Beim schwer angeschlagenen deutschen Agrarhandelskonzern BayWa, an dem die Raiffeisen Agrar Invest aus Österreich beteiligt ist, haben drei weitere Aufsichtsratsmitglieder ihren Rückzug aus dem Gremium angekündigt.Ende März verlassen die Europapolitikerin Monika Hohlmeier (CSU) und RLB NÖ-Wien-Chef der Michael Höllerer das Gremium, Ende Mai folgt Monique Surges, die Vorsitzende der deutschen Auslandshandelskammer in Neuseeland.
Das teilte die BayWa am Sonntagabend in München mit. Der Direktor der Raiffeisenlandesbank Wien-Niederösterreich war genau so noch bis 2028 gewählt, wie die CSU-Politikerin und die Handelskämmererin.
"Die strategische, kulturelle und personelle Erneuerung macht auch vor dem Aufsichtsrat nicht halt", sagte der Vorsitzende des Gremiums, Gregor Scheller. "Wir verändern das Gremium Schritt für Schritt und orientieren es an den zukünftigen Anforderungen der BayWa." Nachfolger für das Trio würden noch gesucht, sie sollen auf der Hauptversammlung 2026 gewählt werden.
Nur mehr Bauernverbandschef Rukwied aus Lutz-Ära im Amt
Nach den drei Rücktritten ist aus der Ära des langjährigen Vorstandschefs Klaus Josef Lutz von den acht Aktionärsvertretern im Aufsichtsrat der BayWa nur noch der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied, im Amt. Die Aufsichtsräte waren in die Kritik geraten, weil sie den schuldenfinanzierten Expansionskurs von Lutz gestützt hatten, der die BayWa 2024 in eine schwere Schieflage brachte. Hohlmeier, Höllerer und Rukwied gehören dem Aufsichtsrat seit 2013 an, Surges seit 2015. Der Aufsichtsratschef des österreichischen Großaktionärs RWA Raiffeisen Ware Austria, Michael Göschelbauer, war erst 2023 in das Gremium eingezogen, die übrigen sechs Amtsinhaber kamen in den vergangenen eineinhalb Jahren hinzu.
Von 2028 an sollen die Mitglieder des BayWa-Aufsichtsrates wie bei börsennotierten Unternehmen üblich gestaffelt gewählt werden, sodass jedes Jahr zwei Posten neu zu besetzen sind. Zudem wird die Amtszeit von fünf auf vier Jahre verkürzt. Dem BayWa-Vorstand soll das Gremium künftig genauer auf die Finger schauen: Alle Geschäfte über 50 Mio. Euro müssen vom Aufsichtsrat gebilligt werden, vorher lag die Schwelle bei 200 Mio. Euro.
2019-2024:
(APA/REUTERS)