"Rennen gegen die Zeit": Angriffe setzen Golfstaaten militärisch unter Druck
Die Spannungen zwischen dem Iran und mehreren Golfstaaten verschärfen sich weiter. In den vergangenen Tagen wurden wiederholt Ziele in der Region angegriffen, darunter Flughäfen, Hotels und zentrale Energieanlagen. Die politische und wirtschaftliche Unsicherheit nimmt zu.
Golfstaaten bemühen sich um Einfluss auf Washington
Mehrere Staaten am Golf sollen hinter den Kulissen versucht haben, auf eine diplomatische Lösung hinzuwirken. Die Nachrichtenagentur "Bloomberg" berichtete, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Katar hätten Verbündete gebeten, auf US-Präsident Donald Trump einzuwirken, um weitere Militärschläge gegen den Iran zu verhindern.
Kurz darauf ließ die Regierung der VAE jedoch erkennen, sie werbe nicht für eine Deeskalation. Israelische Journalisten meldeten zudem, Katar habe selbst einen Angriff im Iran durchgeführt.
Luftabwehr unter anhaltendem Druck
Nach Informationen des "Wall Street Journal" verfügen Saudi-Arabien, Katar und andere Staaten zwar über moderne Luftabwehrsysteme. Unter anhaltenden Angriffen könnten jedoch die Munitionsvorräte knapp werden. Es sei von einem "Rennen gegen die Zeit" die Rede.
Katar habe nach eigenen Angaben zwei iranische Jets im eigenen Luftraum abgeschossen. Ob die Golfstaaten zu einem offenen militärischen Konflikt mit dem Iran bereit und in der Lage wären, gilt als offen.
Saudi-Kronprinz Mohammed bin Salman drohte dem Iran mit Vergeltung für die Attacken. Zugleich werden aus Saudi-Arabien Signale wahrgenommen, dass es keine militärische Mobilisierung gebe.
Image-Risiko für Dubai und Abu Dhabi
Für die Emirate stellen die Angriffe auch ein wirtschaftliches Risiko dar. Städte wie Dubai und Abu Dhabi positionieren sich seit Jahren als sichere, international ausgerichtete Tourismus- und Finanzzentren. Bilder von beschädigten Gebäuden und verunsicherten Reisenden könnten dieses Image beeinträchtigen.
Die Golfstaaten treiben derzeit umfangreiche Reformprogramme voran, um ihre Volkswirtschaften breiter aufzustellen und die Abhängigkeit vom Öl zu verringern. Anhaltende militärische Spannungen könnten Investoren und Touristen abschrecken. Auch Saudi-Arabien ist auf stabile Rahmenbedingungen angewiesen – etwa für milliardenschwere Bauprojekte oder die Fußball-Weltmeisterschaft 2034.
Energie-Infrastruktur im Fokus
Neben symbolträchtigen Zielen geraten auch zentrale Energieanlagen ins Visier. In Saudi-Arabien habe die Großraffinerie Ras Tanura nach Angriffen zeitweise den Betrieb eingestellt. Der staatliche Energiekonzern QatarEnergy plane zudem, die Produktion von Flüssigerdgas zu drosseln.
Zusätzlich blockiere Teheran die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Öltransportrouten weltweit. Die iranischen Revolutionsgarden hätten angekündigt, "kein Tropfen" werde die Region verlassen.
Beobachter gehen davon aus, dass begrenzte Angriffe bereits in den Ölpreis eingepreist gewesen sein könnten. Eine länger anhaltende Eskalation oder eine fortgesetzte Blockade wichtiger Seerouten könnte jedoch weiterreichende wirtschaftliche Folgen haben.
(VOL.AT)