossen – und das für einen auffallend langen Zeitraum. Wie unter anderem der "Telegraph" berichtet, gilt die Sperre vom 27. März bis zum 6. Mai, also insgesamt rund 40 Tage. Eine offizielle Begründung aus Peking blieb bisher aus.
Solche Maßnahmen sind grundsätzlich nicht ungewöhnlich: Üblicherweise werden Lufträume für Militärübungen gesperrt. Allerdings dauern entsprechende Manöver der chinesischen Volksbefreiungsarmee meist nur wenige Tage und werden in der Regel angekündigt. In diesem Fall fehlt eine solche Ankündigung bislang.
Gebiet erstreckt sich über Hunderte Kilometer
Nach Angaben der US-Luftfahrtbehörde FAA umfasst die Sperrzone fünf Sektoren mit einer Ausdehnung von rund 550 Kilometern. Sie reicht vom Gelben Meer bis ins Ostchinesische Meer nahe Shanghai. Auffällig ist zudem, dass die Einschränkung nicht auf bestimmte Höhen begrenzt ist und damit auch Aktivitäten im höheren Luftraum betreffen könnte.
Experten sehen militärische Motive
Militärexperten gehen laut "Wall Street Journal" davon aus, dass China die Sperrung für komplexe Luftkampfübungen nutzen könnte. Denkbar seien etwa Szenarien, bei denen wichtige Flugrouten blockiert werden – etwa solche, die das US-Militär im Fall eines Konflikts um Taiwan nutzen würde. Die USA verfügen in Japan und Südkorea über Militärstützpunkte in unmittelbarer Nähe.
Spekulationen über Spannungen mit Japan
Ein hochrangiger Vertreter der taiwanischen Regierung deutete laut "Telegraph" an, dass sich die Maßnahme auch gegen Japan richten könnte. Die Beziehungen zwischen Tokio und Peking sind seit Jahren angespannt – unter anderem wegen des Territorialstreits um die Senkaku-Inseln.
Zusätzliche Brisanz erhielt die Lage zuletzt durch einen Zwischenfall in Tokio: Im vergangenen Monat soll ein Offizier der japanischen Armee in die chinesische Botschaft eingedrungen sein.
Warum China den Luftraum über einen derart langen Zeitraum sperrt und warum dies ohne offizielle Kommunikation geschieht, bleibt vorerst unklar.
(VOL.AT)