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Russische Drohne trifft Hochhaus in NATO-Staat

Russische Drohne trifft Wohnhochhaus in Rumänien: NATO spricht von Eskalation.
Russische Drohne trifft Wohnhochhaus in Rumänien: NATO spricht von Eskalation. ©APA/AFP
Eine russische Drohne hat in der rumänischen Stadt Galați nahe der Grenze zur Ukraine ein Hochhaus getroffen.

Der Einschlag löste einen Brand im zehnten Stock des Gebäudes aus, zwei Leichtverletzte wurden vor Ort versorgt, wie das rumänische Innenministerium mitteilte. Es hagelte internationale Proteste, unter anderem von NATO und EU. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) verurteilte den Angriff auf der Online-Plattform X. "Ich verurteile ihn auf das Schärfste!", schrieb er.

Der russische Drohnenangriff auf Wohngebäude in Rumänien sei eine weitere gefährliche Eskalation und "absolut verwerflich", schrieb Stocker. Man stehe in "voller Solidarität hinter unseren Freunden und Partnern in Rumänien" und wünsche den Verletzten eine schnelle Genesung. Österreich unterstütze zudem uneingeschränkt die gemeinsamen europäischen Bemühungen zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit und der Verteidigungsfähigkeiten gegen die Bedrohung durch Drohnenangriffe.

Das Verteidigungsministerium in Bukarest hatte zuvor erklärt, Russland habe in der Nacht auf Freitag in der Ukraine in Grenznähe erneut zivile Ziele und Infrastruktur mit Drohnen angegriffen. Eine davon sei in den rumänischen Luftraum eingedrungen und über dem Hochhaus in Galați abgestürzt. Zwei Kampfflugzeuge der Luftabwehr vom Typ F-16 seien um 1.19 Uhr vom Militärstützpunkt Fetești aufgestiegen, unterstützt von einem Hubschrauber der rumänischen Luftwaffe. Die Lage sei dynamisch, hieß es weiter.

"Schwere Eskalation"

Der EU- und NATO-Staat Rumänien warf Russland nach dem Einschlag eine "schwere und unverantwortliche Eskalation" vor. Bukarest werde die notwendigen diplomatischen Maßnahmen ergreifen, um auf diesen schwerwiegenden Verstoß gegen das Völkerrecht und die Verletzung seines Luftraumes zu reagieren, teilt das Außenministerium mit.

Rumänien wird es nach den Worten von Präsident Nicusor Dan nicht hinnehmen, dass der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine auf seine Bevölkerung übergreift. Er habe das Außenministerium aufgefordert, unverzüglich eine Reihe von Maßnahmen bezüglich der Beziehungen zu Russland vorzulegen, erklärt Dan. Diese müssten "dieser sehr ernsten Lage angemessen" sein.

In Rumänien wurde nun der russische Botschafter einbestellt. "Wir werden offiziell mitteilen, welche Folgen diese Verantwortungslosigkeit seitens der Russischen Föderation für die diplomatischen Beziehungen zwischen unseren Ländern haben wird sowie die nächsten Schritte auf europäischer Ebene bezüglich der Sanktionspakete", erklärte Rumäniens Außenministerin Oana Toiu am Freitag im Onlinedienst X. Sie bezeichnete den Vorfall als "äußerst schwerwiegend".

NATO-Transfer von Drohnenabwehrkapazitäten

Rumänien habe die Verbündeten und NATO-Generalsekretär Mark Rutte über den Vorfall informiert. Zudem habe man darum gebeten, den Transfer von Drohnenabwehrkapazitäten nach Rumänien zu beschleunigen. Die NATO hat Rumänien nach dem Einschlag einen Ausbau der Abwehrfähigkeiten in Aussicht gestellt.

"Wir verurteilen Russlands Rücksichtslosigkeit, und die NATO wird ihre Verteidigung gegen alle Bedrohungen weiter stärken – auch gegen Drohnen", teilte Sprecherin Allison Hart mit. Generalsekretär Mark Rutte stehe nach dem Einschlag der Drohne in Kontakt mit den rumänischen Behörden. Die NATO warf ihrerseits Russland Rücksichtslosigkeit vor. Sie werde ihre Verteidigung gegen alle Bedrohungen weiter verstärken, erklärt ein Sprecher des Militärbündnisses auf der Social-Media-Plattform X. Dies betreffe auch Drohnen.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach davon, mit dem Drohneneinschlag in Rumänien habe Russland erneut eine Grenze überschritten. "Wir stehen voll und ganz solidarisch an der Seite Rumäniens und seines Volkes", erklärt sie in einem Beitrag auf der Online-Plattform X. "Während wir unsere Sicherheits- und Abschreckungsmaßnahmen, insbesondere an unserer Ostgrenze, weiter verstärken, werden wir den Druck auf Russland weiter erhöhen."

Russland Bedrohung für europäische Sicherheit

Der Einschlag der russischen Drohne zeigt nach Einschätzung des französischen Europaministers Benjamin Haddad, dass Russland eine Bedrohung für die europäische Sicherheit darstellt. "Russland hat nicht nur die Ukraine angegriffen, sondern auch die europäische Sicherheitsarchitektur bedroht", sagt Haddad dem französischen Rundfunksender RMC.

"Ich möchte außerdem darauf hinweisen, dass wir im Rahmen der NATO-Sicherheitseinsätze französische Truppen in Rumänien stationiert haben, um insbesondere unsere Unterstützung für die Souveränität unserer Partner in Europa zu demonstrieren." In Frankreich wurde ebenso der russische Botschafter einbestellt.

Das rumänische Innenministerium erklärte auf Facebook, zunächst seien keine weiteren Drohnen gesichtet worden. Ein auf Explosionen spezialisiertes Ermittlerteam machte sich in der Nacht auf den Weg zum Einsatzort. Galați liegt an der Donau, die Grenzen zur Republik Moldau und zur Ukraine sind jeweils nur wenige Kilometer entfernt.

Mehrfach russische Drohnentrümmer im Grenzgebiet gefunden

Russland greift die benachbarte Ukraine immer wieder mit zahlreichen Drohnen an. Dabei gab es auch einzelne Fälle, bei denen Drohnen den Luftraum von NATO-Staaten verletzten. Auch der ukrainische Donauhafen Reni in der Nähe von Galați ist immer wieder Ziel russischer Angriffe.

In Rumänien wurden im Grenzgebiet bereits mehrfach russische Drohnentrümmer geborgen. Erst vor einem Monat war eine russische Drohne über Galați abgestürzt und traf nach Behördenangaben das Nebengebäude eines Wohnhauses. Verletzt wurde damals niemand. Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen Russlands Angriffskrieg. Fast täglich greift Moskau das Nachbarland mit Drohnen und auch mit Raketen an.

(APA/DPA/REUTERS)

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